Schmalkalden Wie kommt der Text ins Internet?

Klara Lochner und Noelia Schrenke

Wie man Falschmeldungen erkennt, lernten im Mai Schüler aus Schmalkalden und Meiningen von Zeitungs-Profis. Lehrer können sich für Workshops anmelden.

Bei einem Spiel, bei dem Videos gezeigt wurden, sollten die Schüler unterscheiden, ob es Werbung, ein Bildtrick, ein Kettenbrief oder Unterhaltung ist. Bei einem Bildtrick hoben sie ein Bild vom Papst in Bomberjacke hoch, welches mit Künstlicher Intelligenz erstellt wurde. Foto: Noelia Schrenke Foto:  

Jeder von uns wird täglich mit einer Menge Informationen überflutet. Den Durchblick zu behalten, was stimmt oder was sich jemand ausgedacht und bewusst gefälscht hat, ist nicht einfach. Die Schmalkalder Redaktionsleiterin Silke Wolf und die freie Journalistin Klara Lochner waren im Mai an drei Schulen in Schmalkalden und Meiningen zu Gast und klärten Schüler auf.

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„Ich habe gelernt, dass man nicht alles glauben kann, was man im Internet findet“, sagt Emma, Schülerin der 6 a an der Regelschule Schmalkalden. Vielen Schülern war zwar bewusst, dass es Falschmeldungen gibt, aber nicht, wie man diese erkennt.

Spielerisch, mit Videos und Beispielen konnten sich die Kinder im Entlarven von Fakes ausprobieren. Wer hat einen Bildtrick benutzt, der zum Beispiel das Aussehen mit einem sogenannten „Filter“ verändert? Was ist vielleicht nur ins Video reingeschnitten? Wo will jemand etwas verkaufen? Werbung ist in den sozialen Medien nicht immer gekennzeichnet und speziell Influencer nutzen das Vertrauen ihrer Zuschauer aus, in dem sie ihnen den Kauf bestimmter Produkte ans Herz legen. Die Schüler sollten mit einem Werbeprospekt (Werbung), einem weißen Blatt (neutrale Unterhaltung), einem Fake-Bild von Papst Franziskus in Bomberjacke (Falschmeldungen) und einem Briefumschlag (Kettenbrief) durch Hochhalten kenntlich machen, was in den gezeigten Videos zutrifft.

Es wurde viel gelacht über die Videos, welche die Journalistinnen dabei hatten. Foto: Noelia Schrenke

Jeder kann anonym Nachrichten in den sozialen Medien verbreiten. Überprüft werden diese in der Regel nicht. Falschmeldungen handeln meist von Themen, über die sich viele aufregen. Silke Wolf nannte ein Beispiel von der Grünenpolitikerin Baerbock: In einem Post, der per Whatsapp verbreitet wurde, war zu lesen, dass sie eine Katzensteuer einführen wolle. Dies stimmte nicht. Ziel dieser Fake News war es, gegen Baerbock Stimmung zu machen.

Lia erzählte, dass sie vor wenigen Tagen bei Youtube gesehen habe, dass der gerade verstorbene Papst wieder auferstanden sei. Die Meldung habe sie gleich als Fake erkannt.

Wie man eine Schlagzeile überprüft

Wichtig sei, sich bei so manchen Schlagzeilen zu fragen, ob das Gesagte überhaupt stimmen könne. Außerdem sollte man immer versuchen, herauszufinden, wer die Nachricht verbreitet. „Jede Webseite hat ein Impressum, wo ihr seht, wer verantwortlich ist“, erklärte Klara Lochner. Wenn man die Neuigkeit googelt und keine Berichte aus seriösen Quellen wie von Zeitung-, Radio und Fernsehsenderportalen findet, handelt es sich vermutlich um einen Fake.

Ein Video, bei dem angeblich Delfine in Venedig zu sehen sind, ist zu Coronazeiten viral gegangen. Schaut man aber auf Ort und Datum, stimmen diese nicht mit der Schlagzeile überein. Oft würden Videos in einen anderen Zusammenhang gesetzt.

