Schmalkalden Weihnachtsfreude im Schuhkarton

Annett Recknagel

Ingrid und Wolfgang Müller sind mit einigen fleißigen Helfern alljährlich für die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ verantwortlich und hoffen auch diesmal auf viele Unterstützer.

Leere Schuhkartons können bei Ingrid und Wolfgang Müller abgeholt werden. Das Ehepaar nimmt gepackte Kartons bis zum 17. November im Kanonenweg an. Foto: Annett Recknagel

„Ich wollte nur schnell mein Päckchen vorbei bringen.“ Gudrun Schall wird von Ingrid und Wolfgang Müller freudig begrüßt und übergibt ihren Schuhkarton. Den hat sie liebevoll für einen zehn- bis 14-jährigen Jungen in Rumänien gepackt. In der Vorweihnachtszeit gehört das für die Schmalkalderin einfach dazu. „Ich finde die Aktion sehr gut und erzähle vielen Leuten davon“, sagt sie.

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In einem Raum der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde am Kanonenweg stapeln sich schon etliche Päckchen. Seit Ende Oktober können sie abgegeben werden. Die Kartons sind entweder in Weihnachtspapier eingeschlagen oder leuchten in Rot und Grün. Das sind die Farben der Kartons, die bei Ingrid und Wolfgang Müller abgeholt werden können – als Faltschachteln. Über 100 Stück haben die beiden aus Berlin angefordert. Ebenso stehen größere Kartons bereit. Dahinein wandern die fertig gepackten Päckchen, um letztlich in zwei Lkws, die sich von Engelsbach im Landkreis Gotha im Dezember auf große Fahrt nach Rumänien gehen, untergebracht zu werden.

Im vorigen Jahr wurden von dort aus 15.000 Schuhkartons mit Geschenken für Kinder transportiert. Darunter waren auch 440 aus dem Raum Schmalkalden. „Weihnachten im Schuhkarton“ heißt die Aktion, die Ingrid und Wolfgang Müller in Schmalkalden koordinieren. Mit den Päckchen soll Mädchen und Jungen in Osteuropa zu Weihnachten eine Freude gemacht werden. „Oft ist es das einzige Geschenk, das Kinder bekommen“, weiß Ingrid Müller.

Die Müllers packen seit 26 Jahren in der Adventszeit Päckchen. Weiter gegeben haben sie das an ihre Kinder. Auch in der Gemeinde bringt sich die Jungschargruppe beim Packen mit ein. Auf einem Tisch liegen Geschenke, die man übers Jahr gemeinsam gekauft hat. Bei Geschäftsauflösungen beispielsweise oder als Angebote. Daneben fallen Schals und Mützen ins Auge. Marianne Schüler hat übers Jahr fleißig Schals gestrickt, Andrea Svoboda die Mützen dazu. Renate Schramm und Andreas Krautwald haben eine Weihnachtsstube bei sich zu Hause. Darin wird übers Jahr alles, was Kindern in Osteuropa eine Freude machen könnte, gesammelt. Die Päckchen packen die beiden selbst.

Auch Selbstgestricktes geht auf die Reise. Foto: Annett Recknagel

Im Internet erhält man genaue Auskunft, was die Päckchen enthalten könnten. Kuscheltiere und Puppen für Mädchen. Ein Fußball mit Pumpe oder ein kleines Musikinstrument für Jungs. Springseile, Puzzle, Knete, Buntstifte, Malkasten oder Solartaschenrechner sind ebenso Geschenkideen, die wunderbar in einen Schuhkarton passen. Ebenso kann man den Kindern mit Hygieneartikeln wie Zahnbürsten, Waschlappen, Haarbürste oder festes Shampoo eine Freude machen. Kleidung wie Mützen und Schals, Socken und Selbstgestricktes kommt auch immer sehr gut an, weiß Ingrid Müller.

Nicht erwünscht sind Kerzen oder Kriegsspielzeug. Überhaupt sollte alles Angsteinflößende außen vor bleiben. Die Müllers kontrollieren das genau. Sie nehmen die gepackten Schuhkartons nicht nur entgegen, sie prüfen sie auch auf Richtigkeit. Um die 20 Helfer sind in die Aktion einbezogen.

Gebrauchte Dinge dürfen nicht verschenkt werden. Alle Artikel sollten neu sein. Zerbrechliches und Lebensmittel, auch Süßigkeiten müssen draußen bleiben. Ein persönlicher Gruß und eine Weihnachtskarte dagegen empfehlen Ingrid und Wolfgang Müller. Das Etikett ist bereits auf dem Deckel enthalten. Man braucht nur noch anzukreuzen, wen man beschenken möchte. Mädchen oder Junge? Drei Altersgruppen werden angeboten: 2 bis 4 Jahre, 5 bis 9 Jahre und 10 bis 14 Jahre. Den Karton verschließt man am besten mit einem Gummiband. Wer keines hat, nicht schlimm – die Müller können abhelfen. Eine Schüssel voller Gummibänder hat Wolfgang Müller vom Blutspendeteam bekommen.

Wenn Geschenke trotzdem einmal aussortiert werden müssen, bekommt die ein Verein in Rumänien. Es geht also nichts verloren. „So lange wir dazu in der Lage sind, machen wir das“, sind sich beide einig. Ihnen ist bewusst, dass die Anzahl der Päckchen rückläufig ist. „2005 waren es 1.176 Stück“, weiß Ingrid Müller. 2024 waren es 440. Jetzt hoffen die Müllers, wieder einige Päckchen mehr auf die Reise schicken zu können.

Im Kanonenweg können sie noch bis zum 17. November abgegeben werden. Außerdem nimmt Frieder Leupold im Käbach in Asbach gefüllte Schuhkartons entgegen. Wer in der Innenstadt wohnt und ein Päckchen abgeben möchte, kann es auch in Liebaugs Kinderstube bringen.

Weihnachten im Schuhkarton ist Teil der weltweit stattfindenden Operation Christmas Child, die seit 1993 von der amerikanischen Hilfsorganisation Samaritan’s Purse organisiert wird. Die Geschenkboxen aus dem deutschsprachigen Raum gehen überwiegend nach Osteuropa.

www.weihnachten-im-schuhkarton.org