Stänichä Kerwa Auftakt mit Anzapf-Schwierigkeiten

Madlen Pfeifer

So richtig flüssig wollte es nicht laufen beim Bieranstich zur Eröffnung der Stänichä Kerwa am Freitagnachmittag. Die gute Nachricht: Etwas verspätet fließt das kühle Blonde dann doch. Die schlechte Nachricht: Die für Sonntag geplante Premiere des Seifenkistenrennens wird gecancelt.

Dass das Baden in Bier seit ein paar Jahren als Wellness-Angebot in Steinach zu genießen ist, dürfte über die Grenzen der Brunnenstadt hinaus bekannt sein. Dass die Attraktion von Holger Greiner und seiner hiesigen Ankerla-Brauerei nun seit Freitagnachmittag Konkurrenz bekommen hat? Von Bürgermeister Ulrich Kurtz und seiner spontanen Bierdusche. Es wird sich gewiss schnell herumsprechen.

Um 14 Uhr marschiert er ein in den Biergarten auf der Nordseite des Marktplatzes, der Stadtchef mit zwei der Stänichä Tanzmädla an den Händen. Zur Musik der Blaskapelle „Tausendschön“, gefolgt vom Rest der Tanzgruppe des SV 08. In aller Kürze begrüßt er die Gäste, die an den Biertischen unter freiem Himmel oder unter einem der beiden kurzer Hand aufgestellten Zelte sitzen. Dann gibt er ab an die Mädla, die in ihren gepunkteten Outfits gleich drei Tänze zum Besten geben. Die Bläser schließen sich mit ein paar Musikstücken an. Und danach ist der Bürgermeister wieder an der Reihe.

„Jawoll, das hört man gern“, sagt Kurtz, nachdem er den Schlachtruf „Wa hot Kerwa?“ angestimmt und im lautstarken Echo beantwortet bekommen hat. Er freue sich, dass die Kerwa heuer nach zwei schwierigen Jahren wieder etwas unbeschwerter gefeiert werden könne. „Wenngleich die Unbeschwertheit durch die allgegenwärtigen Krisen und Kriege auf unserer Erde nur relativ ist.“ Die Zahl der Ungewissheiten nehme nicht ab. Man wähne sich im Dauerstress, so der Stadtchef. „Da kommt die Kerwa gerade recht“, findet er, „als Fest der Lebensfreude und des Frohsinns, der Begegnung und des Austauschs.“ Und das zum 317. Mal überhaupt, zum 111. Mal auf dem Marktplatz und zur 123. Weihe der Kirche St. Peter und Paul. „Unsere Kerwa ist ein traditionsreiches Volksfest und steht dennoch im Spannungsfeld zwischen Bewahrung und Veränderung“, sagt Kurtz, der damit auf die Besonderheiten einer jeden Kirchweih, so auch der diesjährigen, abzielt. Drei seien es heuer: Zwei gewohnte Sachen, die nach wie vor pandemiebedingt fehlen, das Bierzelt und der Umzug am Sonntag, und eine, die – so der Stand zu jenem Zeitpunkt – mit dem Seifenkistenrennen neu hinzukommt. Befürchtungen, von denen er in sozialen Netzwerken gelesen habe, dass es womöglich nie mehr einen Umzug geben wird, räumt er an dieser Stelle aus: „Der Umzug war immer ein bunter Reigen von einzigartigen Bildern und Motiven über Gott und die Welt – und unsere Stadt. Das soll auch in Zukunft so sein.“ So schon nächstes Jahr wieder. Der „Frustspaziergang“, den Einheimische für diesen Sonntag, 13 Uhr planen, werde der Tradition nicht gerecht, meint Kurtz. Er würde sich vielmehr freuen, „wenn sich alle, die sich um die Tradition sorgen“, dann beim nächsten Umzug nächstes Jahr „aktiv und selbstlos einbringen“.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Wenngleich heuer auf eben jenen wichtigen Bestandteil der Stänichä Kerwa abermals verzichtet werden muss, so sei zumindest der Bieranstich möglich, sagt der Stadtchef, begrüßt Ehrengäste wie seine Vorgängerin Maria Greiner, Bundestagsmitglied Frank Ullrich, Landtagsmitglied Henry Worm oder seinen Sonneberger Amtskollegen Heiko Voigt und gibt einen kurzen Überblick über das „größte Kerwas-Treiben weit und breit auf dem größten Marktplatz weit und breit“, wo für jeden etwas dabei sei. „Ich wünsche uns allen für die kommenden Tage viel Freude und eine zünftige, entspannte und friedliche Kerwa, den Schaustellern und Händlern gute Geschäfte und zahlreiche zufriedene Gäste – bei hoffentlich schönem Wetter“, so der Bürgermeister, der sodann zur Tat schreitet, den Zapfhahn ins Spundloch des 20-Liter-Fasses steckt, die ersten Bierspritzer abbekommt und glaubt, nach dem dritten Schlag mit dem Holzhammer auf den Kunststoff-Hahn erfolgreich gewesen zu sein. Die Kapelle spielt „ein Prosit der Gemütlichkeit“, Kurtz ruft „Gläser, wo sind die Gläser“ und keine Minute später, nachdem der Hahn aus dem Loch gesprungen ist, nach einer Zange, um den defekten Zapfen zu reparieren. Gut ein halbes Dutzend weiterer Versuche des Stadtchefs folgen, um das Freibier fließen zu lassen. Ohne Erfolg. Die Bläser haben von der Prosit- auf eine Trauermelodie umgeschwenkt. Die Gläser sind leer und trocken. Nur der Bürgermeister hat reichlich von dem kühlen Blonden abbekommen – zumindest äußerlich.

Nach der Tanzeinlage der Gruppe „Freaks on Fire“ vom Freizeitzentrum Reich und ein paar heiteren Sprüchen von Doris Motschmann von den Sumbarcher Waschweibern kommt schließlich Bierbad-Experte Holger Greiner dem ungewollten Bierduschen-Neuling Ulrich Kurtz zu Hilfe, reicht ihm einen stabileren Zapfhahn, der sich problemlos vom Stadtchef mit zwei Hieben ins Fass schlagen lässt. Das Bier läuft und damit dann auch endlich ganz offiziell die Stänichä Kerwa 2022.

Einen Wermutstropfen verkündet Andreas Stauch von der Abteilung Wintersport des SV 08 dann aber kurz nach dem um 18 Uhr endenden Anmeldeschluss für das Seifenkistenrennen: Aufgrund von allerhand kurzfristigen, vor allem krankheitsbedingten Absagen von Teilnehmern könne die vom Verein für den Kerwa-Sonntag geplante Veranstaltung nicht stattfinden. Gestorben sei jene Idee aber damit keineswegs. Nur aufgeschoben, so Stauch.

 

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