Die Powerpoint ist kindgerecht gestaltet. Auch für ältere Schüler gibt es einen altersgerechten Workshop. Foto: Noelia Schrenke

„Das Universum ist so groß, es gibt bestimmt irgendwo Drachen“, sagt Björn, der sich sicher ist, dass nicht jede Nachricht, die eben sehr außergewöhnlich klingt, ein Fake ist. „Wenn jemand einen Drachen findet, wäre das eine Sensation und alle würden berichten“, erklärt Klara Lochner, wie er auch diese Meldung auf Richtigkeit überprüfen könnte. Wenn man sich nicht sicher ist, ob eine Meldung stimmt, kann man die App „Fake News Check“ verwenden oder auf Portalen wie Mimikama oder Correctiv nachschauen, die Fakes entlarven oder aber Erwachsene fragen, empfehlen die beiden Journalistinnen.

Die Gefahr von Kettenbriefen

In Klassenchats droht noch eine weitere Gefahr. Hier verschicken Schüler gelegentlich Kettenbriefe. Das sind lange Nachrichten, in denen man aufgefordert wird, diese immer wieder weiterzuleiten. Die meisten Kettenbriefe sind harmlos. Manchmal aber gehe es auch um Datenklau oder verstörende Inhalte, die Kindern Angst machen. Am besten solche Nachrichten löschen und vor allem nicht weiterleiten, rät Leiterin der Lokalredaktion. Thema war außerdem, wie Journalisten arbeiten und welche Texte man in einer Zeitung findet.

In der Parallelklasse schafften die beiden Journalistinnen das Programm kaum, so viele Fragen wurden in der Klasse 6 b gestellt. „Wie bekommt ihr die Texte ins Internet? Gibt es eine Maschine dafür?“, wollte Ole wissen.

Das Projekt fanden die Elf- und Zwölfjährigen spannend. Viele brachten eigene Beispiele für Fake-Nachrichten in den Unterricht ein. Am Ende bedankte sich eine Schülerin für die tolle Unterrichtsstunde.

Zudem fand ein Workshop für Auszubildende der Berufsschule Meiningen statt. Auch hier lag der Fokus auf dem Erkennen von Falschmeldungen. Eine Lehre für Leonie war, dass auch TikToker absichtlich Gerüchte in die Welt setzen, um ihre Follower zu testen, ob sie Fake News erkennen. So verbreitete ein Influencer das Gerücht über eine neue Insektenart, die sich in den Wänden der eigenen Wohnung festsetzen würde. Damit wollte er zeigen, wie schnell Menschen auf Gerüchte reinfallen können. „Das habe ich geglaubt, ich habe sogar meiner Mutter davon erzählt!”, rief die Berufsschülerin. Am BBZ ging es aber auch um den Pressekodex und Meinungsfreiheit.

Die Aktionstage „Wir sind das Original!“, in deren Rahmen die Schulbesuche stattfanden, ist das größte Thüringer Gemeinschaftsprojekt gegen Fake News und Desinformation an Schulen. Sie fanden zum vierten Mal rund um den weltweiten Tag der Pressefreiheit am 3. Mai statt.

Die beiden bundesweiten Initiativen „Journalismus macht Schule“ und „#UseTheNews“ bündeln ihre Kräfte und initiieren Aktionen, die die Nachrichten- und Informationskompetenz stärken. In Thüringen greift die Thüringer Landesmedienanstalt (TLM) diese Idee auf und setzt sie mit über 25 Partnern um, ein Partner ist die Suhler Verlagsgesellschaft, die das E-Paper in dieser Zeit kostenlos zur Nutzung für Lehrerinnen und Lehrer bereitstellt.

Den Abschluss der Schulbesuche bildeten zwei 7. Klassen am Philipp-Melanchthon-Gymnasium in Schmalkalden. Im März waren die beiden Journalistinnen auch schon in der Regelschule Obermaßfeld mit ihrem Fake-News-Workshop in einer 8. Klasse und in einer weiteren Berufsschulklasse in Meiningen zu Gast.

Verein „Journalismus macht Schule“ ist ein bundesweites Netzwerk, das Schulen und Redaktionen zusammenbringt. Ziel ist es, jungen Menschen journalistische Arbeitsweisen, Medienkompetenz und den Wert einer freien Presse nahezubringen. Diese Schulbesuche laufen ganzjährig. Infos und Anmeldung unter www.journalismus-macht-schule.org.