Sportliche Gäste Wo eindeutig Kater Otto das Rennen macht

Ashley Farquharson beim Kufenschleifen am Hotel „Waldmühle“. Foto: /Michael Bauroth

Ist es die unerschütterliche Ruhe, die der rabenschwarze, acht Jahre Hotel-Kater Otto ausstrahlt? Beim Rennrodel-Nationalteam der USA, bei dem es ständig um Bruchteile von Sekunden geht, macht er das Rennen.

Zella-Mehlis - Nein, es gibt wirklich nichts, was Kater Otto, der Kost und Logis im Hotel „Waldmühle“ in Zella-Mehlis erhält, aus der Ruhe bringen könnte. Gern residiert er träge im kleinen Foyer und lässt sich durch nichts stören. Entweder kuschelt er sich in einen der Sessel und döst vor sich hin oder er bezieht etwas mehr Richtung Eingang Stellung. Dort macht er es sich gemütlich, um zu schauen, ob denn nicht endlich wieder ein Gast zum Schmusen kommt. Die Strategie funktioniert im Moment besonders gut. Denn Kater Otto ist eindeutig Liebling der Damen des Rennrodel-Nationalteams der USA, das nun im zweiten Jahr in Folge in der „Waldmühle“ auf zeit zu Hause ist. Für eine Woche fühlen sich die sechs Sportler mit Trainer und Betreuer hier sehr wohl, während es zu den Wettkämpfen im Rahmen des Rennrodel-Weltcups 2021/22 auf der Bahn in Oberhof ums Ganze geht.

Deshalb verwundert es auch nicht, dass derzeit abends mitunter Geräusche am Hotel auszumachen sind, die man eher mit einer Metall-Werkstatt in Verbindung bringen würde. Denn wo sonst in der „Waldmühle“ in Zella-Mehlis Konferenzen stattfinden, ist jetzt der Schlitten-Raum des Rennrodel-Nationalteams der USA eingerichtet worden. Hier haben die Sportler optimale Bedingungen, die sich nach dem Vormittagstraining an der Bahn, anschließender Videoanalyse, Mittagspause, Krafttraining und Physiobehandlung selbst um die Umrüstung der Schlitten kümmern. Während sie drinnen bei bester Stimmung ihre Sportgeräte prüfen, steht Ashley Farquharson im weißen Schutzanzug draußen im Hof und schleift eigenhändig die Kufen ihres Schlittens. Beherzt setzt sie das rotierende Schleifblatt an und lässt die Funken auf der Schiene sprühen.

„Ja, auch daran arbeiten wir alle gemeinsam. Das ist eine sehr persönliche Sache, um die wir uns selbst kümmern“, erklärt Trainer Bengt Walden, der während seiner aktiven Karriere ebenfalls schon in Oberhof an den Start ging.

Jetzt ist er mit je drei Sportlerinnen und Sportlern für den Rennrodel-Weltcup Oberhof angereist und hat mit seinem Team erneut in der „Waldmühle“ Quartier bezogen. Sie ist ihm im vergangenen Jahr empfohlen worden und er ist dem Rat gefolgt. 2021 war er auf der Suche, denn mit dem Weltcup unter Pandemie-Bedingungen sollte das Geschehen in Oberhof entzerrt werden. Dort war das amerikanische Team all die Jahre zuvor direkt untergebracht. Im vergangenen Jahr hat es sich für die „Waldmühle“ in unmittelbarer Nähe entschieden. Die Richtige Wahl, „denn für die Sportler ist gutes Essen, ein gutes Bett, angenehmes Personal und eine familiäre Atmosphäre sehr wichtig“, so der Trainer weiter. „Hier haben wir ein schönes Familienhotel. Hier fühlen wir uns wohl. Und das ist sehr wichtig, denn wir sind ganz schön lange unterwegs.“ So erfüllt der Koch gern die Wünsche von Gerichten mit sehr viel Gemüse und frischen Zutaten. „Wir essen auch typisch regional. Bei uns ist das nicht ganz so streng wie bei den Langläufern“, so Bengt Walden. „Alles, nur keinen Fisch“, spricht Emily Sweeney für alle.

Obwohl die Mannschaft in diesem Jahr wieder in Oberhof hätte wohnen können, hat sie sich erneut für die „Waldmühle“ ausgesprochen. „Es ist enorm wichtig, was für die Athleten gut ist. Deshalb frage ich nach jedem Wettkampf, was funktioniert hat und was sich ändern sollte. Hier sind wir sehr zufrieden und fühlen uns auch unter Covid sicher.“

Peter Langenhan, einer der beiden Geschäftsführer, freut sich über die sportlichen Gäste im Haus. „Als sie 2021 erstmals anreisten, hatte es so sehr geschneit, dass sie uns sofort beim Schaufeln geholfen haben“, erinnert er sich. Auch daran, dass Otto damals schon ihr Star war und verwöhnt wurde. „Als sie wieder abreisten, hatten sie für ihn ein kleines Trikot genäht“, zeigt er sich über die nette Geste noch immer gerührt.

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