Skispringen: Deutsche Meisterschaft Wenn Handschuhe fliegen lernen

Noch ein Schanzenrekord: Karl Geiger landet seinen zweiten Sprung in Oberhof bei 107,5 Metern. Foto: /Gerhard König

Karl Geiger entthront in Oberhof Sonnyboy Markus Eisenbichler. Der ist anfangs unendlich gefrustet, knallt Skier und Handschuhe weg. „Ich hab’ noch was zu tun für den Winter“, sagt der Bayer.

Oberhof - Was kann einem Spitzensportler, der an Weltcupsiege und WM-Medaillen gewöhnt ist, eine Deutsche Meisterschaft noch bedeuten? Nun, wie am Wochenende in Oberhof gleich abseits des Schanzenauslaufs zu beobachten war, sehr viel. Markus Eisenbichler – mehrfacher Weltmeister und gemeinhin für stete Lockerheit und Lustigkeit bekannt – landet seinen zweiten Sprung im Einzelwettbewerb bei 99 Metern. Weit weg von der deutschen Spitze, die an diesem Samstagabend Karl Geiger heißt.

Eisenbichler verlässt den Auslauf, packt seine Skier und donnert sie in die Wandhalterung am Liftgebäude. Dann nimmt er auf der Bank Platz, reißt sich die Handschuhe von den Händen und pfeffert auch die von sich weg. Der „Eisei“, wie ihn seine vor allem weiblichen Fans rufen, ist geladen. Oberhof, die Deutsche Meisterschaft, läuft überhaupt nicht so, wie sich der Titelverteidiger aus Oberbayern es vorgestellt hat.

Während Mannschaftskollege Karl Geiger bereits im ersten Durchgang mit seinen 105 Metern nur ein halber Meter zum Einstellen des Sommer-Schanzenrekords auf der Rennsteigschanze fehlt, fliegt Eisenbichler nur 97 Meter weit. „Ich kriege es noch nicht ganz auf die Reihe, dass ich Druck auf die Kante hinbringe, damit es mich obendrüber dreht.“ Als Eisenbichler kurz vor der Siegerehrung nach einem Fazit für das erstmal verkorkste Wochenende sucht, ist er schon wieder auf Normaltemperatur. Mit dem kühlen Kopf eines Wintersportlers sagt er dann: „Ich bin nicht zufrieden mit den Sprüngen. Das war noch nicht optimal, aber so ist es halt. Ich muss weiter arbeiten, ich hab’ noch was zu tun für den Winter.“

Doppel-Weltmeister Karl Geiger hat weniger Hausaufgaben auf. Der 28 Jahre alte Oberstdorfer knackt den Schanzenrekord von Claudio Haas schließlich im zweiten Versuch. Geiger springt 107,5 Meter weit. Damit setzt er sich deutlich vor dem nach seinem Kreuzbandriss wiederhergestellten Stephan Leyhe (Willingen) durch. Dritter wird Constantin Schmid (Oberaudorf), Olympiasieger Andreas Wellinger (Ruhpolding) Siebter. Für Karl Geiger war es der nach 2019 zweite Einzeltitel.

Team-Wettbewerb am Sonntag: Thüringen verteidigt Titel

Das Thüringer Skispringerinnen-Duo Juliane Seyfarth und Luisa Görlich hat sich am Sonntag wie im Vorjahr den deutschen Meistertitel im Team-Springen gesichert. Die beiden zum Elitekaderkreis des Deutschen Skiverbands gehörenden Springerinnen setzten sich auf der Normalschanze im Kanzlersgrund mit 590,8 Punkten souverän vor Bayern I (540,6) durch. Thüringen II mit Pauline Heßler (Lauscha) und Anna-Fay Scharfenberg (Zella-Mehlis) landeten auf dem vierten Rang.

„Die Frauen haben unsere Erwartungen erfüllt“, stellte der leitende Oberhofer Stützpunkttrainer Ralph Gebstedt zufrieden fest. „Bei den Männern liegt noch viel Arbeit vor uns.“

Im Team-Wettkampf der Männer verfehlte das Quartett Justin Lisso (Schmiedefeld), Justus Grundmann (Steinbach-Hallenberg), Luca Geyer (Lauscha) und Felix Hoffmann (Goldlauter-Heidersbach) als Vierte hinter Bayern I, Bayern II und Baden Württemberg die erhoffte Medaille. Den einzigen Titel für die Thüringer Springer sicherte sich Luca Geyer (19) als deutscher Junioren-Meister.

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