Schmalkalder Rolling-Stones-Fans Mit dem Stones-Truck nach Berlin

Thomas Purschke

Jens und Ramona Nößler sind Rolling-Stones-Fans. Mit ihrem Truck fuhren sie zu zwei Konzertorten, um ihren Idolen zu zeigen, wie groß ihre Fan-Liebe ist. Und die haben das auch honoriert.

Vielleicht war es angesichts des hohen Alters der Musiker diesmal wirklich der allerletzte Auftritt der Rolling Stones in Deutschland, so geschehen am 3. August in Berlin in der Waldbühne. Wer weiß es schon. Auch die ARD-Tagesschau stellte die Frage in ihrer Hauptausgabe am Tag danach. In der Berliner Waldbühne hatte die britische Kultkapelle nun ihre neunwöchige Europa-Tournee zum 60-jährigen Bandjubiläum beendet. Es war ihr insgesamt 118. Deutschland-Konzert seit 1965. 22 000 Zuschauer waren aus dem Häuschen und hatten die Musiker frenetisch gefeiert. Darunter waren auch wieder zahlreiche Fans aus Thüringen. Bereits schon Tage zuvor waren viele Musik-Freaks in der Stadt, die an ihren T-Shirts und Hemden mit der markanten, roten Zunge, dem Markenzeichen der Band, gut zu erkennen waren.

Auf den Weg nach Berlin hatten sich am 1. August auch die leidenschaftlichen Stones-Fans Jens und Ramona Nößler aus Schmalkaden gemacht. Mit ihrem vom Schmalkalder Airbrush-Künstler Jörg Wolke im Jahr 2016 einzigartig bemalten Stones-Truck (500 PS) sowie Anhänger, der 2018 verziert wurde – das Gefährt ist insgesamt 17 Meter lang –, brachten sie damit Terminfracht nach Berlin. Am 2. August fuhren sie mit der Zugmaschine direkt auf den Pariser Platz vor das Hotel Adlon am Brandenburger Tor und parkten dort.

In dieser Nobelherberge logierten die Stones. Die teuersten Suiten, die die Musiker bewohnten, haben einen herrlichen Ausblick auf das berühmte Wahrzeichen von Berlin. Ein großer Traum und Wunsch von Familie Nößler schon seit Jahren ist, dass die Stones ihren Unikat-Truck signieren. Mehrere Versuche haben sie bereits unternommen und mit Hilfe der großen Unterstützung des Stones-Fanclubs in Aachen/Stolberg, in persona dem Club-Chef Manfred Engelhardt, wo Jens und Ramona seit Jahren Mitglieder sind, auch schon mehrfache Anfragen an das Management der Band gerichtet.

So in Arnheim (Niederlande) oder kürzlich am 27. Juli beim Konzert in der Schalke-Arena in Gelsenkirchen, wo sie mit mehreren Truck-Fahrern aus England ins Gespräch kamen, die das gesamte Bühnen- und Technik-Equipment der Rolling Stones zu all den Spielstätten quer durch Europa fahren. „Sie waren begeistert von unserem Truck und haben viele Fotos davon gemacht, genauso wie zahlreiche Fans, die in Gelsenkirchen zum Konzert gekommen waren“, erkärt der 57-jährige Jens Nößler, der seit vielen Jahren ein Fuhrunternehmen leitet.

Als er den Truck vor dem Hotel Adlon abgestellt hatte, standen bereits mehrere Kamerateams vor der Fensterfront des Hotels und hofften darauf, dass die Musiker sich blicken lassen, was wenige Minuten später auch tatsächlich kurz passierte. Zuerst war es der 78-jährige Gitarrist der Stones, Keith Richards, der aus seinem Zimmerfenster schaute. Er konnte dabei direkt auf sein gemaltes Konterfei blicken, welches in voller Schönheit in zweifacher Form auf der Beifahrerseite des Trucks im Sonnenlicht vor dem Hotel strahlte.

