Springreiten Wohlfühloase sorgt für Top-Leistungen

Thomas Dröge
Meisterlich: Julia Mackerodt Foto: /Heiko Matz

Ruhmann auf Anhieb top

Bad Liebenstein-Sorga -

Bad Liebenstein-Sorga - Seit fast einem Jahrzehnt finden die Thüringer Meisterschaften im Springreiten auf dem Reiterhof Gustke im Bad Liebensteiner Ortsteil Sorga statt. Welche Mühen und Sorgen es in Sorga im Vorfeld der Reitsportveranstaltung gab, kann nur erahnt werden. Der Regen trieb den Organisatoren des RV Bad Liebenstein/Sorga die Sorgenfalten ins Gesicht. „Unser kleiner Bach drohte die Meisterschaft sprichwörtlich ins Wasser fallen zu lassen“, berichtete ein sichtlich mitgenommener Wilfried Gustke am Abend des ersten Wettkampftages. Mit seinen Mitstreitern gelang es ihm, das Areal so herzurichten, dass keine Spuren zu sehen waren von dem Unwetter, dass nur zwei Tage vorher gewütet hatte. Aktive und die zahlreichen Zuschauer erlebten eine Wohlfühloase. Die Reiterinnen und Reiter dankten es mit hervorragenden Leistungen.

Trotz aller Widrigkeiten gab es keinen Zweifel seitens des Thüringer Reit- und Fahrverbandes, dass die Reitsportler und ihre Sportpferde zu den Meisterschaften in Sorga beste Bedingungen vorfinden. Ein Zeichen dafür, dass die Verbands-Verantwortlichen den Organisatoren ihr Vertrauen schenken. Sie wissen, dass sie seit vielen Jahren auf dem Reiterhof am Rande der Kurstadt Bad Liebenstein beste Voraussetzungen für die Durchführung ihrer Landesmeisterschaften vorfinden. Das bestätigte Annett Oschmann-Kohl, die Abteilungsleiterin Dressur in der Landeskommission des Dachverbandes und eine der vom Verband in Sorga eingesetzten Turnier-Richterinnen. „Die Meisterschaften in diesem Jahr waren neben der großen Teilnehmerzahl von außerordentlich guten Leistungen der Reiterinnen und Reiter und ihren Pferden geprägt. Nicht nur bei den S-Springen ist das Niveau enorm gestiegen“, lautet das Fazit der Erfurterin nach den vier Wettkampftagen. Sie fügt hinzu: „Für die Teilnehmer herrschten wieder sowohl im Wettkampf als auch in der Vor- und Nachbereitung der Springen optimale Bedingungen. Der Parcours war bestens vorbereitet und wurde optimal gepflegt. Die Springen liefen flüssig und reibungslos. Auch das Drumherum für die Pferde, Aktiven, Betreuer und Zuschauer passte. Ein großes Lob an die Organisatoren“, lobte die Kampfrichterin. „Die Leistungen lassen hoffen, dass Thüringen bald wieder einmal auf der nationalen Bühne stärker vertreten ist“, blickt Annett Oschmann-Kohl nach vorne.

Neben den offenen Spring-Meisterschaften erhielt der Reiterhof Gustke auch den Zuschlag zur Durchführung der Thüringer Landesmeisterschaften im Dressurreiten am letzten September-Wochenende. Ein weiterer Beleg dafür, dass sich der Dachverband auf die Sorgaer verlassen kann.

Mittlerweile hat es sich bei den Aktiven in Deutschland herumgesprochen, dass sich eine Reise zu den offenen Thüringer Meisterschaften nach Bad Liebenstein lohnt. Immerhin 350 Sportlerinnen und Sportler mit 400 Pferden aus sieben Bundesländern waren angereist, um in 29 Entscheidungen in den verschiedenen Alters- und Schwierigkeitsklassen die Sieger und Platzierten zu finden. Zudem qualifizierten sich die besten fünf- und sechsjährigen Pferde für das Bundeschampionat der deutschen Springpferde im nächsten Jahr in Leipzig sowie der Sieger des samstäglichen Ein-Sterne Springens im Rahmen der offenen Meisterschaften für den „Partner Pferd Cup 2022“, der alljährlich in Leipzig stattfindet. Außerdem durfte sich die Siegerin der offenen Thüringer Meisterschaft, Julia Mackerodt aus dem niedersächsischen Immenrode, über die Qualifikation für die deutschen Meisterschaften freuen. Über 30 Stunden dauerten die Wettkämpfe an den vier Tagen auf dem Parcours des Reiterhofes.

Zu den hoffnungsvollen Reiterinnen des Gastgebers zählt Hannah Wolf, die im Juni bereits ein Springen auf der Sorga gewonnen hatte. „Dieses Wochenende lief überhaupt nicht nach meinen Vorstellungen“, erzählt die 15-jährige Schülerin mit trauriger Miene. Weil sie selbstkritisch ist, weiß die Bad Liebensteinerin, woran es gelegen hat. Wegen der erhöhten schulischen Anforderungen musste sie beim Training kürzer treten. Das mache sich rasch bemerkbar, sind sich Hannah Wolf und ihre Trainerin Christina Tanner einig. Im „Normalfall“ investiert die junge Reiterin viel Zeit in ihren Sport. Fünfmal pro Woche ist sie auf dem Reiterhof. Auch wenn neben dem Training Aufgaben wie das Ausmisten oder die Pflege der Pferde auf dem Programm stehen, ist sie vom Reiten begeistert. Bereits mit drei Jahren fand sie, natürlich mit den Eltern, den Weg zu den treuen Vierbeinern. Mit elf Jahren kam sie in die Trainingsgruppe von Christina Tanner und erntet für ihren Fleiß Lob von der erfahrenen Pferdesportlerin. „Wir haben ein sehr gutes Verhältnis. Sie ist für mich die beste Trainerin“, sprudelt es aus der ehrgeizigen Sportlerin, die auch am Ruhlaer Gymnasium immer nach den bestmöglichen Ergebnissen strebt. Kein Wunder also, dass sie später einmal, wenn alles gut läuft, Tierärztin werden möchte. Doch ehe es so weit ist, will Hannah Wolf in naher Zukunft im Wettkampf nicht mehr auf ihrem Pony Noble Classics, sondern auf einem „großen“ Pferd im Parcours sein und freilich wieder zurück in die Erfolgsspur finden. „Beides schafft sie“, ist sich Christina Tanner sicher.

Tine Hermine Ruhmann aus Schweina, die ebenfalls für den RV Bad Liebenstein-Sorga an den Start geht, hatte einmal mehr allen Grund zur Freude. Erstmals startete sie in der M-Klasse und platzierte sich im elften Springen des Turnierwochenendes auf Anhieb auf Rang zwei. „Eine ganz feine Leistung“, lobten Christina Tanner und Wilfried Gustke.

Mit Lara Langguth vom Reit-und Fahrverein Grundhof Bad Salzungen gewann eine weitere Reiterin aus unserem Sportkreis ein Springen der Klasse A* . Der große Wurf gelang Angela Sieber vom Reit- und Fahrverein Bad Liebenstein, die neue Thüringer Meisterin bei den Damen wurde.

 

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