Schmalkalden Nonstop zu Fuß nach Frankfurt am Main

Birgitt Schunk

André Simon will laufen, soweit die Füße tragen – genauer gesagt, nach Frankfurt/Main. Jeder Kilometer bringt Spenden für Kinder, mit denen es das Leben bislang nicht so gut meinte.

André Simon zeigt auf dem Flyer, wohin ihn die Füße tragen sollen: Von Schmalkalden geht es bis nach Frankfurt am Main – und das über 182 Kilometer, um anderen Menschen Hoffnung zu geben. Foto: Schunk

Recht beachtlich sollte die Strecke letztes Jahr zur Premiere sein. „Je länger, desto besser – schließlich spendeten die Sponsoren pro Kilometer“, sagt Hobby-Läufer André Simon aus Schmalkalden. Er suchte sich die 124 Kilometer von Schmalkalden nach Jena aus – und „spielte“ so 2553,18 Euro für KIO ein. Die drei Buchstaben stehen für den Verein Kinderhilfe Organtransplantation e.V., der sich um die Bedürfnisse transplantierter junger Menschen kümmert – um Kinder und Jugendliche also, denen eine Niere oder ein anderes Organ eingesetzt wurde. Mit dem Lauf hat er für sich Grenzen überschritten. Und doch ließ ihn seither das Gefühl nicht los, es erneut versuchen zu müssen. „Ich werde es wieder tun!“, hatte er letztes Jahr schon angekündigt. Doch mit den 124 Kilometern will er sich nicht begnügen. Aber bleiben denn genug Kraft und Ausdauer, um in diesem Jahr noch eins draufzusetzen?

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Zwei Jahre alter Junge auf Spenderliste

„Ausgeruht war ich nicht gerade, als ich in Jena ankam“, sagt Simon mit einem Grinsen im Gesicht. Die Strapazen hatten viel abverlangt – von ihm und seinem Begleit-Team. Doch seither ließ ihn der Gedanke nicht los, unbedingt weiter machen zu müssen und noch mehr schaffen zu wollen. Und weil solch ein Lauf für ihn auch eine Symbolik hat, fiel die Wahl diesmal auf Frankfurt am Main als Ziel. Und das hat seinen guten Grund: Dort befindet sich schließlich die Zentrale von KIO, dem Verein, der Betroffenen hilft.

Und das sei wichtig, sagt er. Schließlich hänge mehr dran an solch einer Problematik als die Transplantation an sich, die die Kassen finanziell tragen. Er weiß um das Hoffen und Bangen in den Familien, wenn plötzlich eine Situation eintritt, in der ein Spenderorgan notwendig wird. Eltern wollen dann gerne die Kinder und Jugendlichen auf diesem schwierigen Weg begleiten, ihnen zur Seite stehen. Sie steigen oftmals aus dem Job zeitweise aus, demzufolge fehlt das Geld. Hier hilft KIO. Doch mehr noch. Auch Veranstaltungen mit Betroffenen sowie Familienwochenenden werden organisiert – all das gibt Halt.

Simon weiß, wovon er spricht. Auch seine Partnerin Annett Rosenbusch lebt mit einer Spenderniere. Inzwischen hat sie die dritte Transplantation hinter sich. Beide wissen, was dies für Familien bedeutet. Und mehr noch: In ihrem Freundeskreis wartet zudem ein kleiner Mann auf eine Niere. „Er ist gerade mal zwei Jahre alt und wurde jetzt auf die Warteliste gesetzt“, sagt André Simon. Er und seine Partnerin waren zudem nach dem 2024er-Lauf zum 30. Geburtstag von KIO eingeladen. Die Veranstaltung hat beide erst recht bestärkt, mit ihren Hilfsaktionen weiter zu machen.

Start am Elisabeth-Klinikum

„Dort haben Eltern berichtet, wie sie mit sich gerungen haben, ehe sie bei ihrem eigenen verstorben Kind einer Organspende zustimmten“, erzählt Annett Rosenbusch. „Das geht einem tief unter die Haut.“ Letztendlich sei dadurch aber das Leben einiger anderer Kinder gerettet worden. Und so will das Paar weitermachen und genau diese Hoffnung schenken, damit Betroffene nicht alleine sind.

Der Spendenlauf wird vom 19. zum 20. September stattfinden. Los geht es am Elisabeth-Klinikum in Schmalkalden – und auch das hat Symbolik. Im Krankenhaus am Heimatort war Simons Partnerin schließlich schon oft zur Dialyse. Weiter geht es durch die Stadt in Richtung Aktiv & Vita-Hotel, von hier zur Burg Maienluft bei Wasungen und dann in Richtung Rhön. Bei Oberweid werden er und sein Team die Landesgrenze ins Hessische überqueren.

Mit Frank Hoffmann aus Floh und Stefan Thiele aus Schmalkalden hat er Sportfreunde an seiner Seite, die ihn per pedes bzw. auf dem Rad unterstützen. Zwei Autos sind ebenso mit dabei als Begleitfahrzeuge – dabei natürlich auch seine Partnerin am Steuer und auch Birgit Peuker aus Jena. Simone Hoffmann unterstützt den Tross ebenso. Bestückt sind die Fahrzeuge mit Wechselklamotten, Ersatzfahrrad und einer Menge Esserei wie selbst gemachte Müsli-Riegel, Schmalzbrot, Tee, Suppe, gekochte Kartoffeln, Gewürzgurken und einigem mehr. Unterwegs werden Lauffreunde den Sportler aus Schmalkalden etappenweise begleiten. Diesmal geht es nonstop über 182 Kilometer – fast 60 mehr als beim letzten Mal. Und da war Simon schon gut 17 Stunden am Stück unterwegs. 2500 Höhenmeter sind diesmal zu schaffen.

Der 53-Jährige aus Schmalkalden, der als Assistent der Rewe-Marktleitung arbeitet, hofft und wünscht, dass alles gut läuft und er die Strecke meistert. Jeder Kilometer bringt schließlich Geld.

Jeder kann mithelfen, jeder Euro zählt

Tag für Tag ist er derzeit bei Geschäften und Firmen unterwegs, um Sponsoren für das Projekt zu gewinnen. „So gut wie überall treffe ich dabei auf offene Ohren“, sagt er. Bis zum 2. September hatte er schon 39 Zusagen und nur zwei Absagen. Dabei kann jeder spenden, was er möchte. „Das reicht von 25 Cent bis einen Euro pro Kilometer. Manche wollen auch einen Pauschalbetrag geben“, sagt er. „Jeder Euro zählt.“ Das Geld geht nach dem Lauf direkt an KIO. Von dort kommen auch die Spendenquittungen ab einer Zuwendung von 50 Euro.

André Simon wird weitermachen und hier und da klingeln – und natürlich trainieren. „Gerne können sich auch Leute bei uns melden, die mit spenden wollen“, sagt er. Das Ergebnis vom letzten Jahr wollen er und sein Team gerne deutlich überbieten.

(E-Mail- Kontakt André Simon: simon21 @gmx.net)