Ramona Nößler winkte ihm von unten herzlich zu. Dann trat eine blonde Dame auf den Minibalkon von Richards Zimmer und fotografierte den Lkw aus Schmalkalden. Richards ist neben dem 79-jährigen Sänger Mick Jagger einziges Band-Urgestein von 1962 an. Schlagzeuger Charlie Watts verstarb im August 2021 im Alter von 80 Jahren. Minuten später blickte auch Mick Jagger aus seiner Präsidenten-Suite, zwei Etagen über Richards, aus dem Fenster. Ein Gespräch mit dem Sicherheits-Chef der Rolling Stones bezüglich des besonderen Autogrammwunsches brachte wenig. Er erklärte, sein Job sei es, für maximale Sicherheit der Band zu sorgen und jedwede Risiken möglichst klein zu halten, er könne leider nichts für die Nößlers tun. Viele vorbeikommende Berlin-Touristen und Stones-Fans fotografierten den Lkw und verteilten Komplimente an das Ehepaar Nößler. Eine Frau, die aus Atlanta (USA) extra zum Stones-Konzert nach Berlin geflogen war, machte mit großer Begeisterung Fotos von allen Seiten vom Kunstobjekt und bedankte sich bei den Schmalkaldern.

Ein Knöllchen fürs Parken vor dem Adlon

Nach drei Stunden Trubel kam dann das Berliner Ordnungsamt und verteilte Knöllchen am Brandenburger Tor und bereitete damit der temporären Touristenattraktion ein Ende. Umso größer war die Freude jedoch beim Ehepaar Nößler, als sie einen Tag später, ohne ihren Lkw, den sie einige hundert Meter entfernt abgestellt hatten, vor dem Hotel mit einem deutschen Mitarbeiter des Security-Teams der Stones sprachen und dieser sagte, auch er könne zwar nicht viel dafür tun, was das Signieren des Trucks anbelangt, dies liege leider nicht in seinem Kompetenzbereich. Aber er zeigte den Nößlers auf seinem Handy, dass auf der von den Rolling Stones offiziell betriebenen, eigenen Instagram-Seite am Morgen des Konzerttages in Berlin, zwei Fotos vom Stones-Truck als Status-Bilder eingestellt wurden. Eines war das Foto, das die unbekannte blonde Dame aus dem Hotelzimmer von Keith Richards vom LKW gemacht hatte. Die zweite Aufnahme zeigt den kompletten Truck mit Anhänger auf einer Straße in Berlin. „Dies ist schon ein großer Coup, denn so etwas passiert gewiss nicht alle Tage“, kommentierte der Sicherheits-Mitarbeiter der Band.

Am Tag nach dem Konzert in Berlin, was die Nößlers diesmal leider wegen Terminverpflichtungen nicht besuchen konnten, kam es dennoch zu einem weiteren, kleinen Happy End. Als der mit seinen 75 Jahren Jüngste der Rolling-Stones-Kerntruppe, Gitarrist Ronnie Wood, am Tag nach dem Konzert mit seiner Frau Sally das Hotel über einen Nebeneingang verließ, gab er noch einige Autogramme mit blauem Filzstift. Auch auf ein Fotoplakat des Schmalkalder Stones-Trucks, bevor er mit einer Luxuslimousine, freundlich winkend, davonbrauste. Auf die direkte Reporter-Frage, wie er dieses rollende Kunstwerk finde, antwortete Wood auf Englisch: „Ich habe den Truck vor dem Hotel stehen sehen. Er ist wirklich sehr schön.“ Dieses Kompliment kommt nicht von irgendwem. Seit seiner Kindheit widmet sich Ronnie Wood der Bildenden Kunst. Seine Malereien und Grafiken werden seit Jahrzehnten weltweit in Ausstellungen gezeigt. Einige seiner Gemälde hängen auch im Stones-Museum im niedersächsischen Lüchow im Wendland. Museumschef Ulli Schröder war mehrere Jahre der Galerist von Ronnie Wood und hat dessen Arbeiten im deutschsprachigen Raum verkauft. Der Stones-Truck-Besitzer Jens Nößler und seine Frau Ramona freuen sich „jedenfalls riesig über das Autogramm von Ronnie Wood und die weltweite Beachtung durch den Instagram-Post der beiden Lkw-Fotos durch die Rolling Stones.“

Die Nößlers jedenfalls tragen weiterhin die Hoffnung in ihren Fan-Herzen, dass es „irgendwann doch noch mit einem Autogramm der Stones auf ihrem LKW klappen wird. Wir würden dafür sogar bis nach London fahren“, sagt Jens Nößler und lächelt.

 

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