Schmalkalden - Der Blick vom Balkon ist gigantisch. Er schweift von der Queste mit seinen kleinen, vorgelagerten Gärten über die majestätischen Asbacher Berge bis hin zum langgestreckten Schmalkaldetal. Bei schönem, klaren Wetter kann man sogar die Autos auf der etwa acht Kilometer entfernten Brücke zählen. Gerade diese erstklassige Lage war es, die Mitte der 1980er-Jahre die obere Allendestraße zu einem attraktiven Wohnungsstandort machte. Sauber, modern, trocken und warm, vier Wände für jedermann, egal, ob Zahnarzt oder Verkäuferin: Der Plattenbau war zu DDR-Zeiten begehrt. Bis zum Jahr 1990 hatte der Staat etwa 1,8 Millionen Neubauwohnungen in Plattenbauweise errichtet, seit dem Beschluss des ZKD der SED vom 2. Oktober 1973 war der Wohnungsbau das Kernstück des Sozialprogramms unter Erich Honeckers Ägide. Bis 1990 sollte das Wohnungsproblem gelöst sein. Welch Ironie. Nur wenige Jahre später verließen viele Bewohner fast fluchtartig die standardisierten Wohnungen, kehrten der Betonwüste den Rücken. Zogen auf der Suche nach Arbeit in die Großstadt oder bauten sich im Grünen ein schickes Einfamilienhäuschen. Auch das zwischen den 1970er und 1980er-Jahren entstandene Neubaugebiet Walperloh leerte sich zusehends.
Schmalkalden Mit der alten Platte neue Wege gehen
Susann Schönewald 21.06.2019 - 18:42 Uhr