Schneller im Urlaub Swinetunnel ist eröffnet

Doris Heimann

Mit dem Swinetunnel ist am Freitag eine weitere Zufahrt zu der beliebten Urlaubsinsel Usedom eröffnet worden.

Künftig schneller am Ziel. Foto: dpa/Stefan Sauer

Polen hat in der Hafenstadt Swinemünde (Swinoujscie) einen Autotunnel eröffnet, der eine weitere Zufahrt zu der beliebten Urlaubsinsel Usedom bietet. Die Zeit der langjährigen Träume gehe zu Ende, es beginne eine neue Realität, sagte Infrastrukturminister Andrzej Adamczyk am Freitag bei der Eröffnungszeremonie in der Tunnelröhre. Vize-Regierungschef Jaroslaw Kaczynski sagte, das Bauwerk erhöhe nicht nur den Komfort in der Stadt selbst, sondern verbessere die Verbindungen in der gesamten Region Westpommern. Am Nachmittag wurde der Tunnel für die Öffentlichkeit freigegeben.

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Der Tunnel verläuft unter der Swine, einem Ostsee-Meeresarm, der nicht nur Swinemünde, sondern auch Usedom von der polnischen Insel Wollin trennt. Neben bestehenden Brücken auf deutscher Seite ist es die dritte feste Zufahrt auf die Insel. Nach Angaben der Stadt verkürzt sich die Fahrt im Vergleich zu bestehenden Fährverbindungen über die Swine von früher vierzig auf nun zwei bis fünf Minuten. Fahrräder und Fußgänger sollen den Tunnel im eigentlichen Betrieb nicht passieren dürfen.

200 Millionen Euro teuer

Der mehr als 200 Millionen Euro teure Tunnel ist rund 1,8 Kilometer lang. Ein Großteil des Geldes stammt von der EU. 2019 waren die ersten Vorarbeiten gestartet.

Der Tunnel könnte die Fahrt auf die Insel etwa für Berliner und Brandenburger über die Autobahn 11 via Stettin (Szczecin) erleichtern. Zwar ist diese Route länger als der Weg über die deutsche Seite, sie führt aber länger über Autobahnen. Außerdem läuft auf polnischer Seite der Ausbau einer Schnellstraße zur Anbindung.

Der 1,8 Kilometer lange neue Straßentunnel unter dem Oder-Mündungsarm Swine verbindet erstmals den polnischen Teil Usedoms mit der Nachbarinsel Wollin und dadurch mit dem polnischen Festland. Bisher ist das Zentrum Swinemündes an die deutschen Usedomer Nachbarorte Ahlbeck und Gartz per Straße angebunden, vom Rest Polens aus aber nur per Fähre erreichbar. Die Grenze ist keine vier Kilometer vom westlichen Ende des Tunnels entfernt. Deutsche Usedom-Urlauber haben mit dem Tunnel künftig neben der Route über Anklam eine alternative Anfahrtsmöglichkeit via Stettin, bei der die Fahrzeit zu Stoßzeiten vermutlich kürzer sein wird.

Der Tunnel schließ Swinemünde direkt ans polnische Straßennetz an. Die Stadt mit ihren rund 40 000 Einwohnern ist samt Hafen durch den großen Mündungsarm der Oder geteilt und erstreckt sich über die Inseln Usedom und Wollin. Das Zentrum ist vom restlichen Polen aus bislang nur durch zwei Swine-Fähren erreichbar, von denen für Auswärtige diejenige südlich der Stadt zugelassen ist. Zu Stoßzeiten, insbesondere in der Urlaubssaison, sind dort lange Wartezeiten angesagt, bei Sturm wird der Schiffsverkehr auch mal eingestellt – was nicht nur das Leben und die Wirtschaft in Swinemünde beeinträchtigt.

Dieses Nadelöhr macht bisher auch die Strecke über Stettin und die Ostseite des Haffs als Anfahrtsweg in den deutschen Teil Usedoms unattraktiv. Dabei führt die Küstenstraße von Swinemünde unmittelbar zu den Dreikaiserbädern Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin, und eine zweite Chaussee verbindet die polnische Hafenstadt über Garz mit der B 109 und dem ostvorpommerschen Festland.

Mehr Verkehr auf der Insel?

Diese enge Landstraße zwischen der A 20 und Usedom via Anklam – oder der große Autobahn-Umweg über Wolgast: Das sind bisher die klassischen Anreisewege für deutsche Usedom-Urlauber. Zu den stauanfälligen Landstraßenkilometern zwischen Autobahn und Insel samt Klappbrücke zur Insel gibt es nun mit dem Swinetunnel eine ernsthafte Alternative via Stettin. Bis hinter die polnische Großstadt führt die Autobahn aus Berlin. Die anschließende Staatsstraße S 3 ist inzwischen bis wenige Kilometer vor Wollin vierspurig und autobahnähnlich ausgebaut, und im kommenden Jahr soll auch das restliche Schnellstraßen-Teilstück bis zum Tunnel nach Usedom fertig sein. Was bedeutet: Von Suhl bis Swinemünde müsste man spätestens ab kommendem Jahr die Autobahn nicht mehr verlassen. Vom Kreuz Uckermark bis nach Ahlbeck sind es über die Anklamer Landstraße 125 Kilometer, über die Autobahnabfahrt Wolgast 175 Kilometer und künftig über Stettin und den Tunnel 150 Kilometer.

Auf der deutschen Seite gibt es Befürchtungen, dass mit dem Tunnel der Autoverkehr auf der Insel weiter zunehmen könnte. Experten rechnen nach Fertigstellung mit steigenden Touristenzahlen auf Usedom. Dabei wird die polnische Seite mindestens gleichermaßen profitieren, da Swinemünde und die polnischen Seebäder auf Wollin und dem Festland von der deutschen Ostseeküste aus besser erreichbar sein werden.

Swinemünde gehörte (wie auch die Insel Wollin und die hinterpommersche Küste) bis 1945 zu Deutschland. Die nach dem Zweiten Weltkrieg gezogene Oder-Neiße-Linie trennte die Stadt vom Rest Usedoms ab. Seitdem ist sie polnisch.