Sommerkultur Grasgrün Sommergewitter schickt Sommerkonzert ins Volkshaus

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Trompeter Joo Kraus ist der Gastmusiker des Freiburger Chors in Meiningen. Foto:  

Damit das für Freitag angekündigte Sommergewitter den Jazzfans nicht das Musikvergnügen bei „Grasgrün“ „verhagelt“, ziehen der Jazzchor Freiburg und Trompeter Joo Kraus für das Sommerkonzert „Infusion“ vorsorglich ins Meininger Volkshaus um.

Auch wenn die Wiesen im Moment eher gelb als grün sind – die Meininger Sommerkultur bleibt auch in diesem Jahr „Grasgrün“. Die Veranstaltungsreihe hat am vorigen Wochenende begonnen und findet mit zwei hochkarätigen Konzerten am Freitag und am Samstag, jeweils 20 Uhr, seine Fortsetzung. Nun soll sich aber ausgerechnet zur besten Veranstaltungszeit des heutigen Sommerkonzerts ein Sommergewitter über Meiningen zusammenbrauen. Deshalb ziehen der Jazzchor Freiburg und Trompeter Joo Kraus kurzerhand ins Volkshaus um. Die Jazzfreunde mit und ohne Eintrittskarte (es gibt nämlich noch genügend an der Abendkasse) werden gebeten, sich auf diese Veränderung einzustellen. Wer den Besuch der „Grasgrün“-Veranstaltung am Samstag, 6. August, plant, darf jedoch gern, wie angekündigt, in den Schlosshof kommen. Der Auftritt des österreichischen Duos Marie Spaemann (Cello/Gesang) und Christian Bakanic (Akkordeon) soll vor der Kulisse der Elisabethenburg stattfinden. Auch hierfür können Interessenten übrigens noch Karten an der Abendkasse erstehen.

Mitreißendes Chorkonzert

Was erwartet die Konzertbesucher Freitagabend? Das gemeinsame Sommerkonzert der Stadt Meiningen und der Meininger Museen hat seit Jahren einen festen Platz im Sommerfestival „Grasgrün“. Auch wenn es diesmal nun nicht vor der barocken Elisabethenburg über die Bühne geht, sondern im Volkshaus. Der Jazzchor Freiburg steht für hohe Chorkultur, innovative Projekte und mitreißende Konzerte. 1990 von Bertrand Gröger gegründet und seither geleitet, ist er der Jazzchor Deutschlands. Er bringt Menschen mit unterschiedlichen musikalischen Interessen und Hörgewohnheiten zusammen – Jazzliebhaber, Chorfans, Klassikpublikum – und das weltweit. Ausgedehnte Tourneen führten den Chor in viele Länder Europas und Asiens. Die Konzerte sind immer ein Erlebnis der besonderen Art, seien sie vom Chor allein oder mit Gästen wie Bobby McFerrin, Swingle Singers, Torun Eriksen, mit Band oder sogar Orchester. In Meiningen ist es Joo Kraus.

Ihm ist die Trompete zwar nicht direkt in die Wiege, aber doch neben das Schulheft gelegt worden. Bereits sein Vater spielte Trompete und brachte ihm die ersten Griffe bei. Mit 19 Jahren durch den ersten Preis beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ in die Szene katapultiert, sammelte er fünf Jahre Bühnenerfahrung mit der Elektro-Rock-Band „Kraan“. Mit Hellmut Hattler gründete Joo Kraus Anfang der 90er Jahre das Hip-Jazz-Duo „Tab Two“. Die Rhythmusgruppe und die Effekte kamen bereits aus dem Computer – zu Beginn der 90er Jahre eine ziemlich bahnbrechende Neuerung. „Tab Two“ spielten in ganz Europa, in Asien und den USA, produzierten acht Alben und waren einer der größten Influencer in diesem Genre weltweit. In den 2000er Jahren schrieb Joo Kraus vermehrt eigene Songs. Er produzierte im ältesten Tonstudio Havannas sein Album Sueño und arrangierte Songs von Michael Jackson zu einer anspruchsvollen Verbeugung vor dem King of Pop. Joo Kraus erhielt zwei Grammy Nominierungen, den Echo Jazz als bester deutscher Trompeter und sechs German Jazz Awards in Gold. Ganz gleich, ob er mit dem kubanischen Pianisten Omar Sosa, mit Paula Morelenbaum oder seinem eigenen Quartett auftritt, stets ist da dieser unverwechselbare Ton: Bescheiden und kraftvoll, mitreißende Spielfreude gepaart mit sensibler Achtsamkeit für die Mitmusiker. Der Ulmer hat seine Wahrnehmung für Musikstile aus aller Welt geöffnet, aber seine mal schwermütigen, mal heiteren Melodien bleiben hundert Prozent Joo Kraus.

Reise durch Musiklandschaften

Deutlich weniger, nämlich nur zwei Musiker, stehen am Samstag im Schlosshof auf der „Grasgrün“-Bühne im Schlosshof. Und doch wird es nicht weniger vielfältig. Die beiden klingen nämlich nur selten wie ein Duo, sondern meist mehr- oder vielstimmig. Seit mehreren Jahren musizieren Marie Spaemann und Christian Bakanic gemeinsam und Ende 2020 entstand ihr Debütalbum „Metamorphosis“. Erstklassiges Akkordeon trifft in ihrem Fall auf modernes Cellospiel sowie Gesang von Soul über Klassik bis hin zu Liebeslyrik. Zwischen Bach, Soul, Jazz und Pop bis hin zu Piazzolla und eigenen Kompositionen bewegt sich das Duoprojekt der in Wien geborenen Cellistin und Singer-Songwriterin Marie Spaemann und des österreichischen Akkordeonisten und Komponisten Christian Bakanic. Durch breite, einflussreiche Musiklandschaften hindurch lassen sie während ihren musikalischen Achterbahnfahrten sämtliche Stereotypen ihrer Instrumente hinter sich.

 

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