Sonneberg/Neuhaus Ganz Windsor schaut auf Baum mit Lauschaer Kugeln

Die Nordmanntanne steht. Beleuchtung und Kugeln sind angebracht. Und wenn am Samstag der Weihnachtsmarkt startet, wird sogar das Coburger Christkind vor Ort sein.

Coburg / Windsor - "Wir verfolgen eure Aktion auf Twitter", ruft die junge Frau, die wahrscheinlich gerade auf dem Weg zu Arbeit ist, zückt ihr Handy und schießt selbst ein paar Fotos. Sicher werden die in ein paar Minuten im Netz zu sehen sein. Das Interesse an dem Weihnachtsbaum, den die beiden Städte Coburg und Lauscha in diesem Jahr für Queen Elizabeth II. vor Windsor Castle aufstellen wollen, ist riesig.

Noch liegt die Nordmanntanne aus dem Callenberger Forst auf mächtigen Holzböcken in der Einfahrt zum Schloß. Der Autokran, der am Mittwoch pünktlich um 7 Uhr vor dem Wohnsitz der Queen Position bezogen hat, musste noch nicht viel tun. Vom Auflieger des Lastwagens aus Deutschland war der gut 400 Kilogramm schwere Baum schnell herunter gehoben. Jetzt geht es aber darum, die Tanne sicher in einer Art Kanalrohr zu verankern. Und das ist gar nicht so einfach.

Die Delegation aus Deutschland, die am Mittwoch durch Michael Selzer, Referent im Büro der 2. Bürgermeisterin Dr. Birgit Weber, und vier Mitarbeiter der Berufsfachschule Glas aus Lauscha verstärkt wurde, hat an fast alles gedacht. Von der Firma Metallbau Stark wurde extra eine Bodenhülse für den Baum angefertigt. Gut zwei Meter lang ist sie. Einerseits soll der Metallring den Fuß der Nordmanntanne stabilisieren und andererseits für einen festen Halt im Kanalschacht sorgen.

Die Idee ist gut, die Umsetzung bereitet aber einiges an Arbeit. Erst muss das untere Ende des Baumes mit der Motorsäge rundgeschnitten werden, bis es endlich in den Schaft passt, denn gibt es Probleme mit dem Kanalschacht. Weil der Deckel, der sich unmittelbar hinter der Viktoria-Statue befindet, wohl schon lange nicht mehr geöffnet worden war, hat sich Unrat angesammelt. Paul Roach, der Citymanager der Stadt Windsor und Ansprechpartner für die Coburger, organisiert kurzerhand die Stadtreinigung, die mit einem Saugwagen den Schmutz beseitigt. Die Offiziellen sind sehr bemüht in Windsor.

Jetzt ist der Weg frei für das letzte Stückchen auf dem langen Weg zwischen dem herzoglichen Forst in Coburg und Windsor Castle: Der Dieselmotor des Autokrans heult kurz auf und schon beginnt der 13 Meter hohe Baum, in der Luft zu tanzen. Langsam schwenkt der Arm des Krans herum. Am Boden dirigieren die "Baumdoktoren" aus Windsor - so nennt sich hier das Grünflächenamt - den Fuß der Tanne an ihren neuen Standort. Zwei, drei Drücker mit einem Holzklotz und die Bodenhülse flutscht in die Aussparung im Pflaster. Geschafft. Händeschütteln, Erleichterung und Frühstück für diejenigen, die schon wieder in aller Frühe auf den Beinen waren, um den Transport abzuwickeln.

Dann sind die Elektriker dran. Zwei Hubwagen - im Englischen heißen diese Cherry Picker, also Kirschenpflücker - fahren auf, um die Lichterketten mit 700 Kerzen an den Baum zu bekommen. Hilfe erhalten die beiden Elektriker spontan durch Mitarbeiter der Berufsfachschule Glas aus Lauscha. Die wären zwar erst später dran, um den zerbrechlichen Schmuck an der Nordmanntanne zu befestigen, aber gemeinsam geht es eben schneller.

Mit Hilfe der Cherry Picker ist auch gleich die gut eineinhalb Meter hohe Christbaumspitze installiert. Sie ist in einer besonders geschützten Schachtel nach Großbritannien gereist, damit dem filigranen Glasteil bloß nichts passiert. Am Nachmittag sollten dann endlich die Kugeln ausgepackt werden, doch die Zeit reicht nicht mehr, um den Glasschmuck an den Baum zu bekommen. Spätestens um 17 Uhr Ortszeit (18 Uhr in Deutschland) muss die Zufahrt zu Windsor Castle wieder frei sein. Darauf drängt die Palast-Polizei, die die ganze Aktion den ganzen Tag über mit Interesse verfolgt hat. Deshalb müssen die "Cherry Picker" und die Glasbläser am heutigen Donnerstag noch einmal ran.

Ihnen bleibt aber genug Zeit, die 2000 mundgeblasenen Kugeln zu verteilen. Der Weihnachtsmarkt vor Schloss Windsor, der der Beleuchtung des Christbaums aus Coburg (Lightening genannt) eröffnet wird, beginnt erst am Samstagabend. Übrigens: Bei dem Lichterfest ist auch das Coburger Christkind dabei. Frenke Freya Flessa, die seit 2014 das Christkind verkörpert, fliegt am Freitag nach England.

 

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