Simson-Erben fordern AfD muss Simson-Werbematerial vernichten

, aktualisiert am 02.07.2026 - 19:01 Uhr

Die AfD soll alle Plakate, T-Shirts und Werbemittel mit Simson-Bezug vernichten. Das wollen die Simson-Erben über die Namensrechte erwirken. Was die AfD dazu sagt.

Simson-Fans fahren gemeinsam mit AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund von Tangermünde rund 40 Kilometer durch Sachsen-Anhalt, wo eine Alleinregierung durch die AfD ab Herbst nicht ausgeschlossen wird. Foto: picture alliance/dpa/Peter Gercke

Der Sprecher der Simson-Familie in New York hat seinen Ton gegen die AfD verschärft. „Unser Ziel ist es, dass die AfD alle Plakate, T-Shirts und Werbemittel, mit denen sie unseren Namen missbraucht, vernichten muss“, sagte Dennis E. Baum in einem Gespräch mit dem Berliner „Tagesspiegel“ (Online-Version vom 2. Juli).

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Man habe darüber auch mit der Nachfolgeorganisation der Treuhandanstalt, Gesellschaft zur Entwicklung und Sanierung von Altstandorten mbH (Gesa), gesprochen. Die Gesa hält die Namensrechte an Simson, die auch das ostdeutsche Kult-Moped aus Suhl betreffen. Die Gesa müsse gegen den Missbrauch des Namens durch die AfD vorgehen, so Baum.

AfD holt mit Simson-Kult Jugendliche und Ostdeutsche ab

Hintergrund ist eine seit längerem andauernde Diskussion um die AfD, die Simson-Ausfahrten als verbindendes Element nutzt und damit auch gezielt Jugendliche anspricht. Die Partei ist mit den zahlreichen Ausfahrten sehr erfolgreich. Die jüngsten Umfragen zur Landtagswahl im September in Sachsen-Anhalt sehen die AfD bei 41 bis 42 Prozent.

Die Gesa hatte gegenüber unserer Redaktion bereits Mitte Juni bekräftigt, dass man im persönlichen Kontakt mit Baum stehe und sich der besonderen historischen Verantwortung bewusst sei, die mit der Marke Simson verbunden sei. Die Gewerbepark Simson GmbH, eine hundertprozentige Tochter der Gesa, sei Inhaberin der Markenrechte, bestätigte Ivona Buha von der Gesa.

„Auf Grundlage einer von der damaligen Treuhandanstalt mit den Simson-Erben getroffenen Reprivatisierungs- sowie Entschädigungsvereinbarung wurden die Marken- und Namensrechte für die Fahrzeuge auf die heutige Gewerbepark Simson GmbH mit Sitz in Suhl übertragen“, so die Gesa-Sprecherin. In den 1990er Jahren hatte die Familie Simson aus einem Vergleich 18,5 Millionen D-Mark erhalten.

Thüringens AfD-Chef Björn Höcke auf der Simson S51. Foto: picture alliance/dpa/Bodo Schackow

Im Interview des „Tagesspiegels“ wird ebenfalls berichtet, dass der 82-jährige Baum am Samstag an den Protesten gegen den AfD-Bundesparteitag in Erfurt teilnehmen wird. „Ich werde am Wochenende in Erfurt am Rande des AfD-Parteitags auf einem Demokratiefestival sprechen und auch zu den alten Produktionsstätten nach Suhl fahren“, sagte Baum.

„Wenn ein New Yorker Investmentbanker ankündigt, gemeinsam mit den Regierungsparteien und deren verbündeten Organisationen gegen die AfD aufzutreten,  werden wir das selbstverständlich akzeptieren. Er wird im Gegenzug damit klarkommen müssen, dass unsere Mopedausfahrten weiterhin große Erfolge sind“, erklärte der Thüringer AfD-Landessprecher Stefan Möller auf Anfrage unserer Redaktion.

Bodo Ramelow holt Simson-Erben aus New York zum Anti-AfD-Protest

Der Bundestagsvizepräsident und ehemalige Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hatte bereits im März gegenüber unserer Redaktion angekündigt, dass Baum ihm gegenüber sein Kommen „grundsätzlich zugesagt“ habe.

Bis zu 600 Delegierte der AfD wollen sich am Samstag und Sonntag in der Messe Erfurt zu einem Bundesparteitag versammeln. Bei dem Treffen soll die Führungsspitze der Partei neu gewählt werden. Die Chefs Alice Weidel und Tino Chrupalla dürften im Amt bestätigt werden. Spannend wird die zweite Reihe. Hier spielt Thüringens AfD-Chef Björn Höcke als Gastgeber in Erfurt eine wichtige Rolle.

Sicherheitsbehörden rechnen mit bis zu 50.000 Demonstranten, darunter auch gewaltbereiten Teilnehmern. Das Bündnis „Widersetzen" will verhindern, dass der Bundesparteitag stattfindet. Die AfD betont, dass Parteien zur Abhaltung eines Parteitages verpflichtet sind. Die Polizei will mit mehreren Tausend Einsatzkräften das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit durchsetzen - sowohl für die Teilnehmer des AfD-Bundesparteitags als auch der Protestaktionen.