SOS-Festival „Eine Tuba ist keine Bassgitarre“

, aktualisiert am 26.06.2022 - 11:43 Uhr

Hochleistungssport mit Lippen und Lunge haben am Samstagabend die Blechbläser  absolviert, die beim SOS-Festival ihr Können am Instrument gezeigt haben. Für die Nachwuchstalente der Suhler Musikschule war es der erste große Auftritt nach der  Corona-Pandemie.

Der Auftritt ihrer Tochter ist reif fürs Familienalbum. Mit dem Handy filmt und fotografiert Sabine Frischmuth, was die junge Saxofonistin am Samstagabend auf der SOS-Festival-Bühne abliefert. Melissa Frischmuth ist Teil des gemischten Kinder-, Jugend- und Erwachsenen-Blasorchester der Suhler Musikschule. „Sie hat fleißig geübt“, sagt Sabine Frischmuth und ist froh, dass die jungen Leute nun endlich das, was sie über Monate geprobt haben, zeigen können. Auch zu Hause höre ihre Tochter Blasmusik, verrät Sabine Frischmuth. Vor allem die modernen Titel hätten es ihrer Tochter angetan. Hannah Döll musiziert ebenfalls  im Orchester. Beim Schnuppern in der Musikschule entschied sich die Suhlerin für die Klarinette. Sie freut sich über den ersten großen Auftritt seit der Corona-Pandemie.

„Auf dem Dorf hört man Blasmusik, das gehört einfach dazu. Man hört das auf jeder Kirmes. Uns gefällt es“, sagen Mandy Reukauf und Eva Lehmann, die aus Häselrieth angereist sind, um den Musikern zu applaudieren.  Um die Singerthaler zu hören, ist Ute Richter aus Finsterwalde gemeinsam mit ihrer Schwester auf dem Platz der Einheit gekommen. „Es ist wichtig für die Musiker, wieder auftreten zu können“, sagt sie. 

Damit die Blasmusik-Liebhaber noch vor dem Auftritt der Musikanten ein wenig in Schunkel-Stimmung kommen, hat sich Jannis Pfeffer seine Steirische Harmonika umgeschnallt. Seit er zwölf Jahre alt ist, spielt der Jugendliche aus Plaue das seltene Instrument. Bei einem Tiroler Abend im Winterurlaub hörte er die Steirische Harmonika in Verbindung mit einer Teufelsgeige zum ersten Mal. „Da wusste ich, dass ich das auch können möchte“, erinnert er sich. Durch das jahrelange Schlagzeugspielen hatte er  sich  musikalische Grundkenntnisse angeeignet. Nun sollte ein Lehrer her, der ihm das Harmonika-Spielen beibringt. „Es gibt niemanden in Thüringen, der das kann“, sagt Jannis Pfeffer. Also stöberte die Familie im Internet und entdeckte Lernvideos eines Österreichers. Seit vier Jahren übt er nun vor dem heimischen PC. Vom Ergebnis sind die Zuhörer am Samstagabend begeistert. 

Fülliger, runder Klang

Für den perfekten Klang sorgen an diesem Abend aber nicht nur die Musiker, die an den Blasinstrumenten mit Lungen und Lippen wahren Hochleistungssport abliefern. Ein paar Meter entfernt  stehen Felix Jacob Winkel und seine Kollegen von VisioTec. Die Klangexperten an den Reglern  wissen, wie sie aus Solokünstlern oder ganzen Orchestern das Beste herausholen. „Es ist immer ein Spagat zwischen leise und laut. Jeder hat da ein anderes empfingen“, nennt Felix Jacob Winkel  die erste Herausforderung. Blasmusik müsse außerdem rund und füllig klingen. „Hier erwartet niemand, dass es ihm Bauch dröhnt, wie bei Rockmusik“, sagt der Tontechniker und fügt lachend hinzu: „Eine Tuba ist eben keine Bassgitarre.“ Bei seinem Job komme es nicht nur darauf an, die Technik zu kennen. Musikalisches Gehör  und Taktgefühl seien wesentlich. Denn anstatt nach Lehrbuch zu arbeiten, komme es vor allem auf das Gespür an. Erst wenn Tontechnik, Musik und Arrangement stimmen, klingt es.

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