Sport-Umfrage Alles anders unter Jürgen Klopp?

Wird es mit dem neuen Bundestrainer Jürgen Klopp nun alles besser? Was sollte sich im deutschen Fußball ändern? Wir fragen unsere Leser.

Jürgen Klopp bei seiner ersten Pressekonferenz als Bundestrainer. Foto: Imago/Jan Huebner

David Jäger (Vorsitzender VfB Vacha): Ich glaube, dass Jürgen Klopp der deutschen Nationalmannschaft neue Energie geben kann. Mit seiner Art kann er Mannschaft und Fans zusammenbringen. Trotzdem wird nicht von heute auf morgen alles besser. Vor allem die Nachwuchsförderung muss wieder stärker auf Spielfreude setzen. Kinder sollten wieder mehr frei kicken dürfen. Gleichzeitig muss der Amateurfußball stärker unterstützt werden. Ohne gesunde Vereine fehlt dem Spitzenfußball langfristig die Basis. Klopp kann wichtige Impulse setzen, nachhaltiger Erfolg entsteht aber nur, wenn der gesamte deutsche Fußball – vom Dorfverein bis zur Nationalmannschaft – gemeinsam an einem Strang zieht.

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Peter Wachsmuth (Erweiterter Vorstand SG Oberweißbach/Unterweißbach): Ob es mit Jürgen Klopp besser wird, kann man natürlich noch nicht sagen, aber schlechter kann es wohl nicht werden. Ich denke, es ist die richtige Entscheidung. Klopp hat für mich viel Erfahrung und kann Sachen ändern. Beim DFB ist vieles etwas eingefahren. Anfangen sollte man ganz unten, denn ich finde es schon schwierig, wenn Kinder spielen und am Ende keiner mehr gewinnt. Ich sehe uns nicht in der Lage, die Spanier einfach zu kopieren. Die Straßenfußballer von früher fehlen, die Kinder müssen wieder bolzen gehen. Klopp sollte einige junge Spieler mit reinnehmen und einen Schnitt machen.

Bernd Eckert (ehemaliger Trainer Viernau, Dietzhausen, Suhl und Steinbach-Hallenberg): Das Thema ist sehr vielschichtig. Jürgen Klopp finde ich gut, nicht weil er nur die Nationalmannschaft trainiert, sondern weil ich hoffe, dass er Einfluss auf die Gesamtentwicklung nimmt. Er soll dafür sorgen, dass Strukturen entstehen, damit der deutsche Fußball wieder konkurrenzfähig wird. Es muss sich bis in die unteren Strukturen etwas ändern. Es fehlt an gut ausgebildeten Trainern, oftmals sind es Eltern, die die Kinder beschäftigen. Der ländliche Raum wird komplett vernachlässigt – es geht zu viel um Nachwuchsleistungszentren und große Vereine.

Marvin Jakob (Spieler FC Blau-Weiß Schalkau): Im Austausch mit fußballverrückten Freunden bildet sich eine Meinung heraus: Ich glaube nicht, dass es beim DFB jemals an Fachwissen gemangelt hat. Die vorherigen Trainer waren absolute Experten. Auf der anderen Seite ist Jürgen Klopp mit seinen Fähigkeiten vermutlich genau der Richtige für die aktuelle Situation. Bei einem Turniersystem entscheiden oft nicht nur Taktik und Technik, sondern 90 Minuten Konzentration und Teamgeist. Im deutschen Fußball muss sich an der Basis einiges ändern. Ob nun „alles besser wird“, will ich nicht prognostizieren.

David Reich (Vorsitzender Qualifizierungsausschuss KFA Rhön-Rennsteig): Jürgen Klopp ist ein Hoffnungsträger, aber alleine wird er es nicht bewerkstelligen können. Wenn man den WM-Kader betrachtet, erkennt man, dass es an Qualität in der Breite fehlt. Gerade deshalb muss Klopp im Hintergrund Reformen ankurbeln. Der Menschenfänger Klopp wird somit die Weichen stellen. Wir brauchen dringend Spieler, die in bestimmten Situationen oder auf ihren Positionen außergewöhnlich sind. Diese besonderen Merkmale gilt es zukünftig auszubilden. Dazu gehört der Spieler oder die Spielerin, aber vielmehr auch die Trainerinnen und Trainer an der Basis.