Auch europaweit gibt es erhebliche Preisunterschiede bei Benzin und Diesel, was bei doch gleichhohen Rohölpreisen am Markt den Verdacht nährt, noch andere neben Ölproduzenten und Tankstellen beliefernden Mineralölkonzernen verdienten am gesellschaftlich gewollten Pendeln der Arbeitnehmer und anderer wie Dienstleister mit? Laut der Vergleichsplattform globalpetrolprices.com im Internet lag Deutschland bei den Benzinpreisen am 18. Oktober unter den 42 aufgelisteten europäischen Staaten beim Benzinpreis mit 1,66 Euro an elfter Stelle vom höchsten Preis (Niederlande 1,93) her gesehen, bei Diesel mit 1,55 Euro auf Platz 14 (Spitze: Schweden 1,92). Selbst Tankstellenpächter sollen bei hohen Preisen die Gelackmeierten sein, denn dann wird weniger getankt. Und sie profitieren nur pro Liter und am geringsten in der Kette, wie Recherchen der Wirtschaftswoche unter Bezug auf den Energie-Informationsdienst EID bereits im Februar 2018 ergaben: 0,5 bis ein Cent pro Liter Gewinn bleibe ihnen, ganz gleich, wie hoch der Preis von der Lieferzentrale an den Preisschildern angeschlagen werde. Sie, so heißt es, verdienten wegen der geringen vom Lieferanten zugestandenen Gewinnmargen längst mehr mit Lebensmitteln und anderen Produkten als mit Benzinverkauf.
Im Juli 2012, als der Benzinpreis in Deutschland schon einmal bei 1,62 Euro im Durchschnitt lag, informierte das Magazin rp-online über die Preiszusammensetzung wie folgt: Nach Angaben des Branchenverbandes MWV betrug der Anteil der Rohöllieferanten im Juli 59,77 Cent/Liter als Produkteinstandspreis. Profiteure wie Russland mit mehr als einem Drittel Importanteil oder Großbritannien, Norwegen und Kasachstan seien auch große Ölkonzerne wie Shell oder BP. Dazu komme der Deckungsbeitrag; Kosten für Transport, Lagerung oder die gesetzlich vorgeschriebene 90-tägige Treibstoffreserve sowie Verwaltung, Vertrieb und seit 2007 für die Bio-Beimischung; gesamt weitere 11,37 Cent je Liter. Doch nicht zu knapp langt der Staat zu und kassiert über die Energiesteuer (zuvor Mineralölsteuer) inclusive Ökosteuer mit. Das waren damals für Benzin 65,45 Cent pro Liter, für Diesel 47,04 Cent, ermittelte rp-online. Auf alles kommen 19 Prozent Mehrwertsteuer für den Staat, was beim damaligen Preis weitere 25,95 Cent/Liter ausmachte.
Daran hat sich bis heute nicht viel verändert. Laut Statistikern vom Portal Statista machen auch derzeit nur etwa 35 Prozent des Gesamtpreises den Produktpreis/Wareneinstand aus, weitere sechs Prozent sind Kosten für Vertrieb, Transport, Tankstellenpacht. Den Löwenanteil mit 59 Prozent jedoch kassiere der Staat ab für Vorratshaltung, Energiesteuer, Ökosteuer, Mehrwertsteuer. Da die Steuereinnahmen steigen, je höher der Rohölpreis, macht der Staat mit jedem Ölpreisanstieg zusätzlich Kasse. Pendler, Speditionen und viele andere, auch helfende Pflegedienste, müssen dann mehr blechen – politisch genau so gewollt, denn über den größten Preisanteil am Benzin entscheidet der Gesetzgeber; die gewählten Volksvertreter, die, wie es auf Wahlplakaten oft so schön zu lesen steht, „Für Sie im Bundestag“ sitzen.
Und es wird schon wieder gemunkelt in der Öffentlichkeit: Als nächste Schallgrenze für 2022 stehe die Zwei-Euro-Marke pro Liter in Aussicht. Auf mancher Autobahn soll sie jedoch dieser Tage bereits gefallen sein ...