Sonneberg "Mehrheit steht hinter den Schutzmaßnahmen"

In Sonneberg und anderen Orten wird gegen die Beschränkungen durch die Corona-Pandemie demonstriert. Der Chef des Krisenstabes im Landratsamt erklärt, warum er eine Einladung der Demonstranten nicht annehmen wird.

Sonneberg - Deutschland ist im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern bislang glimpflich durch die Corona-Pandemie gekommen. Selbst die mittlerweile immer lockerer werdenden Kontaktbeschränkungen waren verglichen mit den rigorosen Maßnahmen etwa in Moskau, Norditalien und Spanien eher lasch.

Dennoch demonstrieren in vielen Orten des Landes Menschen gegen die staatlich verordneten Maßnahmen, was ihr verbrieftes Recht ist. Auf der Demonstration am Montag in Sonneberg wurde der Leiter des Krisenstabs im Landratsamt, Jürgen Köpper, aufgefordert am nächsten Montag Rede und Antwort zu stehen (Freies Wort berichtete unter "Manch eigenwillige Rechnungen").

"Die Einladung beziehungsweise Aufforderung zur Teilnahme an der Kundgebung ’Schluss mit dem Corona- Wahnsinn’ in Sonneberg habe ich zur Kenntnis genommen. Ich werde sie nicht annehmen und möchte meine Entscheidung begründen", hat Jürgen Köpper nun in einem Offenen Brief geschrieben.

Seit dem der Staat Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie ergriffen habe, hätten sich die örtlich Verantwortlichen neben viel Zuspruch aus der Bevölkerung zum Teil auch harscher Kritik ausgesetzt gesehen. Letztere sei im Laufe der Zeit immer persönlicher geworden und sei zunehmend unter die Gürtellinie geraten. "Die Anfeindungen Einzelner gingen in sozialen Netzwerken soweit, dass ich mich dazu entschloss, auf meiner privaten Seite keine diesbezüglichen Inhalte mehr zu posten und auch nichts mehr zu kommentieren. Angesichts der Art und Weise der an mich gerichteten Kritik- die auch vom Personenkreis der Kundgebungsteilnehmer ausging beziehungsweise von ihm geteilt wird- ist nicht zu erwarten, dass man auf der Versammlung offen, sachlich und ruhig miteinander über die Thematik ins Gespräch kommen kann", erklärt der Leiter des Krisenstabes. Köpper glaubt nicht, dass die Teilnehmer für sachliche Gegenargumente offen sind. "Insofern sehe ich keinen Sinn in meiner Teilnahme", begründete er.

Der Staat unterscheide im Schutz von Gesundheit und Leben "Gott sei Dank" nicht nach Lebensjahren oder Risikogruppen. "Bund, Länder und Kommunen standen und stehen angesichts der Ausbreitung eines weitestgehend unerforschten und lebensgefährlichen Virus, gegen das es bislang keine wirksamen Medikamente gibt, vor nie dagewesenen Herausforderungen", berichtet Köpper. Auf allen staatlichen Ebenen sowie natürlich auch in allen medizinischen Bereichen würden Menschen ihr Möglichstes tun, um die Bevölkerung vor Schäden für Leben und Gesundheit zu bewahren.

Angemessenes Vorgehen

"Wir als Landkreis Sonneberg müssen mit unserem Gesundheitsamt als untere staatliche Gesundheitsbehörde im Bereich des Bevölkerungs- und Infektionsschutzes Pflichtaufgaben im übertragenen Wirkungskreis erfüllen. Insofern sind wir hier an strenge Vorgaben des Bundes und Landes gebunden, die wir ohne Wenn und Aber umsetzen müssen", erklärt de Vorsitzende des Krisenstabes. Aufgrund der zweifellos starken Betroffenheit im Landkreis sei man verpflichtet, eigene verschärfende Schutzregelungen zu treffen und durchzusetzen. Köpper ist fest davon überzeugt, "dass unser Land der Pandemie bislang weitestgehend richtig und angemessen entgegengetreten ist- nämlich mit einer Strategie von Maß und Mitte."

Auch wenn es sich nicht ermitteln ließe, wie viele Infektionen durch die staatlichen Anordnungen verhindert und wie viele Menschenleben gerettet worden seien, steht für ihn eines fest: "Durch die Maßnahmen ist es gelungen, dass sich in Deutschland vergleichsweise wenig Menschen infiziert haben. Unsere Infektions- und Sterblichkeitsraten liegen deutlich niedriger als in Ländern wie Schweden, USA oder Brasilien, wo der Staat genau solche Schutzstandards nicht getroffen hat." Dadurch sei es vor allem auch gelungen, in Krankenhäusern tragische Engpässe wie in Italien zu verhindern. Kein Arzt habe in Deutschland aufgrund zu geringer Beamtmungskapazitäten auswählen müssen, welcher Covid-19-Patient behandelt werden kann und wer auf den Krankenhausfluren buchstäblich sterben muss. Gleichzeitig habe es in auch keine strengen, mehrwöchigen Ausgangssperren, wie in anderen Ländern Europas und der Welt, gegeben. Auch Einschränkungen der Grundrechte sah und sieht Köpper nicht.

"Was mich ein Stück weit beruhigt ist die Überzeugung, dass die Mehrheit der Bevölkerung hinter den Schutzmaßnahmen steht. Die zum Teil fragwürdigen Parolen der Montagsspaziergänge spiegeln nach meinem Dafürhalten nicht die mehrheitliche Meinung wider. Die Kundgebungsteilnehmer frage ich an dieser Stelle, wie denn ihre Lösung und Strategie gegen das Coronavirus aussieht?", so der Leiter des Krisenstabes.

Auch Jüngere betroffen

Solle der Staat und wollen die Gemeinschaft tatenlos zusehen, wie die Pandemie um sich greift und das Leben ernsthaft bedrohe, fragt er. "In solch einem passiv-ignorantem Staat und in solch einer Gesellschaft ohne Mitgefühl für schwache und ältere Mitmenschen möchte ich nicht leben!", erklärt er.

Jeder, auch junge Menschen, könnten von schweren Covid-19-Verläufen betroffen sein. Die Solidarität, die man anderen gegenüber aufbringe, sei auch ein Stück weit Selbstschutz. Köpper appelliert an die Vernunft und das Mitgefühl: "Lasst uns nicht länger spalten, sondern zusammenhalten- mit Herz, Rücksicht, Verstand und Fürsorge für unsere Mitmenschen in den Risikogruppen und ihre Angehörigen!"

Die nächste Montagdemonstration gegen die Pandemie-Beschränkungen findet am Montag um 19 Uhr auf dem Sonneberger Pikoplatz statt.

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