Sonneberg: Erste-Hilfe-Kurs in Kita Vorschüler lernen kleines Medizin-Einmaleins

Sarah Jakon

Die Vorschulgruppe der Kindertagesstätte „Pusteblume“ im Wolkenrasen hat an einem erste Hilfekurs teilgenommen. Auf spielerische Weise erklärte Notfallsanitäter Lars Hene ihnen, wie sie sich im Ernstfall verhalten müssen.

Notfallsanitäter Lars Hene erklärt den Kindern, wie man einen Menschen reanimiert. Foto: Carl-Heinz Zitzmann

Die Matten müssen neben den Übungspuppen liegen, denn normalerweise befinden sich darunter die Beine eines Menschen“, erklärt Notfallsanitäter Lars Hene vom Rettungsdienst Sonneberg schmunzelnd. Er ist gerade mit dem Aufbau für den Erste-Hilfe-Kurs in der Kindertagesstätte „Pusteblume“ beschäftigt. Im Sportraum macht er mit der Hilfe von Einrichtungsleiterin Annika Peterhänsel alles für die besondere Unterrichtsstunde bereit, bevor die Kinder der Vorschulgruppe eintreffen. Mittlerweile liegen aber ausreichend Trainingspuppen für die Herz-Lungen-Wiederbelebung auf dem Boden. Die Reanimation soll eines von vielen Themen sein, mit denen der Notfallsanitäter und die Erzieherin die Vorschüler vertraut machen wollen.

Nach der Werbung weiterlesen

Wie in den vergangenen Jahren auch sollen die ältesten Kindergartenkinder lernen, wie man einen Notfall erkennt und entsprechend handelt. Aber nicht nur das: Auch, wie sich kleinere Wehwehchen versorgen lassen, will Hene den Steppkes zeigen: Wie bringe ich einen Verband mit einer Mullbinde richtig an, ohne, dass alles wieder verrutscht? Worauf muss ich achten, wenn ich ein Pflaster aufklebe? Diesen Fragen möchte er zusammen mit den Kindern auf den Grund gehen, denn eines ist laut dem Sanitäter nicht von der Hand zu weisen: „Auch sehr junge Kinder können im Ernstfall helfen.“ Das betont Hene. Denn in der Vergangenheit sei es schon oft der Fall gewesen, dass ein Familienmitglied, wie etwa Oma oder Opa, mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte, und niemand außer dem Enkelchen zu Hause war. „Es gibt Berichte über Drei- oder Vierjährige, die einen korrekten Notruf abgesetzt haben“, erklärt Hene, während er die letzten Utensilien für die folgenden Stunde, wie Pflasterschachteln und Verbandsmaterial, zurechtlegt.

Die Kleinsten können helfen

Deshalb beginnt der Kursleiter das kleine Medizin-Einmaleins auch mit der Frage, ob die Kinder denn wissen, wie ihre Adresse lautet? Die zehn Vorschüler, die sich auf der Turnmatte am Boden niedergelassen haben, schauen den Notfallsanitäter nachdenklich an. Der Reihe nach tragen sie schließlich ihre vollständige Anschrift vor. Die meisten von ihnen wissen, wohin der Rettungsdienst im Ernstfall fahren muss.

Bei wem die Aufregung gerade überhand nimmt oder die neue Adresse aufgrund eines kürzlichen Umzugs noch nicht richtig sitzt, sichern die Erzieherinnen Hilfe zu. Schließlich sei das im Anschluss an den Erste-Hilfe-Kurs schnell gelernt. Der Wo-Frage schließen sich alsdann die restlichen vier essenziellen W-Fragen „Was genau ist geschehen? Wie viele Personen sind betroffen?Welche Art von Notfall/Verletzung liegt vor?Warten auf Rückfragen“ an. Und wenn die Kleinen einmal nicht genau wissen, wo sie sind, weil sie auf der Straße einem hilfebedürftigen Menschen begegnen? „Dann könnt ihr auch die Umgebung um euch herum beschreiben. Oft sind auffällige Gebäude, wie Supermärkte oder Kirchen in der Nähe“, führt Hene aus.

Doch nach der Theorie erfolgt auch für die Kleinen die Praxiseinheit. Spielerisch und ermutigend erklärt der Notfallsanitäter den Kindern, wie sie ihre Hände auf dem Brustkorb der Puppe platzieren müssen. Dabei berichtet der Rettungsdienstler aus seinem Arbeitsalltag. Tipps, die nicht nur die Jüngsten beherzigen können, sondern jeder, der lange Zeit keinen Auffrischungskurs besucht hat: „Wenn ihr einen Bewusstlosen auffindet, prüft vorher unbedingt, ob dieser noch atmet, indem ihr horcht und schaut, ob sich der Bauch hebt und senkt. Wenn nicht, ist eine Reanimation notwendig.“ Gesagt, getan: schon üben sich die Vorschüler in der Herz-Lungen-Massage. Diese klappt so gut, dass die jungen Teilnehmer großes Lob ernten. Selbst, als Peterhänsel kurzerhand für das Einstudieren der stabilen Seitenlage einspringen muss, bleiben die Kinder konzentriert – auch, wenn der ein oder andere ganz überrascht ist, dass er einen Erwachsenen eben einmal an Knie und Schulter herumziehen kann. „Das liegt an der Hebelwirkung, wenn ihr das Knie des Patienten greift“, erklärt Hene. Und da in der „Pusteblume“ mit Spiel und Spaß gelernt wird, dürfen die Kinder alle die Seitenlage üben.

Nachdem jeder einmal Patient bzw. Ersthelfer sein konnte, demonstriert der Sanitäter noch, wie man Verbände und Pflaster so aufklebt, dass man die Wunde des Verletzten nicht selbst berührt. „Das ist wichtig, um euch und den anderen zu schützen.“ Nun sind wieder die Kinder dran – hier und da rollt mal eine Mullbinde davon oder man ist sich nicht ganz einig, wo die imaginäre Wunde beginnt. „Im Notfall immer über der Verletzung mit dem Verband beginnen und nicht zu fest wickeln“, korrigiert der Kursleiter. Und nach ein bisschen Herumprobieren haben die Schulanfänger auch diesen Teil gemeistert. Doch egal, ob Groß oder Klein: Wie man verlässlich reagiert, wenn es einem Mitmenschen nicht gut geht, ist stets wichtig im Kopf zu behalten. Wer sich weitergehend informieren will, kann sich laut Lars Hene beispielsweise beim Deutschen Roten Kreuz über das Kursangebot informieren: