Skilanglauf Kollaps im Ziel

Gestützt von den Teamkolleginnen: Victoria Carl. Foto: Imago/Lehtikuva

Für Langlauf-Olympiasiegerin Victoria Carl beginnt die Saison mit einem Schreckmoment. Vom Zusammenbruch hat sie sich wieder erholt. Nun geht es in Lillehammer weiter – auf den Biathlon-Strecken.

Die gute Nachricht vorweg: Victoria Carl geht es wieder gut. Die Sensations-Olympiasiegerin aus Zella-Mehlis, die in ihrer Karriere schon für so manchen Schreckmoment sorgte, kollabierte am vergangenen Sonntag im Zieleinlauf in Kuusamo nach dem Rennen über 20 Kilometer. „Auf dem letzten Hügel ist mir die Puste ausgegangen. Ich hatte keine Kraft mehr“, erklärt Carl in einem Interview mit der norwegischen Zeitung „Dagbladet“: „Ich kann mich nicht erinnern, die Ziellinie überquert zu haben, Ich hatte kein Gefühl mehr in meinen Beinen. Ich habe nicht genug Sauerstoff bekommen.“

Folgen hatte der Kreislaufkollaps keine, wie Bundestrainer Peter Schlickenrieder nun bestätigt: „Mit Victoria ist alles in Ordnung. Es war ein harter Wettkampf in Verbindung mit der Vorbelastung, und sie war im Ziel sehr müde. Aber nach fünf Minuten war sie wieder fit“, so der Coach. Wenn Carl in guter Form sei, „schafft sie es, sich richtig anzustrengen und manchmal sogar über die Grenzen zu gehen, wie in diesem Fall“, betont Schlickenrieder. Oder wie in Peking beim Olympiasieg, als im eisigen China auf der Zielgerade die Pfanne heiß wurde.

Neue Streckenlängen

16, 13, 14: Die nackten Ergebnisse klingen für die Olympiasiegerin nicht gerade berauschend, sind aber für Victoria Carl gut: Konstant reihte sich die 27-Jährige zum Saisonauftakt am vergangenen Wochenende beim Weltcup-Auftakt um die Top-15-Ränge ein. Folglich zog die Athletin vom SC Motor Zella-Mehlis ein zufriedenes Fazit: „Kuusamo hat mir gezeigt, dass ich mich im klassischen Stil verbessern konnte. Ich war schon nach dem Sprint richtig happy. Ich konnte mich das erste Mal überhaupt für ein Sprintfinale in Kuusamo qualifizieren. Dass ich nur ganz knapp das Halbfinale verpasst habe, ist für mich unglaublich. Das gibt mir viel Motivation, jetzt auch den nächsten Schritt im klassischen Stil gehen zu können.“ Zur Einordnung: Victoria Carl stand als Solistin in einem Weltcup-Rennen noch nie auf dem Podest.

Wurden Sprint und das 10-Kilometer-Rennen in der von Victoria Carl etwas weniger geliebten klassischen Technik gelaufen, so erlebten die Langläuferinnen zum Kuusamo-Finale am Sonntag eine Premiere. Erstmals ging es über 20 Kilometer Freistil, eine für die Damen neue, ungewohnte Streckenlänge. Ursache hierfür: Im Langlauf-Weltcup absolvieren Männer und Frauen seit dieser Saison dieselben Distanzen. Die Entscheidung des Langlaufkomitees des Internationalen Skiverbandes (FIS) ist allerdings umstritten. 57 Prozent der Mitglieder stimmten im Mai in den Bemühungen um die Gleichstellung für die Änderung, viele Athleten kritisieren sie.

Folglich gibt es neben den Sprint-Wettbewerben für beide Geschlechter Rennen über 10 Kilometer, 20 km, den Skiathlon (zweimal 10 km) und 50 km. Die Männer waren bisher über 15 km, 30 km, zweimal 15 km und 50 km gelaufen, die Frauen über 10 km, 15 km, zweimal 7,5 km und 30 km. Victoria Carl zeigte sich indes mit ihrem Auftritt über 20 Kilometer in winterlichen Finnland zufrieden: „Das Rennen war okay und das Ergebnis auch. Die 20-Kilometer-Strecke ist etwas völlig anderes. Bei jedem 20-Kilometer-Rennen, das ich heuer laufe, werde ich etwas Neues dazulernen. Ich freue mich drauf!“

Bergab vor dem Ziel

Vom kalten, frostigen Kuusamo ist der Langlauftross mittlerweile nach Lillehammer in Norwegen umgezogen. Wegen Schneemangels werden dort die Wettkämpfe an diesem Wochenende auf den leichteren Biathlonstrecken ausgetragen. „Das kommt vor allem unseren Gleitern entgegen. Für Victoria sollte es eine gute Strecke sein“, prognostiziert Bundestrainer Peter Schlickenrieder.

Auch die Olympiasiegerin blickt den drei Rennen in der Olympiastadt von 1994 optimistisch entgegen: „Auf der Biathlon-Runde wird das Feld eng zusammenrutschen. Gespannt bin ich vor allem auf den Klassik-Massenstart, da die Strecke am Ende bergab geht und man dann auch gut Lücken zufahren kann. Ich werde mich in Lillehammer von Tag zu Tag auf jedes einzelne Rennen fokussieren.“ Wie schon in Kuusamo warten auf die Langläufer – zweite Thüringer Starterin neben Victoria Carl ist wieder Lisa Lohmann (Oberhof) – gleich drei Rennen auf Frauen und Männer: 10 km Freistil (Freitag), Sprint Freistil (Samstag) und 20 km Massenstart klassisch (Sonntag).

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