Sonneberg - Ulrike Frins sieht alles noch genau vor sich: Es war der 18. November, 16 Uhr. Die Inhaberin einer Imbissfirma ließ sich von ihrem Mann bis vor die Tür der Sparkassen Hauptfiliale in Sonneberg fahren. Neben ihrer Handtasche hatte sie eine zweite Tasche dabei, in der sich drei kleinere Kunststofftaschen mit Geld befanden. Es handelte sich um Einnahmen aus ihrem Pausen-Imbiss-Stand am Gymnasium in Neuhaus am Rennweg: zwei Taschen mit Münzen, eine mit Scheinen. Als sie die Schalterhalle betrat, kam ihr ein Mann entgegen.
"Er war gut gekleidet", so kann sich Ulrike Frins noch an ihren ersten Eindruck erinnern. Eine längere Lammfelljacke, die Hosen und Schuhe vermittelten das. Von der Hautfarbe und den Haaren her schien der Mann aus Südosteuropa, vielleicht Rumänien, zu stammen. Der Mann wedelte Ulrike Frins mit einer dicken Rolle aus 50-Euro-Geldscheinen vor dem Gesicht herum. Sie solle ihm helfen. Er wolle das Geld in 500-Euro-Scheine umtauschen, aber die Kassiererin mache das nicht, bedeutete er der Frau in gebrochenem Deutsch. Ulrike Frins solle das Geld doch für ihn umtauschen. Die Geschäftsfrau, lehnte sofort und deutlich ab. "Ich mache das nicht. Ich weiß ja gar nicht, ob ihr Geld echt ist", ließ sie den Mann stehen und schritt zum Einzahlungsschalter. Der befindet sich in der Schalterhalle, zwar in einem Eckbereich, aber einsehbar, nicht abgeschirmt vom übrigen Kundenbereich.
Ulrike Frins bemerkte noch, dass der Mann sich weiter in der Schalterhalle aufhielt, und unterhielt sich darüber mit der Kassiererin. Diese erklärte, sie dürfe solche hohen Geldbeträge nicht für Nichtkunden der Sparkasse umtauschen. Der Mann suche öfter die Sparkasse heim und würde sie dann auch beschimpfen, weil sie seine Wünsche nicht erfülle. Dann beschäftigten sich die beiden Frauen mit der Einzahlung. Die Kassiererin holte die sogenannten Safebags, Sicherheitstaschen, hervor, in die Bargeldeinzahlungen verstaut werden. Ulrike Frins nahm aus ihrer Handtasche ihre EC-Karte.
Zuerst übergab sie die Münzen. Als sie die Tasche mit den Scheinen hervorholen wollte, war sie weg. "Hast du die etwa daheim liegen lassen?", durchfuhr es sie. Ulrike Frins beendete die Einzahlung und fuhr mit ihrem Mann heim. Sie durchsuchte die Wohnung und das Auto - vergeblich. Um 19.30 Uhr erstattete sie Anzeige bei der Polizei, denn ihr war inzwischen klar, dass sie im Schalterraum der Sparkasse bestohlen worden war. Schaden: 1020 Euro.
Sonneberg/Neuhaus Taschendiebstahl am Bankschalter erschüttert das Vertrauen
Martina Hunka 20.01.2017 - 17:30 Uhr