Schulnetz Neues Format für die Partnersuche

Nicht wieder alles auf Anfang und doch irgendwie alles von vorn. Suhl übt sich zum Thema Kooperation mit der Impuls-Schule in dem für den Stadtrat noch ungewohnten Format einer Anhörung.

Die Impuls-Schule braucht einen Partner. Foto: frankphoto.de

Suhl - Der Weg, der hin zum Pfad einer Entscheidung für die Impuls-Schule in Schmiedefeld führt, scheint noch ein weiter zu sein. Die Anhörung, die am Donnerstag während der Sitzung des Hauptausschusses mit Schulleitern, Stadträten, Vertretern aus Stadtverwaltung, Schulamt und Bildungsministerium stattfand, soll ihn ein wenig kürzer machen. Es geht um einheitliche Kenntnisstände bei allen Beteiligten, (noch) nicht aber um politische Debatten. Ein Stück weit geht es auch um die Versachlichung eines Themas, das nicht wirklich Freunde finden will, aber vor der Notwendigkeit steht, zumindest einen Partner zu suchen.

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Darum geht es: Die Impuls-Schule Schmiedefeld ist zu klein (sie hat 98 Schüler, bräuchte aber mindestens 120) und braucht nach Auffassung von Schulamt und Stadt die Kooperation mit einer anderen Schule um eine Zukunft haben zu können.

Die Möglichkeiten: Sprengel-, das Campus- oder das Filial-Modell. Letzteres wird weitgehend favorisiert und bedeutet, dass die Impuls-Schule mit einer Schule gleicher Art eine Kooperation eingeht und quasi als Außenstelle weiter bestehen bleibt. Partnerschulen könnten rein theoretisch die Jenaplanschule, die Gemeinschaftsschule Lautenberg sowie die Regelschule „Paul-Greifzu „ sein.

Sabine Schilling, Leiterin der Impuls-Schule, sieht folgende Möglichkeiten und Schwierigkeiten: Die Impuls-Schule ist jenaplanorientiert und arbeitet mit klassenübergreifendem Unterricht. In eine Kooperation könnte die Schule unter anderem einbringen: das Q-Siegel, Europaschule, das Anstreben einer Nachhaltigkeits- und Biosphärenschule, Lehrer mit einem großen Erfahrungsschatz, 40 Schüler in einer Langlaufausbildung, Heimatverbundenheit. Die Klassen sind 14 bis 22 Schüler stark. Auch hier wird jahrgangsübergreifend gearbeitet. Allerdings immer nur mit zwei Klassenstufen und nicht mit drei – so wie in der Jenaplanschule. Und aufgrund der Stundenzuweisung kann die wöchentliche Freitagsfeier nicht mehr gewährleistet werden. Sollte es zu einer Kooperation kommen, dann müsste der Schülerverkehr ausgebaut werden. Und auch die Tickets müssten die Stadt Suhl sowie der Ilm-Kreis gegenseitig anerkennen. Aus ihrer Sicht sei der Zeitplan schwer einzuhalten und es gebe noch zu viele offene Fragen, sodass es das Beste wäre, wenn die Verantwortlichen die Impuls-Schule erst einmal machen lassen und in Ruhe eine Entscheidung vorbereiten würden.

Judith Csutorka, Leiterin der Jenaplanschule Suhl sieht folgende Möglichkeiten und Schwierigkeiten: Aus ihrer Sicht ist eine Kooperation mit der Impuls-Schule nicht möglich. Räumlich sei die Schule an ihren Kapazitätsgrenzen. Mit einer Kooperation wird befürchtet, dass sich Unterrichtsausfälle vermehren. Es sei nicht möglich, Personal nach Schmiedefeld abzuordnen und sie, ihr Kollegium sowie die Eltern würden auch keiner Umverteilung von Schülern zustimmen. Es müsse in der Hauptsache um die Kinder und Jugendlichen gehen, die gerade in diesen schweren Corona-Zeiten stabile Beziehungen auch zu den Lehrern brauchen. Zudem finden in der Jenaplanschule regelmäßig die Freitagsfeiern statt, zu denen sich die ganze Schule trifft. Das müsste dann auch die Impuls-Schule realisieren. Die Schulkonferenz habe eine Kooperation mit der Impuls-Schule abgelehnt.

