Sorgen bei Klinikverbund Sorgen bei Regiomed: Konzern verstärkt Impfkampagne

Geimpft oder nicht? Die Impfquote der Beschäftigten in den Südthüringer Regiomed-Häusern liegt zwischen 60 und 70 Prozent. Foto: dpa/Christian Charisius

Zu wenige Mitarbeiter des Klinik-Verbunds Regiomed lassen sich gegen das Corona-Virus immunisieren. Auch in Hildburghausen setzt man auf Überzeugungsarbeit – und auf die Impfpflicht.

Hildburghausen/Sonneberg - Die Impfquote im Landkreis Hildburghausen bewegt sich bei etwa 50 Prozent der Gesamtbevölkerung. Das spiegelt sich auch in der Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einrichtungen des Regiomed-Klinikverbunds wider, die sich gegen das Corona-Virus immunisieren lassen. „Die Impfquote in Südthüringen ist nicht hoch, und in unseren Einrichtungen bewegt sie sich zwischen 60 und 70 Prozent“, sagte der für Hildburghausen und Sonneberg verantwortliche Regiomed-Geschäftsführer Michael Musick in einer Video-Pressekonferenz am Dienstag.

Den Krankenhauskonzern kann das in absehbarer Zeit vor ein Problem stellen. Ab 15. März 2022 greift die Impfpflicht für Beschäftigte in Kliniken, Pflegeeinrichtungen und im Rettungsdienst. Sie dürfen dann ihren Arbeitsplatz nicht mehr aufsuchen. Regiomed-Personalchef Frank Wellmann erläuterte die Konsequenzen: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Wellmann: „Vom Krankenhausdirektor bis zur Reinigungskraft!“), die keinen Impfnachweis führen können, dürfen die jeweilige Einrichtung nicht mehr betreten, werden freigestellt und erhalten keine Lohnfortzahlung. Regiomed-Hauptgeschäftsführer Alexander Schmidtke machte dazu eine Rechnung auf: Bei 150 Beschäftigten und einer Nicht-Geimpften-Quote von 30 Prozent müssten 45 Kräfte zu Hause bleiben. Das würde den Betrieb in den Regiomed-Krankenhäusern, den Seniorenhäusern und den Medizinischen Versorgungszentren sowie im Rettungsdienst gefährden.

Damit dieser Fall nicht eintritt, setzt der Konzern auf eine Impfkampagne. So können sich Mitarbeiter im Krankenhaus in Hildburghausen jeden Mittwoch in der Ambulanz ihren Piks abholen, erläuterte der Ärztliche Direktor Robert Koburg. „Wir verimpfen konstant um die 20 Dosen pro Woche“, so der Chefarzt. Allerdings räumte er ein, dass es sich hauptsächlich um Auffrischungsimpfungen – „Booster“ – handelt. „Es sind Erstimpfungen dabei, aber die sind ganz klar in der Minderzahl.“

Roland Koburg betonte, er sei „ein großer Freund davon, dass jetzt die Impfpflicht kommt“. Als vor einem Jahr die ersten Impfstoffe gegen das Corona-Virus auf den Markt kamen, habe er noch „gut nachvollziehen können“, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Folgen einer Impfung fürchteten. Mittlerweile sei dies unbegründet. Millionen von Menschen seien gegen das Virus immunisiert. Man wisse, das Risiko von Nebenwirkungen und gesundheitlichen Schäden sei äußerst gering.

Koburg sagt, er könne nicht verstehen, dass auch in Hildburghausen so viele Menschen nicht bereit seien, Verantwortung für den Schutz der eigenen Gesundheit und die Gesellschaft zu übernehmen, um aus der Pandemie herauszukommen. Dies sei „extrem schade“, sagte Michael Musick. „Es sorgt uns etwas, wenn sich unsere Mitarbeiter nicht impfen lassen“, ergänzte Alexander Schmidtke. Und es wiege umso schwerer, wenn einem – wie im Regiomed-Verbund – Patienten anvertraut sind. „Wir hatten sehr lange Geduld mit Impfunwilligen, haben sehr lange darauf gehofft, dass vernünftige Argumente greifen.“ Doch leider gebe es noch immer einen hohen Anteil in der Bevölkerung und damit auch bei Regiomed-Mitarbeitern, „die wir damit nicht erreichen“. Deshalb befürworte der Ärztliche Direktor die Impfpflicht.

Die Impfpflicht aber scheint weiterhin abzuschrecken. Geschäftsführer Musick bestätigte, dass sich erste Regiomed-Beschäftigte aus den Südthüringer Einrichtungen zum März nächsten Jahres arbeitssuchend gemeldet haben, weil sie sich nicht impfen lassen wollen. Musick wollte, ebenso wie Alexander Schmidtke, nicht spekulieren, wie viele am Ende diesen Weg tatsächlich gehen. Musick: „Letztlich ist das die Entscheidung eines jeden Einzelnen.“

Chefärzte und Führungskräfte lassen nichts unversucht, um Impfverweigerer doch noch zu überzeugen. Sie haben sich jüngst auf dem Hubschrauber-Landeplatz des Coburger Krankenhauses aufgestellt und ihre Impfausweise in die Höhe gestreckt. Zudem wurden die gelben Jalousien an den Krankenhausfenstern heruntergelassen. Die Botschaft: „Wir zeigen Corona die gelbe Karte – lasst euch impfen.“ Man müsse und werde hier weiterhin Überzeugungsarbeit leisten, betonte Regiomed-Hauptgeschäftsführer Schmidtke. Und wenn das alles nichts nutzt? Schmidtkes Antwort: „Bislang haben wir für jedes Problem eine Lösung gefunden.“

In den Krankenhäusern des Regiomed-Verbundes wurden am Dienstag, 11 Uhr, 178 Patientinnen und Patienten behandelt, die an der Krankheit Covid-19 leiden, die das Corona-Virus auslöst. 20 von ihnen lagen auf der Intensivstation, 13 mussten beatmet werden. Die Mehrzahl war ungeimpft. Auf den Corona-Normalstationen ist das Verhältnis zwischen Geimpften und Nicht-Geimpften ausgeglichen.

Im Krankenhaus Hildburghausen wurden zu dieser Zeit 29 Frauen und Männer auf der Covid-Normalstation behandelt, ein Patient auf der Intensivstation. Chefarzt Roland Koburg erinnerte daran, dass Erkrankte von Hildburghausen in Kliniken in Jena und Osnabrück verlagert werden mussten. In den Regiomed-Senioreneinrichtungen in Hildburghausen und Eisfeld waren am Mittwoch zwölf Bewohner Corona-positiv, ihnen gehe es aber „soweit gut“, erläuterte Michael Musick. Problematisch sei die Zahl der erkrankten Mitarbeiter. Der Personalausfall in Südthüringen sei hoch. „In Summe fehlen uns gut 90 Pflegekräfte und fünf Beschäftigte im ärztlichen Bereich“, sagte der Regiomed-Geschäftsführer.

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