Experte spricht vom "Kollaps" der SDF
Einige Beobachter werteten die Einigung auf eine Waffenruhe nun als faktisches Ende der kurdischen Selbstverwaltung im Nordosten. Die Kurden hätten "Gebiete, Waffen, Unterstützung aus dem Ausland und institutionelle Tiefe" gehabt, schrieb Syrien-Experte H. A. Hellyer. Wenn diese keine Zusagen aus Damaskus erreichen könnten, würde dies "keine andere syrische Gemeinschaft realistischerweise schaffen". Das gelte für die drusische Minderheit im Süden Syriens wie auch für die Alawiten an der Mittelmeerküste. Hellyer erklärte, die SDF würden "regelrecht kollabieren".
Al-Scharaa hat immer wieder den Schutz von Minderheiten in Syrien zugesagt. Am Freitag unterzeichnete er ein Dekret, mit dem die kulturelle und sprachliche Identität der syrischen Kurden geschützt werden soll. Nach den jüngsten Kämpfen bleibt großes Misstrauen in der kurdischen Bevölkerung über die Absichten al-Scharaas und seiner Übergangsregierung.
Experte Hassan Hassan schrieb, al-Scharaa habe den Osten Syriens "schnell eingenommen". Es würden vermutlich aber noch weitere Schritte folgen, um die Kurden zu "strategischen Verbündeten" in seinem staatlichen System zu machen.
Der Schritt ist auch ein Erfolg für die benachbarte Türkei, die die Regierung in Damaskus im Konflikt mit den SDF unterstützt. Ankara hatte bereits militärische Hilfe zugesagt, sollte Syrien dies anfragen. Die Türkei unterhält enge Verbindungen zur Übergangsregierung al-Scharaas. Sie betrachtet die von kurdischen Milizen angeführten SDF als Terrororganisation und als Arm der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK.