Serie: Mein Verein Verein, der älter ist, als er werden wollte

Dass der Bürgerverein Suhl-Neundorf 30 Jahre lang Bestand haben würde, darauf hätte 1992 wohl niemand gewettet. Eigentlich war er nur eigens für die Vorbereitung und Durchführung der 675-Jahrfeier gegründet worden.

Lilly Fleischmann, Paul Schlegelmilch und Justin Zobolski sind drei der jungen Leute, die mit dem Bürgerverein aufgewachsen sind. Sie lieben das Leben in ihrem Ort, den Zusammenhalt, die Freundschaften, den Spaß, den sie miteinander haben. „Langweilig war und ist es bei uns nie“, sagt Kevin Zobolski. Heute sind sie 17. Und jetzt freuen sie sich darauf, die nächste Kirmes organisieren zu können. „Es geht ja nicht, dass wir rummeckern, weil nichts los ist. Damit was los ist, müssen wir uns auch selbst mit drum kümmern“, so Lilly Fleischmann (17). „Da haben wir offensichtlich vieles richtig gemacht.“ Manuela Zobolski ist stolz. Auf ihren Sohn. Auf die Jugend. Auf den Verein. Klar, wenn im Verein was los war, waren die Kinder immer mit von der Partie.

Ein Bild – eine Zukunft

Neben den traditionellen Veranstaltungen haben die Engagierten des Bürgervereins unter anderem Skiwanderungen, Rodelpartien, Lampionumzüge, Fackelumzüge, Kino in der Kirche oder auch mal ein Zelt-Wochenende gleich um die Ecke organisiert. Für und mit den Kindern, versteht sich. Heute geht es immer noch gemeinsam beispielsweise auf Wanderungen – und an die Vereinsarbeit.

Nein, als der Verein vor 30 Jahren gegründet wurde, hätte niemand darauf gewettet, dass er so lange Bestand haben würde. Schließlich ging es ja „nur“ darum, die 675-Jahrfeier zu organisieren. „Das war so eine Biertisch-Idee in der Jägerstube. Da hatte Christa Schlegelmilch in die Runde geworfen, ob wir denn nicht was machen wollen zu 675 Jahren Neundorf“, erinnert sich Stefan Schlief, der Vorsitzende des Vereins. Die Jahrfeier war ein voller Erfolg. Der Vereinszweck war erfüllt. Eigentlich wäre es das dann gewesen mit dem Verein. Wäre da nicht das eine Bild im Festumzug, das sich eingebrannt hat. Jenes Bild, mit dem die damalige Jugend die Kirmes dargestellt hat.

„Wir wollten weitermachen mit dem Verein, haben die Brauchtumspflege in die Satzung aufgenommen und 1993 gab es die erste Kirmes“, so Stefan Schlief. Ein Jahr später stand die erste vom Verein organisierte Pfingsthütte im Veranstaltungskalender. Zwischenzeitlich haben etliche Vereinsmitglieder selbst für Nachwuchs gesorgt und Familien gegründet. Fortan ist der Fokus nicht nur auf die Brauchtumsfeste wie beispielsweise Kirmes, Sonnenwendfeuer, Sommer-Open-Air oder dann auf die 700-Jahrfeier gelegt worden, sondern auch auf Angebote für die Kinder und Jugendlichen. Als im Jahr 2008 auch noch das letzte Spielgerät auf dem Spielplatz aus sicherheitstechnischen Gründen demontiert wurde, wollten das die Vereinsmitglieder, an deren Spitze damals Detlef Heydenbluth stand, nicht hinnehmen.

Schönste Aussichten

In Zusammenarbeit mit der Stadt haben sie in einer großen und generationenübergreifenden Aktion dafür gesorgt, dass es in Neundorf wieder einen öffentlichen Spielplatz gibt, der am 1. Juni 2011 an die Kinder übergeben werden konnte. Daneben ist das Vereinshaus gleich neben dem Spielplatz mit der Kraft und der Zeit der Vereinsmitglieder und Freunden hergerichtet worden. Als Nächstes steht der Einbau einer behindertenfreundlichen Toilette auf dem Plan, die außen begehbar ist. Am 10. und 11. September soll Herbstfest gefeiert werden. Und im nächsten Jahr kommt die Kirmes wieder auf den Plan, für die die Jugend gerade stehen will.

Ach ja, zu den 30 Jahren Bürgerverein gehört auch, dass 2017 von „Freies Wort“ und dem SRH Zentralklinikum eine Bank für Südthüringens schönste Aussichten auf dem Spielplatz aufgestellt worden ist. Welche Aussicht kann schließlich schöner sein, als die auf spielende Kinder, die sich in ihrem Ort wohlfühlen. Sie sind die Zukunft. Auch die des Bürgervereins Suhl-Neundorf.

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