Schwimmkurse „Das sind wir unseren Kindern einfach schuldig !“

Schwimmen lernen in der Schwimmhalle Hildburghausen. Foto:  

Jedes Kind sollte schwimmen können. Doch im vergangenen Schuljahr gab’s für die Drittklässler kaum Schwimmunterricht. Landkreis, Kreissportbund und Stadt Hildburghausen haben sich nun gemeinsam etwas einfallen lassen.

Hildburghausen - In den kommenden Wochen und Monaten werden vor allem Mädchen und Jungen der vierten Klassen die Chance haben, Schwimmen zu lernen. Landkreis und Stadt Hildburghausen und der Kreissportbund (KSB) haben ein Paket geschnürt, um etwas an die leidgeprüften Kinder zurückzugeben. „Das sind wir unseren Kindern einfach schuldig“, sagt Dirk Lindner, Beigeordneter des Landkreises.

Er blickt zurück: Geschlossene Schwimmhallen, Homeschooling – nicht nur der „normale“ Schul-Unterricht der Schüler in den vergangenen beiden Corona-Jahren hat gelitten. Auch der Sportunterricht. Schwimmen lernen war nicht für alle Drittklässler zweier Jahrgänge möglich. Dann kam der Sommer 2021. Über das so genannte bildungsunterstützende Ferienprogramm, gefördert vom Bildungsministerium des Freistaats, hat der Kreissportbund Hildburghausen mit Hilfe des Erlauer SV Grün-Weiß und der Wasserwacht Meiningen 72 Mädchen und Jungen der Grundschulen Schleusingen, Erlau, Hinternah, Brattendorf, Hellingen und Milz zu echten Seepferdchen gemacht. Und nun wird’s weitergehen. Dirk Lindner hatte die Initiative ergriffen, nach Partnern gesucht, die nach dem Vorbild der sommerlichen Ferienschwimmkurse nun solche in der Herbst- und Winterzeit mitorganisieren und anbieten – in der Schwimmhalle Hildburghausen.

„Wir müssen weiter daran arbeiten, dass Kinder schwimmen lernen“, hieß es auch vom Kreissportbund. Der war sofort dabei – seine Mitarbeiter erklärten sich bereit, die Organisationsarbeit zu übernehmen. Und auch die Kreisstadt war im Boot. „Es ist alles, was möglich war, aus der Schwimmhalle ‚herausgequetscht’ worden“, sagt Lindner salopp. Schließlich sollten möglichst viele Kinder die Möglichkeit bekommen, Schwimmen zu lernen. Der Landkreis hat’s nicht nur angestoßen, sondern beteiligt sich auch an den Kosten. Wie genau – das müsse noch festgeklopft werden, sagt Lindner.

Alles ging sehr schnell: „Ich bin froh, dass wir unterstützen können“, sagt der Hildburghäuser Kulturamtsleiter Danny Brohm. Doch es sei eine Herausforderung gewesen, weil die Schwimmhalle „sehr ausgelastet ist“, sagt er. Lücken allerdings gab’s – und die Suche nach ihnen war erfolgreich.

Mittlerweile stehen die Kurstermine fest. Es gebe die Möglichkeiten, einen Kurs über zehn Wochen zu belegen – mit jeweils einem wöchentlichen Termin. Aber es gibt auch zwei Crashkurs-Angebote in den Herbstferien. Pro Kurs können zwölf Kinder im Grundschulalter teilnehmen. So werden am Ende 72 Mädchen und Jungen die Möglichkeit haben, schwimmen zu lernen. Ob Wassergewöhnung, Seepferdchen oder ein Schwimmabzeichen – jedes Kind wird etwas mitnehmen aus dem Kurs.

Vornehmlich richtet sich das Angebot an Viertklässler, sagt Andrea Wingerter vom Kreissportbund. Denn sie waren es, die unter dem Ausfall des Schwimmunterrichts am meisten gelitten haben. Der Thüringer Lehrplan sieht eigentlich Schwimmunterricht in der 3. Klasse vor, denn viele Kinder können zu diesem Zeitpunkt noch nicht schwimmen, heißt es auch aus dem Bildungsministerium. Doch in den letzten beiden Jahren konnte dieser Unterricht nur teilweise stattfinden – weshalb viele Kinder aus zwei Jahrgängen Nichtschwimmer blieben. Das Ministerium beziffert die vom März 2020 bis zum Februar 2021 ersatzlos ausgefallenen Schwimmstunden mit rund 30 000.

Doch schwimmen zu können, ist enorm wichtig. Denn Kinder wollen ins Wasser. Egal ob ins Meer, in den See oder den heimischen Pool – wer die Abläufe nicht beherrscht, die Routine nicht kennt, der kann überall ertrinken. „Kinder müssen einfach Sicherheit bekommen. Und die wird durchs Schwimmenlernen gegeben“, weiß Andrea Wingerter vom Kreissportbund.

Wie auch bei den Sommerkursen in den Freibädern sind der Erlauer SV Grün Weiß und die Wasserwacht Meiningen auch im Herbst wieder mit im Boot. Sie werden die Kurse betreuen. Auch die Mitarbeiter des Kreissportbunds Hildburghausen werden unterstützen, wo sie nur können. Und so wird es eine runde Sache. Eine, auf die sich alle Akteure freuen.

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