Standort Sonneberg „Mann und Hummel“ flaggt um zu „MoldTecs“

Sarah Jakob
Der Firmenstandort in Sonneberg. Foto: Carl-Heinz Zitzmann

Im Frühsommer ist bekannt geworden, dass Sonnebergs größter Industrie-Arbeitgeber an einen Finanzinvestor geht. Der Verkauf ist nun rechtskräftig.

Die „Mann und Hummel“-Gruppe hat den Verkauf ihres weltweiten Geschäfts mit Hochleistungskunststoffteilen an den Finanzinvestor „Mutares“ abgeschlossen. Dies schreibt die Unternehmensleitung in einer Mitteilung und informiert ferner, dass der letztendliche „Verkauf nach enger Abstimmung mit den Arbeitnehmervertretern, der Zustimmung aller relevanter Aufsichtsbehörden, sowie der Erfüllung weiterer üblicher Vollzugsbedingungen“ über die Bühne ging.

Diesen Eindruck bestätigt ebenfalls Andreas Schmidt, der für die „IG Bergbau, Chemie, Energie“ (IGBCE) zuständige Sekretär für diesen Betrieb. Auf Nachfrage, wie die Abwicklung des Verkaufs aus Sicht der Gewerkschaft abgelaufen ist, bestätigt dieser einen einvernehmlichen Vorgang. Bei den Verhandlungen an sich sei die IGBCE, wie üblich, nicht dabei gewesen. Jedoch habe keine Notwendigkeit eines Sozialplans oder eines Interessenausgleichs bestanden. „Alle tarifrechtlichen und arbeitsvertraglichen Belange sowie die geltenden Betriebsvereinbarungen gelten nach Paragraf 613a BGB weiterhin fort“, sagt Schmidt. Dieser besagt, dass ein Inhaber, wenn ein Betrieb oder Betriebsteil durch Rechtsgeschäft auf ihn übergeht, dieser in die Rechte und Pflichten aus den im Zeitpunkt des Übergangs bestehenden Arbeitsverhältnissen eintritt. Inwiefern man sich aber zukünftig für Arbeitnehmerinteressen im Zuge der Verlagerung des Segments der Filtertechnik nach Ludwigsburg stark machen muss, bliebe noch abzuwarten.

Die in Sonneberg hergestellten Hochleistungs-Kunststoffteile sieht man hingegen besser aufgehoben als Bilanzbestandteil des neuen Investors. Das Segment, welches Produkte jenseits von Filtrations- und Separationslösungen umfasst, wurde am 1. Oktober 2022 auf Mutares übertragen und trägt den neuen Markennamen „MoldTecs“, heißt es weiter. Die Transaktion sei dem Schreiben zufolge ein wichtiger Meilenstein für das Unternehmen „Mann und Hummel“, dessen Werk in Sonneberg mit 600 Beschäftigten den größten industriellen Arbeitgeber stellt. Im Rahmen der Transaktion übernimmt Mutares neben dem Sonneberger Firmengebäuden auch die Produktionsstandorte in Bad Harzburg in Niedersachsen, sowie Laval in Frankreich mit insgesamt rund 1 500 Mitarbeitern (wir berichteten).

Da Mutares im Internet als Finanzdienstleister, der „die Gesellschaft erwirbt und ertragsschwache mittelständische Unternehmen und Konzernausgliederungen abwickelt, um sie gewinnbringend weiterzuveräußern“ beschrieben wird, stand von Beginn an die Frage im Raum, ob es im laufenden Jahrzehnt erneut zu einem Besitzerwechsel kommen könnte. In diese Logik passt eine Äußerung der Mutares-Chefetage vom Oktober 2019 im Interview mit dem „www-finance-magazin“: „Im Schnitt halten wir unsere Unternehmen fünf Jahre lang im Portfolio.“ IGBCE-Sekretär zufolge könne man noch nicht sagen, höchstens einschätzen, was passiert: „Es handelt sich nicht nur um einen finanziellen, sondern auch im einen strategischen Investor.“ Wenn am erworbenen Produktionsstandort „alles stimmig“ verlaufe, würde dieser mit großer Wahrscheinlichkeit erst einmal beibehalten werden. Wie der neue Besitzer allerdings in ferner Zukunft agiert, ist nicht vorhersehbar.

 

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