Schmalkalden Pilger werden in Lutherstadt verwöhnt

Annett Recknagel
Eine zehnköpfige Pilgergruppe, die auf der Via Romea unterwegs ist, machte am Samstag Station in Schmalkalden. Foto: Annett Recknagel/Annett Recknagel

Eine zehnköpfige Pilgergruppe, die auf der Via Romea unterwegs ist, machte am Samstag Station in Schmalkalden.

Die einen pilgern, weil sie entschleunigen wollen. Für andere ist es eine sportliche Freizeitbeschäftigung. Wieder andere legen Wert auf neue Bekanntschaften und Begegnungen.

„Die Mischung macht es“, sind sich Dagmar Winkel und Karl Stockmann aus Ritschenhausen einig. Die beiden sind Streckenpaten in Thüringen auf der Via Romea. Das ist ein alter Pilgerweg, der von Stade nach Rom führt, auf Abt Albert von Stade und das Jahr 1236 zurückgeht und 2020 als Europäische Kulturroute gewidmet wurde. Mitten auf dem Weg liegen Schmalkalden und Meiningen.

Von Friedrichroda bis Mellrichstadt laufen Dagmar Winkel und Karl Stockmann jetzt mit, um der Strecke hier in unseren Gefilden ein Gesicht zu geben. Die Gruppe, die am Samstag in Schmalkalden ankam, ist seit dem 3. Mai unterwegs. Immer wieder stießen neue Leute dazu, andere sind von Beginn an dabei. Wie lange jeder durchhält, liegt bei jedem selbst. Andere haben genaue Pläne, wohin sie der Weg führt. Ein Herr will bis Innsbruck laufen, eine Dame hat sich Rotenburg ob der Tauber zum Ziel gesetzt. Ob und wer am 13. Oktober das Ziel in Rom erreicht, weiß zum jetzigen Zeitpunkt noch keiner. Guter Dinge aber waren in Schmalkalden alle – auch, wenn sie anonym bleiben wollten.

Zu viele Fragen von Journalisten an verschiedenen Haltepunkten waren der Hauptgrund dafür. Zum Abendessen im Gemeindehaus St. Georg hatten sich die Pilger fein gemacht. Hinter ihnen liegende Anstrengung und Schweiß erahnte man bestenfalls. Das Essen wurde sehr gelobt. Suppe und Salat schmeckten. Ebenso Obst und die gereichten Süßigkeiten.

„Wir werden hier richtig verwöhnt“, lautete die einhellige Meinung. Froh waren alle, dass in den Quartieren die verschwitzten Sachen gewaschen werden durften. Insgesamt sind die Pilger sehr pflegeleicht, weiß Gisela Höland, die seit 2018 immer wieder gern Damen und Herren, die unterwegs sind, aufnimmt. Außerdem übernachteten je zwei Personen bei Familie Liebaug, Familie Schilling und bei Gudrun Sickert und ihrem Mann. Natürlich tauschte man sich während des Essens aus, berichtete aus dem Pilgerleben.

Einige der Damen und Herren sind am liebsten alleine unterwegs. Dass sie sich jetzt fürs gemeinsame Pilgern entschieden haben, liegt an der Neugier aufs Gruppenpilgern. Es wird von persönlich wertvollen Begebenheiten berichtetet, von Menschen, die für die Pilger zu Kraftquellen wurden. Man wünscht sich, durch das Pilgern Frieden schaffen zu können, Versöhnung über die Grenzen hinweg ist ein weiteres Thema.

Zudem lernt man beim Pilgern viel Neues. In Würzburg beispielsweise dürfen Dom, Moschee und Synagoge besichtigt werden. In Kirchheiligen hat eine Pastorin mit der Gruppe gebetet, in Nordhausen gab es ebenfalls eine Andacht und in Schmalkalden übernahm das am Sonntagvormittag Pfarrer Christoph Nordmeyer. Der Reisesegen ist genauso wichtig wie das gemeinsame Frühstück. Auch der Pilgerstab wird mitgeführt. Pro Tag erwandert man zwischen 20 und 25 Kilometern. Übernachtet wird in Herbergen und einfachen Unterkünften. In Meiningen beispielsweise war ein Hostel gebucht. Freilich ist das Pilgern bei der gegenwärtigen Hitze sehr anstrengend. Man muss aufpassen, dass man genug Wasser dabei hat. Wird die Gruppe unterwegs erkannt, kommt es vor, dass nette Menschen Wasser oder Radler anbieten. Auch Eis bekamen die Pilger schon geschenkt.

 

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