Schwarzebeerfest Großer Kult um kleine Beere

Nach zwei Jahren Zwangspause wird in Vesser wieder das beliebte Schwarzebeerfest gefeiert. An die 500 Besucher lassen sich bei der 20. Auflage am Offenstall den berühmten Schwarzbeerkuchen schmecken.

Die Aufregung steht Ortsteilbürgermeister Sylvia Hamatschek ins Gesicht geschrieben: Nach zwei Jahren Fest-Entzug füllen sich schon kurz nach Mittag die Biertischgarnituren vor dem Offenstall an diesem sommerlichen letzten Julisonntag in Windeseile mit Besuchern. Endlich wieder Schwarzebeerfest in Vesser! Das lässt die vielen eingefleischten Stammgäste und Kuchenliebhaber nicht zu Hause bleiben – erst recht nicht bei diesem Wetter und nach zwei Jahren Abstinenz. Für die Organisatoren vom Tourismus- und Heimatverein Vesser ist es nach den zwei Jahren fast wie ein Neubeginn. Manches, was sich bis zur Corona-Zwangspause in Routine eingespielt hat, muss erst wieder wachsen.

„Suhl ist cool, aber Vesser ist besser“

Doch Corona hin oder her – Sylvia Hamatschek weiß: Auf „ihre Leute“, auf die vielen fleißigen Bäckerinnen, auf die Helfer aus dem Ort, aus Feuerwehr und Sportverein, ist Verlass. So war es immer in Vesser und so wird es immer sein. „Nur mit solch ehrenamtlichen Engagement lassen sich heutzutage solche Feste stemmen“, sagt sie. Denn die Auflagen für Veranstaltungen in solcher Größenordnung werden nicht gerade kleiner, der Stress in der Vorbereitung nehme zu. „Da ist es wichtig, wenn sich das auf breite Schulter verteilt.“

So ist es keine Überraschung, dass nach der Festeröffnung mit der 2. Beigeordneten Ina Leukefeld die langjährigen aktiven Mitstreiter Bärbel Carl, Gudrun Wagner und Falk Hellmich für ihren Einsatz geehrt werden. Vesser, sagt auch Ina Leukefeld, sei für sie schon immer etwas ganz Besonderes: „Nicht nur wegen des schönes Tals, sondern vor allem wegen der vielen engagierten Menschen, die eben mehr als das Nötigste machen und damit so manches auf die Beine stellen wovon andere nur träumen können.“ Und das mit spürbarem Spaß und Freude, was die 2. Beigeordnete mit „Suhl ist cool, aber Vesser ist besser!“ kommentiert.

Die Spannung im Rund vor dem Offenstall steigt, als Sylvia Hamatschek verkündet, eine neue Hoheit gefunden zu haben, die Jana die Erste, alias Jana Benz nach drei Jahren Amtszeit ablöst. Ein Raumen geht schließlich durch das erwartungsfrohe Publikum, als das Geheimnis der neuen Schwarzebeers-Hoheit gelüftet wird und zum schmissigen Einmarsch der „Nahetaler“ endlich eine neue Königin – nein ein König! – präsentiert wird. Detlef Weiß, langjähriger Ortsbürgermeister und Aktivposten im Tourismus- und Heimatverein bekommt zur Freude des Publikums von Angelina Sturm die Schärpe umgehängt und den Kranz aus Beerenlaub auf den Hut gesetzt. „Ein echter Höhepunkt in meinem Leben mit Ina Leukefeld Arm in Arm hier einzulaufen und zum König gekrönt zu werden“, sagt er. „Da träum’ ich heut’ Nacht noch davon...“ Es sei schön zu sehen, dass die Tradition des Schwarzebeerfestes weitergeht und die einst zur 2000-Jahrfeier des Ortes geborene kühne Idee ihre Fortsetzung findet.

Wurden früher die fleißigsten und erfolgreichsten Beerensammler als Hoheiten gekrönt, so spricht der Vorstand des Tourismus- und Heimatvereins seit einigen Jahren mögliche Kandidaten an. So war es auch bei der nunmehr abgelösten Jana Benz, die mittlerweile Mama geworden ist und wegen persönlicher Verpflichtungen zu ihrer „Abkrönung“ nicht selbst dabei sein kann. „Sie hatte in den Corona-Jahren eine schwere Amtszeit, hat aber das Beste daraus gemacht“, lobt Moderatorin Silke Stark.

„Genießen ist besser als Schießen“

Er hoffe auf eine schöne Männerfreundschaft mit dem Schwarzebeerskönig, lässt Bratwurstkönig Norbert I. wissen, der Anfang Juni für zwei weitere Jahre gekürt wurde. „Ob schwarze Beeren oder Bratwurst – Genuss verbindet eben“, sagt er. Und Genießen sei ohnehin besser als Schießen“, fügt er in Anspielung an den Ukraine-Krieg hinzu.

Dann muss Detlef I. schon seines Amtes walten und als erste Handlung das große Kuchenbüfett eröffnen, vor dessen Tischen sich schon lange Schlangen gebildet haben. Insgesamt 88 Bleche Schwarzebeerskuchen präsentieren die Bäckerinnen bei ihrem Aufmarsch in frisch gestärkten weißen Schürzen. Kein Rekord, doch in Anbetracht des schlechten Beerenertrags in diesem zu trockenem Sommer, doch durchaus eine stattliche Zahl.

Bis in den späten Nachmittag hinein wird an den von der Rennsteiglauf GmbH im benachbarten Schmiedefeld zur Verfügung gestellten Bierzeltgarnituren geschlemmt, gelacht und geplaudert. Dem leckeren Kuchen und Kaffee lassen viele Besucher später noch ein kühles Blondes und eine Bratwurst oder ein erfrischendes Eis folgen.

Autor

 

Bilder