Frau Forkel erinnert sich an den Neustart vor zwanzig Jahren, "Die Fertigung der Papiermachéfiguren wurde ja schon 1978 eingestellt, aber die Spieltiere und auch Krippenfiguren aus Kunststoff waren beliebt und fanden reißenden Absatz. Die Krippenfiguren aus Kunststoff wurden zu der Zeit in drei Größen angeboten und gingen zu DDR-Zeiten ausschließlich in den Export."
"Wir waren zuversichtlich, dass wir mit unserem Sortiment bestehen können", schildert Frau Forkel die Situation vom Neubeginn. "Der Verkauf gen Westen war ein Flop, nicht einmal im Osten waren unsere Figuren mehr gefragt. Die erste Herbstmesse in Leipzig 1990 brachte gerade mal einen Auftragswert von fünftausend DM ein und zu Hause waren achtzig Mitarbeiter, die auf Lohn und Arbeit warteten. Mein Vater reiste persönlich nach Nürnberg zum Verein deutscher Spielwareneinzelhändler, um unser Sortiment zu vermarkten. Es wurden neue Verpackungen kreiert, unsere Spieltiere wurden mit Farben gestaltet, die der neuen Euronorm entsprachen. Wir beteiligten uns mit einem kleinen Stand an der Nürnberger Spielwarenmesse. Es kam zwar zu ersten Aufträgen für Spieltiere, aber der erhoffte Zulauf blieb aus."
Szenisch nachgestellt wurde auch das Bemühen, das alte Rezept der Papiermachéfiguren wieder zu finden. "Die alten Figuren haben mich schon immer fasziniert, man müsste diese doch wieder ins Leben rufen können" erzählt Frau Forkel. "Wir sind zu den ganz alten Mitarbeitern gegangen und fragten jeden, wie das denn damals mit der Rezeptur war. Aber alles vergebens, keiner konnte sich erinnern."
Und so war es wie eine Fügung des Schicksals, als man bei Aufräumarbeiten im Keller mehr zufällig eine Tür von innen schloss, die jahrelang offen stand und an der man fast tagtäglich vorbeiging. An der Rückseite der Tür heftete, total vergilbt, ein alter Zettel. Es waren die Notizen von Masse-Maxe, demjenigen, der über Jahre die Masse für die Figuren angesetzt hatte. Man hatte jetzt zwar die Bestandteile, aber in welchem Verhältnis diese gemischt werden mussten, wusste man nicht. Und so wurden über Weihnachten mit den Mitarbeitern die ersten neuen Figuren aus Papiermaché gebastelt. "Es war kalt in den Betriebsräumen, die Heizung ging noch nicht. Die Figuren klebten noch, als wir zum Jahresbeginn 1992 zur Nürnberger Spielzeugmesse fuhren." (Der Beitrag wurde 2010 erstmals veröffentlicht).