Bienenprojekt im Kindergarten „Ich soll sie da einfach reinschütten?“

Ganz vorsichtig und etwas skeptisch öffnet Anja Müller-Lustig das Schächtelchen, in dem die Bienen in den Kindergarten geliefert wurden. Foto: /Carl-Heinz Zitzmann

Im Sonneberger Kindergarten „Pusteblume“ dreht sich schon lange alles um die Bienen. Beete wurden angelegt und spezielle Wildblumen ausgesät. Seit Kurzem haben Kinder und Erzieherinnen sogar ihr eigenes, kleines Bienenvolk.

Sonneberg - „Huh da drin kabbelt es ja“, sind die Kleinen überrascht, als Annika Peterhänsel das durchsichtige Peterhänsel zeigt. „Stechen die auch nicht?“, fragt ein Junge vorsichtshalber noch einmal nach. Doch die Erzieherinnen trösten: „Nein, die stechen euch nicht“. Gemeinsam geht es hinters Haus, wo man schon alles für die neuen Bewohner vorbereitet hat. „Ja wir machen seit vier Wochen ein Bienen-Projekt und haben jetzt endlich auch unser eigenes, kleines Volk“, freuen sich alle

An einem Holz-Gartenhaus ist an der Seite ein Insekten-Hotel angebaut. Gleich daneben hängt ein kleines, unscheinbares Kästchen aus Holz. „Da nennt man Beute und da wohnen die Bienen dann?“, wollen die Mädchen und Jungen wissen. „Ja genau, aber erst einmal müssen sie rein“, erklären die Erzieherinnen. Anja Müller-Lustig übernimmt diese Aufgabe. Zunächst muss sie aber erst einmal nachschauen, wo genau die Insekten hinkommen. Vorsichtig zieht sie die obere Schiene heraus. „Ich soll sie da rein schütten?“, fragt sie noch einmal nach. „Ja, alles richtig“, loben die anderen. Ein bisschen skeptisch ist die junge Frau aber schon. Einfach die Schachtel aufmachen? Sie wagt es, wenn auch zögerlich, schließlich sollen die 20 Kokon, die sich nach und nach öffnen, auch wirklich an ihren Platz kommen. „Perfekt“, loben alle, staunen aber, dass einige ihre neuen „Mitbewohner“ gleich wieder davon fliegen. „Das ist alles richtig“, weiß Annika Peterhänsel.

Der Kindergarten arbeitet nach dem pädagogischen Konzept, Lernprozesse mit der Natur zu gestalten und die Wertschätzung von Natur in jedem Leben zu zeigen. „Da passt das mit den Bienen perfekt“, ist man sich einig. Auch sie haben vom Bienensterben etwas gehört und wissen, warum es dazu kommt. Keine Nistmöglichkeiten, da Flächen versiegelt und typische Nist-Orte wie Totholz aus den Gärten und Wäldern entfernt werden, der Rückgang des Nahrungsangebotes auf Feldern und Gärten und auch die Pflanzenschutzmittel. Dem möchten sie entgegenwirken und mit einem kleinen Teil dafür sorgen, dass es wieder mehr dieser Insekten gibt. Wer sich im Kindergarten selber und auf dem Gelände umschaut, wird schnell bemerken, dass der Anteil der „Pusteblume“ gar nicht so klein ist. In den einzelnen Räumen entdeckt man überall kleine Basteleien, die mit Bienen zu tun haben. Die Schulanfänger haben einen Ordner angelegt, in dem man die Entwicklung der Bienen nachvollziehen kann. Aber auch draußen hat sich schon einiges getan.

Da gibt es schon Hochbeete, die man vor zwei Jahren von der Landvolkbildung gefördert bekam. Sie sind inzwischen mit dem Wildblumen-Samen, den man bei einem Radiosender gewonnen hat, bestückt und werden in regelmäßigen Abständen regelmäßig vom Unkraut befreit. Am anderen Bungalow hängen jede Menge große Blechdosen. „In einigen wachsen Kräuter, andere sind Tränken “, klärt alle auf. Letztere sind übrigens in allen möglichen Formen im Garten und auf dem Spielplatz verteilt. „Die Bienen haben doch auch Durst“, wissen die Kleinen. Nicht auf den ersten Blick zu sehen, ist ein Bienen-Schacht, den man in einem der Beete angelegt hat. In kurzer Zeit hat man so schon einiges geschafft. „Und wir haben noch ganz viele Ideen“, blicken die Erzieherinnen voraus.

 

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