Sicherheit im Schulbus Vorschüler lernen Busfahrt-Knigge

Sarah Jakob
Die Vorschüler vom Kinderpark „Rasselbande“ werden von Polizist Steffen Haupt begrüßt. Foto: Carl-Heinz Zitzmann

Für die Großen stehen erst einmal die Sommerferien vor der Tür. Für die ältesten Kindergartenkinder beginnt mit ihnen der Countdown für den eigenen Schulstart. Doch wie kommt man eigentlich sicher dorthin und wieder zurück? Polizist Steffen Haupt erklärt es.

Der Bus fährt am Verkehrsübungsplatz auf dem SBBS-Gelände in Sonneberg vor, sein Motor brummt noch. Dann öffnen sich die Türen und das Geräusch verstummt. Noch etwas schüchtern, aber neugierig tritt ein gutes Dutzend Vorschüler der Kindertagesstätte „Rasselbande“ in Sonneberg vor den Polizist Steffen Haupt. Der erwartet die Kinder und ihre beiden Erzieherinnen Heike Müller und Madlen Habermann-Popp. Denn der Ausflug in einem Fahrzeug der Omnibus Verkehrsgesellschaft Sonneberg hat einen wichtigen Grund. Dieser lautet „Sicheres Fahren mit dem Schulbus“. Die ältesten Kindergartenkinder sollen rechtzeitig vor Beginn des neuen Schuljahres im Herbst lernen, auf was man bei der Fahrt zur Schule achten muss. Schließlich kann ohne dieses Wissen auf dem täglichen Weg dorthin einiges schief gehen.

Viel zu oft wird in den Bussen geschubst, getreten oder sich nicht festgehalten, wenn gerade einmal kein Sitzplatz frei ist. Es gebe laut Haupt aus polizeilicher Sicht durchaus Auffälligkeiten auf verschiedenen Busstrecken, die sich mit dem Schülertransport in Verbindung bringen lassen. Dies beginne bei kleineren Rangeleien und endet bei Vandalismus am Fahrzeuginneren. Angeschmierte Scheiben, aufgeschlitzte Polster, zurückgelassener Müll in den Gängen – das kommt freilich nicht in der Masse vor. Jedoch ist es dennoch essenziell, den Kindern spielerisch und altersgerecht früh zu vermitteln, wie man sich am besten im öffentlichen Nahverkehr verhält. „Danach ist es an den Eltern, Erziehern und Lehrern, dass Erlernte zu festigen. Wir geben die Impulse und den Kindern die Grundlagen an die Hand“, führt der Polizeibeamte aus. Er ist in der Polizeiinspektion Sonneberg im Allgemeinen für das Thema Prävention zuständig und betreut ein neues Pilotprojekt der PI in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung und der Omnibus Verkehrsgesellschaft zum sicheren Fahren im Bus.

Der Theorie folgt die Praxis

Dieses Projekt macht möglich, dass theoretisch alle Vorschulkinder, aktuell sind es 202 Mädchen und Jungs, aus den insgesamt 15 Kindergärten im Stadtgebiet in den nächsten Tagen und Wochen alles über die Busfahrt-Knigge lernen können. „Wir haben schon die nächsten Termine mit anderen Kitas geplant“, bestätigt Haupt. Sie alle können dann, wie die „Rasselbande“, zunächst im Schulungsraum vor Ort einen Film schauen, in dem es um Nina geht, die das erste Mal allein eine Straße überqueren muss. Dadurch lernen die Kleinen, das „Links, rechts, links“-Schauen und, dass man die Straße immer gerade und auf schnellstem Wege passieren sollte. Anschließend geht es dann weiter mit einem Clip über „Poldi“, den Kinderpolizisten, ein grüner Drache, der den Schulkindern die Regeln im Bus erklärt: Nicht drängeln, zuerst die Menschen aus dem Fahrzeug aussteigen lassen und ihnen dabei nicht im Weg stehen. Das und vieles mehr wird durch den kurzen Film vermittelt. Zwischendurch wiederholt Steffen Haupt immer wieder die bereits angesprochenen Aspekte, sodass die Vorschulkinder die wichtigen Verhaltensregeln direkt wiederholen und verinnerlichen.

Laut Stadtsprecherin Cindy Heinkel ist das Pilotprojekt thüringenweit einzigartig. Die Stadt Sonneberg unterstützt es mit der Finanzierung der Fahrtkosten, die aufgrund des Bustransfers der Kinder zum Verkehrsübungsplatz anfallen. Und dass sich die zukünftigen Abc-Schützen gut auskennen hat noch weitere Vorteile: „Indem die Kinder die Busse korrekt und gern nutzen, lässt sich auch das große Aufkommen von Pkw zu den Ballungszeiträumen vor den Schulen verhindern“, erklärt Bettina Sieber, die in der Stadtverwaltung für Schulen und Kindergärten zuständig ist. Zusammen mit OVG-Geschäftsführer Klaus Dieter Schneider, Kämmerer Steffen Hähnlein und Sonnebergs Bürgermeister Heiko Voigt hat sie die „Rasselbande“ am Verkehrsübungsplatz getroffen. Weniger Elternstaus vor Unterrichtsbeginn und nach dem Schulende und mehr Sicherheit auf dem Weg in den neuen Lebensabschnitt gehen also Hand in Hand.

Für die Steppkes geht es nun hinaus, denn Busfahrer Chris Haupt wartet schon. Er öffnet die Türen und alle dürfen nacheinander, wie gerade noch besprochen, einsteigen. Auch, dass man Taschen immer unter den Sitz schieben oder zwischen den Füßen einklemmen muss, ist schnell verstanden: Denn bei der Vollbremsung – die die Kinder und Erzieher natürlich nur von außen beobachten – werden die Schulranzen durch den Gang geschleudert. Die Kleinen sind sichtlich überrascht, welche Kräfte bei so einem Vorgang wirken und geloben, immer gut auf ihre Sachen aufzupassen.

Was muss ich im Bus beachten?

Es gibt einige wertvolle Tipps zum Verhalten im Straßenverkehr sowie beim Fahren mit dem Schulbus, die Eltern ihren Kindern immer wieder ans Herz legen können:

„Links, rechts, links“:
 Jeder hat die Regel schon einmal gehört, dennoch queren viele Menschen gedankenversunken die Straße. Dabei ist gerade der Blick nach links unabdingbar, denn aus dieser Richtung kommen Fahrzeuge, die einem besonders nah sind.

Toter Winkel:
 Trotz großer Heckscheibe sieht der Busfahrer nicht, was direkt hinter dem Fahrzeug steht. Deshalb: Immer Abstand zur Rückseite halten und mit dem Loslaufen warten, bis der Bus weggefahren ist.

Hinsetzen:
 Im halb leeren Bus neben die Freunde auf der Zweiersitzbank stellen – so quatscht es sich schließlich besser bis zur Haltestelle. Aber das ist vor allem eines: sehr gefährlich. Es gilt also, wenn Plätze im Bus frei sind, sollte man sich immer hinsetzen. Das dürfte auch viel bequemer sein.

 

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