Schmalkalden Zukunft barrierefrei gestalten

Annett Recknagel

Zum fünften Schmalkalder Inklusionstag auf dem Altmarkt standen barrierefreie Lieblingsplätze im Zentrum der Aufmerksamkeit. Verschiedene Schulklassen hatten sich mit großen Interesse beteiligt.

Mine sagt, für behinderte Menschen ist es schwierig auf den Schmalkalder Kirchturm zu kommen. Deshalb klebt die Drittklässlerin einen orangen Punkt auf die vorbereitete Karte. Sidney greift nach den grünen Punkten. Einen platziert er im Viba-Parkt. Den dortigen Spielplatz kann man sehr gut erreichen. Er ist ein barrierefreier Lieblingsplatz. Nicht nur der vonSidney. Auch die Mädchen und Jungen der Bentheimschule halten sich dort sehr gerne auf. Ebenso gehören der Stadtpark und der Westendpark zu deren bevorzugten Bereichen. Die Anlagen dort sind auch für Rollstuhlfahrer gut erreichbar und man kann dort sehr gut entspannen.

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Die Klasse M/O des Förderzentrums in Schmalkalden kann dem nur beipflichten. Auch sie lieben dieses Areal. Genauso gerne sind sie in der Heinrich-Heine-Bibliothek zu Gast. Die barrierefreie Zugänglichkeit dorthin bekommt auch einen grünen Punkt. Den kassiert das Kaufland ebenso. Denn dort kaufen die Förderschüler einmal pro Woche für ihren Hauswirtschaftsunterricht ein. Die vorbereitete Karte mit den barrierefreien Lieblingsplätzen füllt sich. Das Grün überwiegt, wobei auch gelbe und orangefarbene Punkte zu finden sind. Heißt: Der Zugang zu diesen Orten ist nur teilweise oder eben gar nicht barrierefrei.

Zum fünften Schmalkalder Inklusionstag machten der Blindenverband, die Ergänzende Unabhängige Teilhabeberatung (EUTB) und die Lebenshilfe auf diese Thematik aufmerksam. Ihr Stand auf dem Altmarkt war am Mittwoch nicht zu übersehen. Innerhalb von zwei Stunden hatten sich dort schon fast 100 Passanten, darunter viele Schüler, umgeschaut. Die Kinder waren im Vorfeld mit Flyern versorgt worden. So konnten sie sich mit ihren Eltern in Ruhe überlegen, welche Orte barrierefreie Lieblingsplätze in Schmalkalden sind und die auf den Flyern schriftlich festhalten. Dort war auch ausreichend Raum für weniger gut erreichbare Plätze.

„In die kleinen Geschäfte kommt man als Rollstuhlfahrer nicht so gut“, meinte Sidney. Auch der Rosengarten unterhalb von Schloss Wilhelmsburg sei für diese Personengruppe eher schlecht zu erreichen. Die Drittklässler hatten sich das Thema genau durchdacht. Zu ihrer Klasse gehört auch Carlo, der eine Muskelkrankheit hat. Zum Marktplatz war er im Bollerwagen gefahren worden. Die Klasse nimmt den Jungen überall mit hin und merkt manchmal, wie sie dabei an ihre Grenzen stößt. Auch in der Grundschule. Die Treppen werden Carlo dort zum Verhängnis. Fiene spricht die Stufen hinter der Kirche an. Man kann sie umgehen, braucht länger, aber gelangt dann trotzdem auf den Markt. Die Förderschüler und auch die Bentheimschüler bemängelten die schmalen Bürgersteige in der Sandgasse, die insbesondere für Rollstuhlfahrer sehr schwierig zu befahren sind. Nachdem die Punkte auf dem Plan geklebt waren, wanderten alle ausgefüllten Flyer in eine große Kiste. Mitarbeiter des EUTB wollen das Ganze jetzt auswerten und einen Protestbanner für mehr Barrierefreiheit und Inklusion in Schmalkalden erstellen. Das soll den Verantwortlichen in der Stadt übergeben werden.

Der Inklusionstag selbst fand im Rahmen des Europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen, der am 5. Mai im Kalender steht, statt. Sein Motto lautete „Zukunft barrierefrei gestalten“. Inklusion nämlich bedeutet, jedem Menschen die Möglichkeit zu bieten, gleichberechtigt an allen gesellschaftlichen Prozessen teilnehmen zu können – und das unabhängig von individuellen Fähigkeiten, Herkunft, Geschlecht und Alter. Dirk Wesseley von der Lebenshilfe machte zudem Werbung für das Ehrenamt und wies auf die Freiwilligenagentur InkluWIR in Südthüringen hin, die dringend ehrenamtliche Mitarbeiter sucht. Die Aktion auf dem Altmarkt war zudem mit zahlreichen Gesprächen verbunden. Die Versorgung, und das wurde besonders lobend erwähnt, erfolgte über den Stadtgrill. Jens Sauerbrey war diesbezüglich sehr kulant und bot Bratwürste kostengünstig an.