Vor einiger Zeit bekam ich als Vorsitzende unseres Seniorenbeirates den Impuls zu einer Aktion zum „Weltaltentag“, der immer am 1. Oktober stattfindet. „Ja zum Alter“ lautete der Slogan. Nette Idee, dachte ich: Es gibt schließlich Kindertag, Muttertag – warum nicht einen Tag für die Alten? Kinder sollten mit Kreide „Ja zum Alter“ auf Straßen schreiben, Banner könnten Aufmerksamkeit erregen und zeigen: Älterwerden gehört zum Leben – und die, die es bereits sind, verdienen Anerkennung. So weit, so gut. Ich leitete die Idee an Engagierte weiter – in der Hoffnung auf Zustimmung und Beteiligung. Was dann kam, war... sagen wir: lebhaft. Ein Shitstorm brach los.„Taktlos!“ hieß es.„Meinen die uns mit ‚Alt’?“ „So ein Blödsinn – Ja zum Alter? Als wären wir der Rest vom Fest!“ „Wir sind aktive, selbstbestimmte Menschen und brauchen keinen Gedenktag!“ Solche Bezeichnungen machen uns klein statt sichtbar!“ Uff. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ist das Wort „Alter“ in unserer Gesellschaft wirklich so negativ behaftet? Offenbar schon. Aber ist es nicht genau das das Problem? Dass das Älterwerden – das doch eigentlich ein Geschenk ist – am liebsten hinter Begriffe wie „Best Ager“ oder „jung geblieben“ versteckt wird? Dass niemand „alt“ sein will, weil „alt“ nach Abstellgleis klingt statt nach Erfahrung, Gelassenheit und gelebtem Leben? Ich finde: Wenn Kinder „Ja zum Alter“ auf die Straße schreiben, ist das eine liebevolle Geste. Auch wenn wir natürlich jeden Tag an unsere älteren Mitmenschen denken sollten – erinnert dieser Tag eben besonders daran. Und das ist gut. Vielleicht müsste man ihn einfach „Tag der Senioren“ nennen. Klingt diplomatischer Aber meine Meinung bleibt: Ja zum Alter. Und ja zu denen, die es leben – mit Würde, Witz und Widerstandskraft.