Städte-Wettstreit Der Gewinn: ein gestärktes Wir-Gefühl

Antje Kanzler

Meiningen hat am Donnerstag abgeliefert beim Wettstreit um die Austragung der Antenne-Thüringen-Finalparty. Und wie! Auch wenn der Preis letztlich an die Konkurrenz in Günthersleben-Wechmar ging. So richtig traurig darüber waren die Meininger nicht.

Eine lange Menschentraube hatte sich schon gegen 10 Uhr in der Georgstraße gebildet. Die Meininger, aber auch Unterstützer aus der Umgebung standen an, um sich bei den Rathausmitarbeitern Altersschildchen zu holen und Dokumente vorzulegen. Nur zur Sicherheit, damit sich Spielveranstalter Antenne Thüringen davon überzeugen konnte, dass mit dem jeweiligen Lebensalter wirklich alles seine Richtigkeit hatte. Die Vorfreude auf die Menschenschlange von null bis hundert Jahren war ebenso groß wie der Kampfgeist. Manch einer fühlte sich an die unvergessliche Mission Olympic erinnert.

Zusehends füllte sich der Rote Teppich auf dem Markt. Die Ältesten wurden im Rollstuhl herangeholt, die Jüngsten im Kinder- oder Kinderkrippen-Wagen. Viele Altersgruppen waren gleich mehrfach vertreten – der Aufruf von Bürgermeister Fabian Giesder kam in der Region an. Freilich hatte man in den Tagen davor auch Jahrgänge gezielt angesprochen. Ein Kraftakt für das Organisationsteam. Vor allem für Ute Pfeiffer, die vom Stadtoberhaupt mit der Koordination beauftragt worden war. Noch am Mittwoch hatte sie eine alte Dame aufgesucht und überredet, bei diesem Späßchen mitzumachen, Pfarrer Tilman Krause erklärte sich bereit, die Seniorin zum Markt zu geleiten.

Somit sah alles sehr gut aus, als sich Antenne-Thüringen-Moderator Thomas Ostermann ins Geschehen einschaltete. Auch er fieberte für seine Heimatstadt mit und stimmte, auch um seine eigene Nervosität zu bekämpfen, mit der Menge „So ein Tag, so wunderschön wie heute“ an.

Die Thermometeranzeige überwand indes die 30-Grad-Marke. Zum Glück standen gerade für die betagten Herrschaften, die geduldig auf dem Marktplatz ausharrten, Stühle und Sonnenschirme parat, das DRK bot Erfrischungen und Stärkungen an. Jeder, der sich der Menschenkette zugesellte, trug seine Nummer. Als Einzige durfte sich Anita Riedl eine dreistellige Zahl umhängen lassen. Die Hundertjährige stammt aus Meerane, lebt aber schon seit 68 Jahren in Meiningen, mittlerweile im Pflegeheim Vitalis. Dessen Mitarbeiter meldeten die nette alte Dame auch für den Städtewettstreit an. Auf der entgegengesetzten Seite der Schlange nahmen die Jüngsten im Schutz ihres Kinderwagens den Trubel um sich herum kaum wahr – wie Liam Noel, mit vier Monaten das Schlusslicht der Menschenkette.

Als etwa 20 Minuten vor elf Uhr noch ein halbes Dutzend Lebensalter-Repräsentanten fehlte, wuchs die Aufregung. Doch das Organisationsteam schickte sogar die Feuerwehr aus, um noch zwei Senioren pünktlich zum Markt zu chauffieren. „Als der vermeintlich Letzte mit der Feuerwehr kam, hat sich bei mir der Herzmuskel entspannt“, schmunzelte Fabian Giesder später. Dass gerade die betagten Herrschaften, darunter ein Ehepaar – 95 und 97 Jahre alt – bei dieser Aktion so bereitwillig mitmachten und kurzfristige Krankheitsausfälle kompensierten, rührte viele in der Menge. Auch wenn sich letztlich herausstellte, dass Antenne Thüringen ein Kettenglied nicht zählen würde. Der Jahrgang passte, der 99. Geburtstag wäre aber erst im August gewesen. Die Antenne-Thüringen-Party steigt somit in Wechmar.

Dass sich die Enttäuschung in Meiningen dennoch in Grenzen hielt, hatte seine Gründe. Viele waren nämlich schon in Gewissensnöte geraten, welches Fest sie am Samstag besuchen sollen. Von der Bühne aus lud der Bürgermeister daher alle ein, all die Angebote zu nutzen: das Sandhasentreffen in Walldorf, den Meininger Tiererlebnistag auf dem Rohrer Berg, die Zumba-Party im Volkshaus oder das Symphonic-Pops-Open-Air im Schlosspark. „Ihr alle seid Meiningen. Danke, dass ihr mitgeholfen habt. Ihr seid spitze“, rief er der Menge zu. „Es war ein Herzschlagfinale. Wir gönnen es Wechmar. Auch wenn die Party woanders stattfindet, war es für uns ein Riesengewinn. Wir werden auch so ein tolles Partywochenende haben.“

Giesder bleibt die Woche in bester Erinnerung: „Wenn man sieht, wer alles mitgewirkt hat! Entlang der Lebenslinie haben von null bis hundert alle mitgeholfen. Die Idee hat gezündet und alle haben geliefert. Darauf können wir stolz sein. Ich hab das richtig genossen“, schwärmte der Stadtchef und nannte insbesondere das Seniorenheim Vitalis, die Tagespflege Luise Richter, die Kindergärten, das DRK, die Feuerwehr und das Organisationsteam um die unermüdliche Ute Pfeiffer sowie die Meiningen GmbH. Was viele sagten oder dachten nach dem aufregenden Donnerstag: Keine Party gewonnen, aber etwas, das viel mehr zählt: die Stärkung des Wir-Gefühls und Miteinanders.

 

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