Rüdiger Marx, Leiter der Regelschule „Paul Greifzu“ sieht folgende Möglichkeiten und Schwierigkeiten: In seiner Schule gibt es 240 Schüler, 24 haben Förderbedarf und 18 einen Migrationshintergrund. Er habe kein Problem damit, dass möglicherweise in zwei Gebäuden unterrichtet würde, aber klassenübergreifenden Unterricht gäbe es in seiner Schule definitiv nicht. Probleme räumlicher oder personeller Art sehe er nicht. Zur Organisation eines solchen Kooperationsmodells habe er keine Erfahrungen, sei aber lernfähig.

Gabriele Lenz, Leiterin der Thüringer Gemeinschaftsschule Lautenberg sieht folgende Möglichkeiten und Schwierigkeiten: Veränderungen seien sicher immer nötig. Das Kollegium sei im Umbruch. Etliche gehen, einige neue kommen, darunter auch drei Quereinsteiger. In einer Partnerschaft wäre die Schule sicher auch Ressourcengeber und dazu gäbe es vieles abzuwägen. Dies auch vor dem Hintergrund, dass manche Kollegen an der Lautenberg-Schule aus Jena, Heldburg und anderen Städten nach Suhl zur Arbeit fahren würden. Wenn sie dann auch noch zwischen Suhl und Schmiedefeld pendeln müssten, wäre das hart. Gegen eine Kooperation mit der Impuls-Schule würde sprechen, dass der Unterricht in den jeweiligen Klassenstufen stattfindet und das deckt sich nicht mit dem Jenaplan-Konzept.

Das sind offene Fragen:

• Die Vereinbarung zwischen dem Ilm-Kreis und der Stadt Suhl, in der die eine kreisübergreifende schulische Zusammenarbeit geregelt wird, steht noch aus. Kernstück müsste dabei ein im Einvernehmen mit dem Bildungsministerium festgelegter abgegrenzter gemeinsamer Schulbezirk sowohl für die Impuls-Regelschule als auch für die Grundschule Stützerbach sein. Das wiederum hat perspektivisch auch Auswirkungen auf die Impuls-Schule.

• Es liegt noch keine Rechtsverordnung des Bildungsministeriums für derartige Kooperationsvereinbarungen vor, wie sie offensichtlich in Suhl geschlossen werden müssen. Die wird laut Joachim Franke, Referatsleiter im Thüringer Bildungsministerium, frühestens in sechs Monaten erwartet. „Dass die Verordnung nicht da ist, stellt kein Hindernis dar, da keine rechtlichen Problemlagen zu erwarten sind. Eine solche Verordnung ist nicht maßgeblich für die Schulnetzplanung“, sagt Franke. Insbesondere Suhler Stadträte sehen das anders. Auch Kriterien dafür, wie die Kooperation funktionieren soll, sind nicht definiert.

• Auf die Frage, wie eine Kooperation, wie sie für die Impuls-Schule angestrebt wird, zu einer Verbesserung der Bildungssituation und der Bildungsangebote führt, bleibt eine klare Antwort seitens des Ministeriums weitgehend aus.

• Den immer wieder ins Feld geführte Eingemeindungsvertrag, in dem für Schmiedefeld festgeschrieben ist, dass der Impuls-Schule eine längerfristige Perspektive zugesichert wird, ist in den Augen des Vertreters aus dem Bildungsministerium kein Argument, da andere Gesetzlichkeiten darüber stünden.

Die Alternative zur Kooperation: Wenn die Impuls-Schule weiterhin als selbstständige Schule in der Schulnetzplanung von Suhl geführt wird, werde diese Planung nicht genehmigt, macht Franke klar. Zudem sei das Schulamt in der Pflicht, für ausreichend Lehrer zu sorgen, sagt Schulamtsleiter Michael Kaufmann. Deshalb dürfe auch bei Abwägungen möglicher Ausnahmegenehmigungen nicht aus dem Auge verloren werden, dass es sehr schwierig sei, Lehrer für den ländlichen Raum zu finden. Die Variante für eine Schule mit zwei Standorten und einem größeren Kollegium, das optimalerweise für Fachgerechtigkeit an beiden Standorten sorgt und flexibel reagieren kann, sei zu favorisieren.

Wie geht es weiter? Am 16. November werden sich die Mitglieder des Jugendhilfe-Ausschusses noch einmal mit dem Thema beschäftigen und am 24. November kommt dieses Thema wieder auf den Tisch der Mitglieder des Hauptausschusses. Am 1. Dezember wird sich der Stadtrat eine Meinung bilden.