Sparkassen-Aktion „Mein Wald“ 2500 Buchen zum Aufforstungsauftakt in Neuhaus

Madlen Pfeifer

Mehr als drei Dutzend Freiwillige haben sich bei der Premiere der Aufforstungsaktion „Mein Wald“ im Neuhäuser Forstamtsbereich so ins Zeug gelegt, dass bereits nach der Hälfte der Zeit die vorgesehenen 1500 Buchen-Setzlinge gepflanzt waren und weitere 1000 rangeschafft wurden.

Neuhaus am Rennweg/Piesau - „Wir wollen unseren Wald wieder schön machen“, sagt Anne Wilhelm. „Wir wollen dabei einfach ein bisschen mithelfen“, schiebt ihre Mutter Andrea hinterher. Und so wie die beiden Neuhäuserinnen haben 41 weitere Helfer bei der ersten Aufforstungsaktion im Neuhäuser Forstamtsbereich des Gemeinschaftsprojektes „Mein Wald“ vor wenigen Tagen mit angepackt, eine kahle Fläche von gut 10000 Quadratmetern mit neuem Leben zu bestücken.

„Das war alles Käferholz“, sagt Jens Ulbricht, Leiter des Reviers Piesau. Nichts ist von dem gut 80 Jahre alten Fichtenbestand übrig geblieben auf der Fläche, die in dem Bereich nahe der Schutzhütte Igelshieb liegt. Künftig werden dort – ein Zaun rings herum soll Wild fernhalten und somit Verbissschäden vorbeugen – Buchen in die Höhe wachsen. „1500 Stück haben wir jetzt da“, berichtet Ulbricht. „Und es sind schon reichlich verpflanzt worden.“

Die Sparkasse Sonneberg, die Forstämter im Landkreis und der Kreis selbst haben das Aufforstungsprojekt ins Leben gerufen. Ziel ist es, den von Umwelteinflüssen und Schädlingsbefall gebeutelten Wald wieder auf die Beine zu helfen, mit Baumpflanzaktionen die entstandenen Lücken zu schließen, in die Fichten-Monokultur Mischbaumarten einzubringen, um den Wald zukunftsfähiger aufzustellen. Dabei setzen die Initiatoren auf die Unterstützung aus der Bevölkerung, deren Fleiß belohnt wird. Und zwar mit 40 Cent pro in die Erde gesetzter Pflanze, wie der Neuhäuser Forstamtsleiter Peter Hamers sagt. Beteiligen könne sich an der Aktion jeder. Die Prämie aber könne man nicht als Privatperson einstreichen. Die soll einem gemeinnützigen Zweck, einem Verein oder einer Organisation, zugutekommen.

Doppelt Gutes tun

Anne und Andrea Wilhelm wollen ihren erpflanzten Bonus dem Betreuungsverein Beistand in Neuhaus vermachen. Wobei der finanzielle Aspekt nicht der Ansporn für das Mutter-Tochter-Gespann gewesen ist, bei der Aktion mitzuwirken. Der Wald ist es, der ihnen am Herzen liegt. Und wenn man obendrein noch einem Verein etwas Gutes tun kann, sei das ja eine schöne Sache, findet Anne.

Ähnlich sehen das auch Helga Greiner und Hartmut Kehr aus Piesau. Die beiden mischen ebenfalls als Privatleute bei der Aktion mit. Schlichtweg um „was für unseren Wald zu tun“, so die 67-Jährige. Auch wenn es ihnen nicht mehr viel bringen werde, wie sie sagt. Aber sehr wohl den folgenden Generationen, die dann wieder mit einem Wald aufwachsen können. So wie sie selbst in jungen Jahren. Helga Greiner findet das Aufforstungsprojekt „wunderbar“. Jederzeit wieder würde sie sich daran beteiligen. Ihr Wunsch? „Dass noch viele Menschen dabei mitmachen.“ Die vom Piesauer Duo erzielte Prämie wird an den Förderverein Max- und Moritzbahn gehen.

