Schmalkalden Niemand wird verhungern

Raus aus den Kartoffeln, rein ... Stand gestern: Auch am Gründonnerstag werden die Supermärkte öffnen Foto: Wolfgang Benkert

Am Gründonnerstag werden die Supermärkte nun doch nicht verriegelt – für die Beschäftigten bedeutet die Abkehr von der „Osterruhe“ in erster Linie Arbeit und Stress. Der vorausgesagte Ansturm der Kunden könnte jedoch ausbleiben.

Schmalkalden/Floh-Seligenthal/Steinbach-Hallenberg - Wer hätte das gedacht? In den gestrigen Mittagsstunden revidierte Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre Entscheidung – und so darf am Gründonnerstag in den Supermärkten eingekauft werden. Die „stille Zeit“ an Ostern ist damit aufgehoben. Und so braucht sich in der Osterzeit niemand mehr Gedanken zu machen, seinen Kühlschrank nicht ordentlich mit Lebensmitteln auffüllen zu können.

„Der Gründonnerstag ist für den Einzelhandel der umsatzstärkste Tag im Jahr, noch stärker als vor Weihnachten“, hatte Sven Adam, stellvertretender Leiter des Edeka-Marktes in Steinbach-Hallenberg, am Mittwochvormittag herausgestellt. Der zu diesem Zeitpunkt noch angedachten Schließung der Märkte an dem Tag hatte er nur wenig Verständnis entgegenbringen können. Und so rechnete er für die kommende Woche im Steinbach-Hallenberger Markt mit einem Kundenansturm. „Montag, Dienstag, Mittwoch und Samstag wird es einen Ausnahmezustand geben“, befürchtete Adam. Die Kunden könnten nicht verreisen, müssten zu Hause bleiben und würden sich entsprechend mit Lebensmitteln versorgen. „Essen und trinken muss jeder – für uns als Team wird das alles ein bisschen anstrengend werden“, schätzte Adam die Situation gestern Vormittag realistisch ein und fügte hinzu: „Schön wäre es, wenn sich die Kunden die Einkäufe einteilen würden.“

Um 10 Uhr früh hatte man schon überlegt, in Steinbach-Hallenberg am Ostersamstag früher zu öffnen und später zu schließen. Mittags konnte das Team dort sämtliche Planungen über den Haufen schmeißen. Merkel räumte ihre Entscheidung, den Gründonnerstag zum einmaligen Feiertag umzudeklarieren, als Fehler ein. „Ich habe die Konferenz gesehen“, sagte Sven Adam und konnte sich das Lachen nicht verkneifen. „Ich denke, es ist für alle Beteiligten gut so“, meinte er. Bei diesem Hin und Her könnte man jetzt nur hoffen, dass die Kunden ihre Einkäufe längst anders geplant hätten und der Gründonnerstag etwas entlastet werden würde.

In Sachen Warenversorgung hätte es ohnehin keine Engpässe gegeben. Dem konnte David Zachariae, Edeka-Marktleiter in Floh, nur beipflichten. „Das Bestellen ist bei uns seit einem Jahr ein Lotteriespiel“, berichtete er. Einige Lieferketten funktionierten nicht mehr wie üblich. Man müsse in Nachbarländer gucken, um bestimmte Obst- und Gemüsesorten zu ordern. In dem einen Pandemiejahr habe man viel dazugelernt. Auch David Zachariae gefiel die Schließung am Gründonnerstag nicht. Schon am Dienstag dieser Woche registrierte er viel mehr Kunden als an einem üblichen Dienstag im Markt. „Das Einkaufen am Vormittag ist sonst sehr gechillt“, sagte er. Vorgestern habe man schon um 10 Uhr drei Kassen öffnen müssen. Normal sei etwas anderes. Ursprünglich ging Zachariae davon aus, dass das Kaufverhalten der Leute in dieser und auch in der nächsten Woche so angespannt weitergehe.

Natürlich wird im Edeka-Markt in Floh wie auch in Steinbach-Hallenberg auf Hygiene geachtet und besonders darauf, nicht zu viele Menschen hineinzulassen. In Floh wird dieses Problem über auszuteilende Karten gelöst. Nach Benutzung wandern die in ein Desinfektionsbad. Durch die Aufhebung der Schließung am Gründonnerstag am gestrigen Mittag könne man jetzt möglicherweise darauf verzichten. Trotzdem steht für den Floher Marktleiter fest: „In der Krise zeigt der Mensch Charakter.“ Und noch mehr: Wenn nur ein Schließtag anstehe, würden die Leute automatisch panisch und bildeten sich ein, es könnten bestimmte Lebensmittel nicht mehr da sein. Toilettenpapier und Nudeln habe man ausreichend vorrätig.

Das Mitarbeiterteam in Floh hätte sich in der Krise sehr bemüht und tagtäglich sein Bestes gegeben. Das sei von den Kunden bislang auch sehr wohlwollend aufgenommen worden. Mit andauerndem Lockdown aber zeigten die Menschen immer weniger Verständnis. Und so appelliert David Zachariae an seine Kundschaft, in den nächsten Tagen möglichst gelassen und nur mit Einkaufswagen und Schutzmaske den Markt zu betreten. Auf die Neuigkeiten gestern Mittag reagierte David Zachariae mit dem Satz: „Ich nehme das jetzt einfach mal zur Kenntnis.“

Ines Rothamel, Chefin des Rewe-Marktes in der Schmalkalder Wilhelm-Külz-Straße, fragte ungläubig: „Ist das wirklich so?“ und zeigte sich von Merkels Entschuldigung sehr überrascht. Trotzdem wünschte sie sich für die Einkaufstage vor Ostern, „dass es die Kunden ruhig und besonnen angehen.“ Körbe gebe es im Rewe-Markt in der Schmalkalder Wilhelm-Külz-Straße ausreichend. „Es wird nicht so sein, dass man verhungert“, hatte sie am Mittwochmorgen verkündet. Als feststand, dass die Märkte am Gründonnerstag doch öffnen dürfen, freute sich Ines Rothamel natürlich.

Nach wie vor hofft sie auf das Verständnis der Kundschaft. Für die nächste Woche rechnet sie mit viel Betrieb. Für die Mitarbeiter sei der offene Gründonnerstag natürlich viel angenehmer als wenn es umgekehrt wäre. „Ich habe viele liebe Kunden“, so Rothamel. Insgesamt wünscht sie sich, dass mit der jetzigen Lösung das vorausgesagte Chaos ausbleibt und die Leute ihre Einkäufe ganz entspannt tätigen.

 

Bilder