Sonderausstellung auf Point Alpha „Als Grenzen keine Rolle spielten“ – die Kelten in der Rhön

Für die Besucher gibt es in den Vitrinen einige seltene Fundstücke zu entdecken. Foto: Point-Alpha-Stiftung

Erlebnisse „keltischer Art” vermittelt eine neue Sonderausstellung des Vonderaumuseums Fulda, die bis 31. Oktober im „Haus auf der Grenze“ auf Point Alpha zu sehen ist.

Rasdorf/Geisa - Eine perspektivische Erweiterung der Ausstellungen auf Point Alpha ist bis 31. Oktober im Haus auf der Grenze zu sehen: Die Sonderschau „Als Grenzen keine Rolle spielten. Die Kelten im Biosphärenreservat Rhön“ zeigt keltische Fundstücke von der Milseburg. Die Exponate sind Zeugnisse der Eisenzeit.

Während der Eisenzeit, die 800 Jahre vor Christus beginnt, lag die Rhön am Rand des keltischen Verbreitungsgebietes. Kulturelle Einflüsse lassen sich in dieser Zeit aus verschiedenen Richtungen fassen. Der neue Werkstoff Eisen setzt sich in der frühen Eisenzeit nur langsam durch und wird anfangs hauptsächlich für Waffen und Werkzeuge verwendet. In der späteren Eisenzeit entwickelt sich die sogenannte Oppidakultur, infolgedessen große stadtartige Siedlungen entstehen.

Faszinierende Zeitreise

„Die ,Perle der Rhön’, die Milseburg, war während der Eisenzeit ein bedeutender Zentralort. Mit mächtigen Mauern befestigten die vorgeschichtlichen Siedler insgesamt über 45 Hektar Fläche“, erklärt Stadt- und Kreisarchäologin Milena Wingenfeld vom Fuldaer Vonderau Museum.

Es ist eine faszinierende Zeitreise, auf die sich die Besucher der Sonderausstellung begeben. Die Funde von der Milseburg beweisen, dass in der Rhön verschiedenen Gewerken nachgegangen wurde, so sind unter anderem Zeugnisse von Textilverarbeitung, Keramikproduktion, Holzhandwerk, Metallverarbeitung und Landwirtschaft erhalten. Aber auch Schmuck in Form von bronzenen Gewandschließen, sogenannte Fibeln, und gläsernen Perlen ist bekannt.

„Die Tapferen“

In der Ausstellung ist eine Auswahl von Fundstücken zu sehen, die einen Blick in den Alltag der eisenzeitlichen Siedler erlauben. Und was heißt das Wort Kelten? Autoren der Antike verwenden den Begriff „keltoi“. Das Wort gehört der indogermanischen Sprachfamilie an und bedeutet wohl so viel wie „die Tapferen“.

„Mit der Kelten-Ausstellung werden Geschichte und Gegenwart einmal in völlig anderen zeitlichen Dimensionen für die Gäste der Gedenkstätte erlebbar“, sagt der Wissenschaftliche Leiter Dr. Roman Smolorz und hofft auf regen Zuspruch. Das Point Alpha-Team freut sich dabei auf Begegnungen und Dialoge über die Begriffe „Grenze“ und „Marken“.

Signal des Aufbruchs

Für Sebastian Leitsch, Geschäftsführer der Point Alpha Stiftung, ist die Ausstellung aus dem Vonderau Museum eine willkommene Abwechslung und ein weiteres Signal des Aufbruchs nach langem Corona-Stillstand. „Wir wollen mit dieser Ausstellung Einheimischen wie Touristen wieder einen neuen Anreiz zum Besuch unseres authentischen Geschichtsortes geben und dazu ermuntern, die geschichtlichen Aspekte unserer Region aus einem weiteren Blickwinkel, über die jüngere Geschichte hinaus, kennenzulernen.“

Dr. Frank Verse, Leiter des Vonderau Museums, ergänzt: „Wir erhoffen uns, durch die Zusammenarbeit mit der Point Alpha Stiftung neue Impulse zu setzen und durch den Austausch auch für die inhaltliche Arbeit neue Anknüpfungspunkte zu erhalten.“

Torsten Raab, Leiter der Hessischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservates Rhön, sieht in der Schau eine ideale Ouvertüre für das erste große Archäologie-Jahr in Hessen in 2022. An dem Projekt „Kelten Land Hessen – Archäologische Spuren im Herzen Europas“ beteiligen sich auch das Biosphärenreservat Rhön und das Vonderau Museum, um das reiche kulturelle Erbe der Kelten in Hessen sichtbar zu machen.

Kooperation

Die Kelten-Schau ist Teil der Kooperation zwischen der Gedenkstätte Point Alpha und dem Vonderau Museum Fulda. Besichtigt werden kann die Sonderausstellung „Als Grenzen keine Rolle spielten: Die Kelten im Biosphärenreservat Rhön“ im Haus auf der Grenze bis zum 31. Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr.

Im Zuge der Zusammenarbeit beider Institutionen ist parallel im Kaisersaal des Stadtschlosses Fulda bis zum 7. Oktober (dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr) die Ausstellung „Point Alpha. Der heißeste Punkt des Kalten Krieges“ für die Öffentlichkeit zugänglich.

 

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