Springstiller Ortsteilbürgermeister verabschiedet Hartnäckig, weitsichtig, neugierig

Annett Recknagel

Hans-Gert Reich hat den Staffelstab an seinen Nachfolger übergeben und wurde nach 28 Jahren als Ortsteilbürgermeister am Freitag im Bürgersaal würdevoll verabschiedet.

Hans-Gert Reich verzog keine Miene. Ganz wie es seine Art ist. Cool bleiben. Die Augen seiner Frau Heike dagegen wurden immer größer. 25 Bäume für den Garten! Das musste ein Scherz sein. Und ja – es war einer.

Gemeinderätin Doreen Wagner berichtigte sich alsgleich. Für die 25 Bäume, die der Gemeinderat und die Stadt Schmalkalden dem scheidenden Springstiller Ortsteilbürgermeister schenkten, darf Reich deren Standort bestimmen. Selbstverständlich in der Springstiller Flur. Heike Reich atmete auf. Ihr Mann schmunzelte. So richtig aber begannen seine Augen erst zu leuchten, als der Springstiller Männerchor auftrat. Spätestens in dem Augenblick fiel die Anspannung von ihm ab. Die Herren sangen unter der Leitung von Uwe Hanis „Wie herrlich ist´s im Wald“ und siehe da – Hans-Gert Reich lächelte.

„Endlich wieder – es ist unwahrscheinlich“, kommentierte der Mann, der 28 Jahre lang das Gesicht von Springstille war und das Dorf entschieden prägte. Und dafür wurde er am Freitagabend gebührend gewürdigt. Die Stilletaler spielten den Deutschmeister Regimentsmarsch. Die Kindertanzgruppe der Sandhasen erfreute mit einem Piratentanz und der Chor sang „Dona nobis pacem“.

Die Gäste – allesamt Weggefährten von Hans-Gert Reich – applaudierten. Der neue Ortsteilchef Alexander Wagner sprach vom Ortsteilbürgermeister a. D. und enthüllte dessen Erfolgsgeheimnis mit den Worten: „Klarer Verstand, eine gute Truppe an seiner Seite, gepaart mit gnadenloser Hartnäckigkeit.“

Letzteres habe sich im Fall von Reich besonders bei der Vergabe von Fördermitteln für geplante Vorhaben immer bezahlt gemacht. „Du bist den Behörden so lange auf den Keks gegangen, bis sie nicht mehr anders konnten, als die Gelder zu bewilligen“, erklärte Wagner sehr zur Freude der Anwesenden.

28 Jahre, das sind fünf Wahlperioden, prägte Reich seinen Heimatort. Unter seiner Regie wurden nicht nur 31 Wege instandgesetzt, sondern der gesamte Ort auf Vordermann gebracht. Feuerwehr, Bürgerhaus, Industrie, Uferbefestigung der Stille, Kindergarten, Vereine, Spielplätze, Hasenhohle, der „Tante Kerstin Laden“ und die Jugend lagen und liegen ihm am Herzen und für sie machte sich Reich stark.

„Die Außenstelle des Bauhofes ist eine riesige Errungenschaft für Springstille“, sagte Wagner. Auch sie ist das Ergebnis von Reichs Einsatz. Last not least gehört auch der Einigungsvertrag mit Schmalkalden dazu. „Hier sind die Weichen bis 2040 gestellt – vielen Dank und meinen höchsten Respekt für dieses Erbe“, formulierte es Wagner.

Stadtchef Thomas Kaminski beschrieb den scheidenden Ortsteilbürgermeister als hartnäckigen, aber auch nachdenklichen Menschen, der immer nach dem perfekten Dorf gestrebt habe. Dieses zukunftsfähig zu gestalten, sei stets Anliegen von Hans-Gert Reich gewesen. Kaminski lobte dessen Weitsicht. „Hans-Gert weiß am Jahresanfang immer schon, wann wofür das Geld ausgegeben werden soll. So bleibt am Ende immer etwas für ein Spielgerät für die Kinder über“, sagte er.

Mit Blick auf Ausflugsziele wie die Hasenhohle und den Wolfgangsee erinnerte er an Reichs Sinn für Natur und Erholung. Wald und Ordnung lägen ihm ebenso am Herzen. „Du hast ganz viel geleistet“, erklärte Kaminski und fügte hinzu: „Springstille ist so wie es ist, weil du das draus gemacht hast.“

Und wenn einmal etwas nicht so lief, dann sei der Satz: „Thomas, da müssen wir noch mal drüber reden“ gefallen. Damit war Hans-Gert Reich perfekt porträtiert. Fehlt nur noch seine Neugier. Dann kamen Danksagungen von allen Seiten. Stadtbrandmeister Michael Pfunfke lobte die Zusammenarbeit mit ihm ebenso wie es Wehrführer René Brenn tat. Mathias Dietsch bedankte sich mit den Worten: „Du warst immer ein Ansprechpartner.“ Ein jeder umarmte ihn oder schüttelte ihm die Hand. Und dann war Reich an der Reihe. Auch er hatte Dankesworte parat. An alle Helfer, die ihn unterstützt haben. Und natürlich an seine Familie – im Besonderen an seine Frau. Ihr überreichte er einen riesigen Rosenstrauß und Achtung: „Jetzt geb ich ihr mal ein Küsschen!“. Gefühlvoll ist Hans-Gert Reich also auch. Am Ende übergab er den Staffelstab an seinen Nachfolger Alexander Wagner.

 

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