Silvesterschmaus Über 200 Karpfen aus heimischen Gewässern

Annett Recknagel

Frank Kehr ist mit Leib und Seele Fischzüchter – an Weihnachten und Silvester haben die Karpfen Hochkonjunktur. Im Schmalkalder Anglerheim hat er für ausreichend Fisch gesorgt.

Schmalkalden - Handy oder Telefon – beide klingeln im Wechsel. Alle zehn Minuten. „Kehr – guten Tag. Nein, Sie brauchen nicht zu bestellen. Ich habe genug da. Kommen Sie einfach vorbei.“ Wie oft Frank Kehr diese Sätze im Verlauf dieser Woche gesprochen hat, weiß er nicht mehr. Er hat sie nicht gezählt – die Anrufe der Feinschmecker, die an Silvester Karpfen auf ihrer Speisekarte stehen haben.

„Um diese Zeit ist das immer so“, sagt der 63-Jährige. Und wieder klingelt das Telefon. „Nein, Räucherfisch gibt es an Silvester nicht. Ich habe zu Weihnachten sechs Mal geräuchert.“ Wobei an den Feiertagen ganz klar die Karpfen Hochkonjunktur haben. Innerhalb von anderthalb Stunden konnte er damit am Dienstag 17 Familien glücklich machen. Schon vor Weihnachten florierte das Geschäft mit dem Fisch. Außer Karpfen waren aber auch Forellen gefragt.

Die beiden Geschwister Mayra und Marlon aus Erfurt besuchten mit ihren Eltern den Opa in Wernshausen. Eine Stippvisite beim Fisch-Frank gehörte dazu.

„Wir kommen immer wieder gerne hierher“, war von der Familie zu erfahren. Die beiden Kinder durften beim Ausnehmen der Fische zuschauen. Die Forellen werden am Silvestertag verspeist. Die Familie freut sich schon auf den Schmaus.

Auch Bernd Schneider aus Viernau ist ein guter Freund und ein Stammkunde von Frank Kehr. Bei ihm gibt es am letzten Tag des Jahres Stör. Frank Kehr hat den Fisch längst ausgesucht und ausgenommen. „Das hier gibt den Kaviar“, zeigt er auf die Fischeier vom Stör, allerdings müsse der Fisch dann schon um die acht Jahre alt sein.

Dann kommt Bernd Schneider, begutachtet den Stör und ist sofort zufrieden. Beinahe passte der Fisch nicht in die dafür vorgesehene Tüte. Schneider muss lachen. „Das ist eine Spezialität“, sagt er und fügt hinzu: „Karpfen gab es bei uns am Heiligen Abend.“ Natürlich auch von Frank Kehr. Zwei Kilogramm war der Braten schwer. Schneider wird bei nächster Gelegenheit wiederkommen.

Auch Uwe Skandera, Werkleiter der Gewas, kauft bei Frank Kehr seinen Fisch. Der Hohleborner kennt seine Kunden. „Es gibt Leute, die jede Woche kommen“, sagt er und schmunzelt. Bei dem Sortiment kein Wunder. Von Aal und Bachsaibling über Wels, Seelachs und Hecht bis hin zu Zander und natürlich Karpfen – ist alles im Angebot. Lebend, küchenfertig oder geräuchert – das jedenfalls verspricht der Flyer.

Nur mit Quellwasser

Außerdem gibt es Brathering, Matjesfilet, Rollmops und Lachsforelle. Mit dem Karpfen geht es schon im September los. Bis Ende März hat ihn Frank Kehr immer frisch verfügbar. Am Dienstag war der Bottich mit ungefähr 100 Karpfen gefüllt. „Das reicht noch nicht“, schätzt er. Doch kein Problem. Er wird dafür sorgen, dass Silvester bei seinen Kunden Karpfen blau oder in der Ofenröhre gebacken auf die Tische kommen kann.

200 Stück gehen vor Silvester mindestens weg. Rechnet man Weihnachten dazu, sind es noch gut 200 mehr. Dazu kommen ebenso viele Forellen. „Vor Weihnachten reichte die Schlange bis an die Straße“, berichtet er. Seine Karpfen bezieht Frank Kehr aus Untermaßfeld. Die Forellen kommen aus Reurieth. Wie er sie braucht, werden sie geliefert. Ganz wichtig ist die Quellwasseraufzucht. „Unsere Fische werden von der Siechenrasenquelle mit quellfrischem Wasser versorgt“, berichtet er. Im Angelheimkeller des Angelsportvereins Schmalkalden, rauscht es, als stünde man an einem Wasserfall. Frank Kehr hört das schon nicht mehr. In den einzelnen Becken hält er die Fische. Karpfen hat er in allen Größen.

Ein bis anderthalb Kilogramm reichen für zwei Personen. Bei sechs bis acht Leuten muss der Karpfen dann etwas größer sein und um die vier Kilogramm auf die Waage bringen. Natürlich wird die Fischaufzucht regelmäßig vom Fischgesundheitsdienst überwacht. Und Mitglied in den beiden Angelsportvereinen Schmalkalden und Breitungen ist Frank Kehr selbstverständlich. Wieder klingelt das Telefon. „An Silvester habe ich von acht bis elf geöffnet, kommen Sie am besten gleich früh. Es gibt genügend Karpfen.“ Natürlich bedeutet das am letzten Tag des Jahres für ihn Arbeit.

Doch die macht er gerne. Seit Februar 1998 ist er selbstständig mit seiner Fischzucht. Bei den Menschen in der Region ist er bekannt. Forellen und Karpfen gehen an Weihnachten und Silvester sehr gut. Und warum? „Das ist Brauch“, sagt der Experte. Außerdem könne der Mensch nicht immer nur Fleisch essen, es müsse auch mal Fisch auf den Tisch kommen. Ganz wichtig sei es, dass seine Ware in heimischen Gewässern zu Hause ist und mit dem Fischverkauf regionale Händler gestärkt werden.

Und wie war das noch mal mit der Fischschuppe am Silvestertag? Vom Silvesterkarpfen werden in vielen Familien Karpfenschuppen aufgehoben und getrocknet. Die trockenen Karpfenschuppen legt man sich dann in den Geldbeutel oder verschenkt sie an Freunde oder Bekannte. Die münzähnliche Form der Schuppe ist ein Symbol für Geld im neuen Jahr.

 

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