Der Großteil der 43 Freiwilligen beim Aufforstungsauftakt sind Schüler des Neuhäuser Gymnasiums. 33 Jungs und Mädchen, wie Revierleiter Ulbricht der Teilnehmerliste entnimmt. Darunter ist etwa Maria Götze, die erzählt, dass sie und ihre Mitschüler der Jahrgangsstufe 12 das Projekt vorrangig deshalb unterstützen, um die Abikasse zu füllen. Geld dafür zu sammeln sei in den jetzigen Pandemiezeiten nicht so einfach. Einen Kuchenbasar in der Schule dürfen sie nicht veranstalten und der Weihnachtsmarkt in Neuhaus, auf dem sie in einer Hütte etwa Crêpes verkaufen wollten, findet nicht statt. „Und so sind wir dann auf die Aktion gestoßen“, sagt Maria. „Mit der wir gleich noch was Gutes für die Natur tun.“

„Was mich besonders freut, ist, dass das Interesses aus der Bevölkerung heraus so groß ist“, sagt Forstamtsleiter Hamers. „Das verdeutlicht doch, wie eng die Beziehung der Menschen zum Wald ist.“ Wie fleißig die Akteure an jenem Tag tatsächlich bei der Sache sind, hätte er so wohl aber selbst nicht erwartet. Denn schon nach der Hälfte der für die Aktion ins Auge gefassten vier Stunden sind nur noch zwei Bündel mit je 25 Setzlingen übrig. „Wahnsinn“, staunt der Forstfachmann. „Die Pflanzleistung ist höher als erwartet.“ Und so wird nach ein paar internen Absprachen noch einmal Nachschub – weitere 1000 Buchen-Stecklinge – besorgt.

Steinheider und Goldisthaler stehen in den Startlöchern

Es werden einige Jahre vergehen, bis sich die Erfolge auf der Fläche zeigen. Im ersten Jahr stünden die frisch gepflanzten Bäume erst einmal unter einem sogenannten Pflanzschock, erklärt Peter Hamers. Weil sie sich, vereinfacht gesagt, erst einmal an das harte Leben fernab von Baumschulbedingungen gewöhnen müssen. Obwohl sichergestellt ist, dass sie für Höhenlagen über 700 Meter geeignet sind. Das gilt dann im Übrigen auch für andere Baumarten wie Bergahorn, Lärche oder Douglasie, die, wie Revierleiter Ulbricht sagt, zusätzlich zu den Buchen auf der Fläche gepflanzt werden sollen.

Dass die Pflänzchen jetzt in die Erde kommen sei genau die richtige Zeit, so Hamers. „Im Herbst ist die klassische Pflanzphase“, erklärt er mit Verweis auf die dann ihren Lauf nehmende Vegetationsruhe von Bäumen, Sträuchern und Co. und den Fakt, dass beim und nach dem Setzen der Jungpflanzen ein durchfeuchteter Boden wichtig sei zur Wurzelbildung. Auch im Frühjahr könne man pflanzen. Doch laufe man im Herbst eben weniger Gefahr, in eine Trockenperiode zu geraten.

Nichtsdestotrotz soll auch im kommenden Frühjahr im Rahmen der Sparkassen-Initiative „Mein Wald“ weiter gepflanzt werden, die im Übrigen nebenher zu regulären Wiederaufforstungsarbeiten läuft. Interessenten fürs nächste Jahr gebe es jedenfalls schon, sagt Peter Hamers. So etwa in Steinheid oder in Goldisthal wo Vereine jeweils hiesige Flächen in Angriff nehmen wollen. Ob und wie diese und noch heuer anstehende Aktionen dann mit Blick auf die Pandemie und damit einhergehende Bestimmungen umgesetzt werden können, bleibt abzuwarten. Denn schon die Premiere musste unter Auflagen stattfinden, die so manchem gewillten Helfer die Teilnahme verwehrt haben.

 

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