Stadt touristisch auf dem Weg nach oben Brotterode-Trusetal will Luftkurort werden

Thomas Heigl
Ortsbegehung der Zertifizierungskommission. Foto: Privat/Privat

Zunächst der Klassenerhalt und schließlich der Aufstieg: Die Bergstadt will eine touristische Exzellenzoffensive starten, die Qualität des Fremdenverkehrs steigern und die Übernachtungszahlen verdoppeln. Zunächst geht es um die Mühen der Ebene.

Brotterode-Trusetal - Brotterode-Trusetal - Im Herbstregen haben zehn Vertreter von Ministerien, Verbänden und Vereinigungen in dieser Woche Brotterode-Trusetal besucht. Dass zum Abschluss der rauschende Beifall das Wettergebraus übertönte, lag auch an Frank Wedel und Kenny Fleck.

Die „Brotteröder Ginkerletze“ haben mit ihrem Auftritt im Wintersport-Café Stimmlage der touristischen Zertifizierungskommission bei ihrem Ortsrundgang getroffen: Die Stadt hat ihren Gästen viel zu bieten und will den Titel eines staatlich anerkannten Erholungsortes unbedingt verteidigen. Die Entscheidung wird erst in den nächsten Monaten bekannt gegeben, doch der Tonfall der Besichtigenden war ein optimistischer. Das Café Wintersport selbst ist das neue gastronomische Glanzstück der Stadt. Es ist durch Umbau aus dem Café am Wasserfall entstanden, modern und doch gemütlich und vor allem wintersportszenisch eingerichtet. Mit Fotos an der Wand und laufenden Bildern vom Monitor. Offizielle Eröffnung wird Ende Oktober sein.

Brotterode-Trusetal ist eine Industriestadt, nur wenige Kommunen in der Region haben ähnlich viele Industriearbeitsplätze, gemessen an der Einwohnerzahl, zu bieten. „Aber wir wollen den Tourismus zu einem ähnlich starken Standbein entwickeln“, so Bürgermeister Kay Goßmann.

Zwischen 10 000 und 15 000 Gästen reisen in normalen Jahren an und verbringen hier 30 000 bis 45 000 Nächte. Hinzu kommen Zehntausende Tagestouristen – vor allem auf dem Inselberg, am Wasserfall und im Besucherbergwerk Hühn. Dabei stößt das Beherbergungsgewerbe selten an Kapazitätsgrenzen. In der Stadt gibt es mehr als 600 Gästebetten. Die Hotels „Zur guten Quelle) und „Kleiner Inselsberg“ haben mit 80 und 60 Betten die größten Kapazitäten. Das Wellnesshotel „Talblick“ bietet Schlafmöglichkeiten für 20 Gäste, ist aber ob seines qualitativen Angebotes hoch dekoriert. In Ferienwohnungen können bis zu 332 Menschen übernachten, in Ferienhäusern 138.

In der Stadt und ihrer Umgebung gibt es grundsätzlich etwa 15 Einkehrmöglichkeiten, die häufig aber begrenzte Öffnungsmöglichkeiten haben. Zur Versorgung tragen aber auch die Fleischermeister und Bäckermeister mit ihrem Imbissangebot bei. Die Fülle ist in diesem Bereich außergewöhnlich. Alleine Brotterode hat je zwei Fleischereien und Bäckereien, gemessen an der Einwohnerzahl eine der größten Dichten in Südthüringen.

Das Angebot, die Urlaubstage zu gestalten, ist hoch. Zu Inselberg Wasserfall und Besucherbergwerk gesellen sich etwa die Skiarena, der Zwergenpark, der Naturerlebnis-Trusepark, der Reiterhof Elmenthal, aber auch der Funpark oder der Kletterfelsen.

15 bis 20 Veranstaltungen füllen den Kalender: Sowohl im Sommer als auch im Winter. Brotterode-Trusetal ist eine Wanderregion – das Streckennetz ist gerade gestrafft und qualitativ verbessert worden. Die Beschilderung sorgt dafür, dass sich auch Menschen mit einem weniger guten Orientierungssinn gut zurechtfinden. Viele Routen werden im Winter von den Männern des Forst-Bauhofes geloipt, wenn die Schneelage es gestattet. Die Skiwanderwege und Loipen gelten als vorbildlich.

Ein Alleinstellungsmerkmal hat die Stadt mit dem Inselbergbad. „Es ist das einzige im Altkreis Schmalkalden“, erklärte der Bürgermeister beim Rundgang, der zu zehn Anlaufpunkten führte. „ Die Stadt Schmalkalden selbst ist wahrscheinlich froh, dass wir es haben und sie keines bauen muss.“

Ziel sei die energetische Sanierung und der Kohlendioxidneutrale Betrieb. Die Stadt sieht touristisch viel Luft nach oben, will die Übernachtungszahlen bis 2030 verdoppeln. Und vom Erholungsort zum Luftkurort werden. Das würde der Stadt auch zusätzliche Landesmittel bringen. Dafür wird auch kräftig investiert.

Das größte Vorhaben ist dabei die Erlebniswelt Inselberg, die gemeinsam mit dem Landkreis Schmalkalden-Meiningen, dem Kreis Gotha und anderen Inselberganrainerkommunen umgesetzt werden soll. Gleichwohl ist bei der Vision längst nicht nur die öffentliche Hand gefragt. Die meisten Investitionen sollen von Privatunternehmen kommen. das Umfeld des Trusetaler Wasserfalls soll attraktiver werden. Die Investitionen werden im Millionenbereich liegen.

Hohen Stellenwert hat auch der Umbau der Brotteroder Inselbergschanze zu einer sportlichen und touristischen Attraktion, die ganzjährige vermarktet werden kann. Bislang ist das Projekt aber noch in der Schwebe, da das Thüringer Sportministerium noch keine Förderung zugesagt hat. Nur vom Tourismusministerium gibt es klare Signale. Es geht um insgesamt um mehrere Million Euro.

Zudem will die Stadt in der Aktivregion eine neue Zielgruppe erschließen, die bislang vor allem im Werratal rollt: Das große Feld der Radfahrer, dem die Elektromobilität erheblichen Rückenwind verliehen hat. Die Verlängerung des Mommelstein-Radwanderwegs ist der Dreh- und Angelpunkt. Hinzu kommen Wege für die Mountainbiker.

 

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