Serie: Neu am Theater Alles begann mit einer Schallplatte

red
Schauspieler Gunnar Blume. Foto: Christina Iberl

Seit dieser Spielzeit ist der Leipziger Gunnar Blume neu im Schauspielensemble des Staatstheaters Meiningen. Als Kreon, Gwendlebaum und Miller ist er gleich in drei Vaterrollen zu erleben.

 
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In einem Alter, in dem andere Jungs Astronaut oder Fußballer werden wollen, stand für den gebürtigen Leipziger Gunnar Blume fest: „Ich werde Schauspieler!“ Bereits mit sechs Jahren hatte er dies an Silvester seiner Großtante gegenüber verkündet, als sie ihm – Gunnars Eltern waren Tanzen und sie passte auf den Jungen auf – die unvermeidliche Frage gestellt hatte: „Was willst du denn eigentlich mal werden?“ Und er setzte seinen Plan in die Tat um, auch wenn bis zur Aufnahme an die Otto-Falckenberg-Schule in München noch anderthalb Jahrzehnte ins Land gehen sollten.

Angefangen hatte alles mit einer Schallplatte. Spejbl und Hurvínek, die beiden Figuren des berühmten Prager Marionettentheaters, hatten es ihm angetan. Ständig lief die Aufnahme auf dem Plattenteller. „Ich war eigentlich zu klein, um das alles zu verstehen, aber es hat mich total fasziniert“, erzählt der Schauspieler. Dass Vater und Sohn von ein und demselben Spieler – in dem Fall Miloš Kirschner – gesprochen wurden, konnte Gunnar kaum glauben. „Wie kann so etwas aus einem einzigen Menschen kommen?“, war die Frage, die ihn damals umtrieb.

Rasch fand er dann seinen Weg zum Selber-Theatermachen. Der führte ihn zunächst ins Pionierhaus. Dort machte er beim Kabarett mit, spielte in Sketchen, bis er zwölf, dreizehn war. Dann kam die Wende und sein Interesse wandte sich mehr dem Musikmachen zu. Bis ihn die Lust auf Schauspiel schließlich wieder packte. Gleich nach dem Abitur fing er an, sich an verschiedenen Schauspielschulen zu bewerben – zunächst ohne Erfolg. Was zu der Erkenntnis führte: „Ich dachte, ich mache das mit links, um dann festzustellen, das geht nicht mit links. Dann habe ich jemanden draufschauen lassen, und da hat’s geklappt!“

Direkt im Anschluss an sein Studium wirkte Gunnar Blume in einer Produktion am Staatstheater Hannover mit. Sein erstes Festengagement brachte ihn ans Theater Heidelberg. Es folgten Stationen in Freiburg, Braunschweig, eine Gastproduktion am Gorki, eine freiberufliche Phase in Berlin, dann Regensburg. Nach sechs Jahren im Ensemble dort verspürte er Lust auf Veränderung. Meiningens Schauspieldirektor Frank Behnke lernte er beim Vorsprechen kennen, das in Regensburg stattfand: „Es war quasi ein Heimspiel für mich!“, so Blume.

Der Rest ist sozusagen Geschichte: Gunnar Blume ist mit Familie nach Meiningen gezogen und damit auch wieder ein Stück näher ans heimatliche Leipzig gerückt. Der Move nach Meiningen ist also auch in gewisser Weise ein „Back to the roots“. Was er an Meiningen schätzt? „Man lernt hier sehr viel nette Leute kennen und hat keine Schwierigkeiten, sie wiederzutreffen“, beschreibt er eine der unbestrittenen Qualitäten der Stadt, die er übrigens „zauberhaft gelegen“ beschreibt. „Ich schätze extrem die kurzen Wege und dass man sie immer durchs Grüne nehmen kann!“

Auf der Bühne des Staatstheaters Meiningen ist Gunnar Blume in dieser Spielzeit in drei ganz unterschiedlichen Vaterfiguren zu sehen: als ehrgeiziger Gwendlebaum in Tennessee Williams’ Frühwerk „Auf der Flucht“, als tragisch verblendeter Kreon in „Antigone“ und bald als Miller in Schillers „Kabale und Liebe“. Dass er all das einmal spielen würde – ob er das auch schon mit sechs Jahren geahnt hat?

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