Sonneberger Jazztage Intelligent-witzige Arrangements

Fred Ulbricht

Am Donnerstag starten die 37. Internationalen Sonneberger Jazztage. Das Auftaktkonzert im Großen Saal des Rathauses verheißt eine Reminiszenz an Joni Mitchell und einen jazzigen Rückblick auf die Neue Deutsche Welle.

Der deutsch-amerikanische Sänger Robert Summerfield und der deutsch-isländische Pianist Lars Duppler bestreiten den Beginn der Sonneberger Jazztage. Foto: Jazzfreunde/Ai Ex Lienerth

Das Opening der Sonneberger Jazztage verspricht einen denkwürdigen Abend mit zwei ganz außergewöhnlichen Formationen, für die das erstmalig direkt in das Festival eingebundene Rathaus einen würdigen Rahmen abgeben wird.

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Der deutsch-amerikanische Sänger Robert Summerfield und der deutsch-isländische Pianist Lars Duppler widmen sich in ihrem neu erarbeiteten Live-Programm einer Ikone der Musik. Es handelt sich um Joni Mitchell, die 1943 in Alberta/Kanada geborene Singer/ Songwriterin. In den 1970er- und 1980er-Jahren verband die von Fans in der ganzen Welt verehrte Künstlerin den Folk der Hippies mit Jazz und Pop.

Zwei Tage vor dem Sonneberger Tribute-Konzert wird Joni Mitchell 80 Jahre alt. Die Fans feiern ihren Geburtstag mit dem Auftritt von Robert Summerfield & Lars Duppler. Die Wege der beiden Musiker kreuzten sich erstmals im Jahre 2015 – sie begleiteten ihren auch in Sonneberg bekannten Freund und Kollegen Nils Wülker (tp) auf einer Album-Release-Tour. Im Winter 2020 beschlossen sie ein Duo zu gründen, welches in Bezug auf das Material gleichermaßen herausfordernd und ästhetisch begeistern sollte. So flog der Funke in Richtung Joni Mitchell. Die Songselektion für das Album entstand in enger Zusammenarbeit mit Erich Zawinul (Sohn von Joe Zawinul). Dieser beriet und lieferte Einblicke in mehrere Treffen seines Vaters mit Joni Mitchell in den frühen 1970ern, einer Zeit, in der sich Mitchell zunehmend für Jazz und Bands wie Weather Report interessierte.

Das Ergebnis all der Vorbereitungen und musikalischen Proben führte schließlich zu einem adäquaten Bühnenprogramm: einer biografische Reise, die klanglich untermalt, warum Mitchell neben Bob Dylan und Leonard Cohen zu den größten Lyrikerinnen ihrer Generation gehört. Summerfield und Duppler bieten dabei sowohl musikalisch als auch in moderierten Strecken ein hautnahes, differenziertes Bild der facettenreichen Künstlerin und ergründen damit eine nicht unwichtige Frage: Warum wird Joni von Folk-Fans wie auch Jazzern weltweit so vehement verehrt?

Robert Summerfield & Lars Duppler ist ein ungemein feinfühliges und persönliches Klangportrait einer der größten Komponistinnen & Musikerinnen der Gegenwart gelungen. Musik zum Erinnern und Entschleunigen. Unterstützt wird das glänzend eingespielte Duo vom Saxophonisten Christoph Möckel, der als eines der meistversprechenden Talente auf seinem Instrument in Deutschland gilt. Durch ihn wird das Duo im Sonneberger Rathaus zu einem ausdrucksstarken Trio erweitert.

Podium für die Musik ihrer Jugend

„NDW meets Jazz“ heißt es im zweiten Teil der Eröffnungsveranstaltung im Rathaus. Sicher gibt es viele Leute, die sich noch an die Zeit zu Beginn der 80er-Jahre erinnern, als die Neue Deutsche Welle das Land förmlich überrollte (übrigens in West und Ost gleichermaßen). Können diese nicht gerade kompliziert strukturierten Songs mit Jazz der modernen Spielart zusammengehen? Ja, sie können es sehr gut – zumindest dann, wenn sich die Pianistin und Keyboarderin Béatrice Kahl und die Saxophonistin Gaby Schenke daran versuchen.

Die beiden exzellenten Musikerinnen gehören zu den interessantesten Vertreterinnen der aktuellen deutschen Jazz-Szene. In ihrem neuen Album haben sie sich die Musik vorgenommen, die sie bereits in ihrer Jugend geprägt hat: die „Neue Deutsche Welle“. Durch intelligent-witzige Arrangements und druckvolle Interpretationen bekommen die alten Hits der 80er-Jahre eine interessante und zeitgemäße Dimension mit viel Tiefe, ohne dass der ursprüngliche Charme der Melodien verloren geht. Ob „erfahrene Fans“ des Modern Jazz oder „kulturell weiterentwickelte“ Vertreter der „Generation Golf“ – diese Jazzmusik findet auf jeden Fall ihre Liebhaber. Locker, leicht und luftig klingen „99 Luftballons“, „Carbonara“, „Blaue Augen“, „Ich will Spaß“ oder „König von Deutschland“ in neuem Gewand und feinsinnig arrangiert.

Gaby Schenke, vormals Hannoveranerin, nunmehr in Frankreich lebend, arbeitete mit bekannten Größen wie Bill Ramsey, Gitte Haenning, Lutz Krajenski & Roger Cicero, dem Grenoble Modern Orchestra und vielen anderen. Sie stand unter anderem auf den Jazzfestivals Montreux, Juan-les-Pin, Grenoble, den Jazztagen Hamburg, Jazz à Fareins, Amphi Lyon und im Rahmen von Konzerten in Afrika und den USA auf der Bühne.

Die aus Hannover stammende Nürnbergerin Béatrice Kahl spielte unter anderem mit der Thilo Wolf Big Band, mit Thomas Quasthoff, Max Mutzke, Emma Lanford, Santiano, Tony Lakatos, Charly Antolini, John Davis und Melva Houston. Außerdem arbeitete sie als Korrepetitorin an vielen Theatern der Bundesrepublik.

Verlosung für Kurzentschlossene Freikarte Freies Wort und die Sonneberger Jazzfreunde verlosen für die Eröffnungsveranstaltung am Donnerstag, 9. November, Beginn im Sonneberger  Rathaussaal ist um 20 Uhr, eine Freikarte unter allen, die bis Freitag, 3. November, 15 Uhr, eine Mail senden an lokal.sonneberg@freies-wort.de mit dem Stichwort „Opening“. Der Gewinner wird am Samstag veröffentlich, die Freikarte liegt hernach zur Abholung in der Lokalredaktion bereit.

Das gesamte Programm der Sonneberger Jazztage und weitere Informationen finden Interessierte unter www.son-jazz.de