Soziales Projekt in Suhl Weiterhin Rückenwind geben

Das Klettern stärkt das Wir-Gefühl der Teilnehmer. Foto: privat

Das Projekt Rückenwind, das sich an Kinder aus suchtbelasteten Familien wendet, ist im zweiten Jahr. Die bisherigen Erfahrungen haben den Fokus der Arbeit etwas verändert.

Suhl - Kinder und Jugendliche aus suchtbelasteten Familien zu unterstützen, ist das Ziel von Rückenwind. Das Projekt der Diakonie Henneberger Land, das im vergangenen Jahr aufgelegt wurde, ist in der zweiten Runde und will auch über das Jahr 2021 hinaus für die jungen Suhler da sein. Dabei soll der Fokus mehr auf die Themen Medienkonsum, Mediensucht sowie Kinder- und Jugendschutz im Medienbereich gerichtet werden.

Fokus auf Medienkonsum und Mediensucht

Die jüngsten Erfahrungen hätten gezeigt, dass der Kurs sich inhaltlich in diese Richtung orientieren müsse, sagt Claudia John, Bereichsleiterin Kinder- und Jugendhilfe der Diakonie. In der Corona-Pandemie sei der Medienkonsum der Kinder und Jugendlichen stark gestiegen. Bis hin zu suchtartigem Verhalten, so die Pädagogin. „In Familien mit Suchtproblematik gibt es meist wenig Kontrolle des Medienkonsums und wenig Aufklärung über die Gefahren, die damit verbunden sein können“, weiß Claudia John. So würde das Medienverhalten kaum hinterfragt und die Kinder würden vermehrt zu Opfern. „Es gibt Kontaktaufnahmen über soziale Medien oder Videospiele, wobei die Kinder aufgefordert werden, Fotos von sich zu schicken. Das nimmt zu.“

Daher haben sich Claudia John und das Team von Rückenwind dazu entschieden, diesem Themenbereich mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Zunächst haben sich die Fachkräfte selbst fit gemacht, um den Familien praktisch helfen zu können, wenn es zum Beispiel um die Festlegung von Nutzungszeiten geht. In der Gruppe werde auch vermehrt über den Medienkonsum geredet, sagt Kursleiterin Lucy Leuthäuser.

Vertieft wird dies durch eine Veranstaltung mit einem Medienexperten im Oktober, der mit den Kindern und Jugendlichen speziell zu dem Thema arbeitet. „Das hat auch einen präventiven Ansatz, damit der Medienkonsum nicht in eine Sucht umschwenkt“, erklärt Claudia John.

Das Wir-Gefühl der Teilnehmer stärken

Selbsttests und sinnvolle Freizeitgestaltung jenseits von Medien sind auch Teil der Gruppensitzungen. Aktuell sind es sieben junge Suhler zwischen neun und 14 Jahren, die an Rückenwind teilnehmen. Vier seien bereits zum zweiten Mal dabei, weil sich gezeigt habe, dass sie noch Bedarf haben, sagt Lucy Leuthäuser. „Sie sind richtig in der Gruppe angekommen, haben Vertrauen gefasst, wissen, dass es keine negativen Folgen hat, wenn sie von ihren Erlebnissen berichten. Jetzt kann man ganz anders mit ihnen arbeiten.“

Zum Stärken des Wir-Gefühls tragen auch erlebnispädagogische Veranstaltungen bei. Vom Bogenschießen und Lagerfeuer bis zum Klettern am Felsen. Besonders eindrücklich sei die Buchlesung mit Jason Sante gewesen, sind sich Claudia John und Lucy Leuthäuser einig. Der Bericht des ehemaligen Alkoholikers, der aus einer Sucht-Familie stammt, habe die jungen Teilnehmer berührt und sei ein guter Türöffner gewesen, sagen die Pädagoginnen.

Fortbestand hängt von Förderung ab

Bis zum Kursende im Dezember ist noch viel geplant wie der Besuch der Sternwarte, Kreativarbeit in der Tagesstätte für Suchtkranke oder eine Stadtrallye. Im Frühjahr startet Rückenwind womöglich in die dritte Runde. „Wir hoffen, dass es mit der erneuten Förderung klappt. Der Bedarf ist auf jeden Fall da“, betont Claudia John.

 

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