Schmalkalden-Meiningen Gratis-Schnelltests für alle

, aktualisiert am 11.02.2021 - 16:37 Uhr
Blick auf einen Corona-Schnelltest in einer Teststation. Foto: Vincent Jannink/ANP/dpa/Symbolbild/dpa

Der Landkreis Schmalkalden-Meiningen will allen seinen Bürgern kostenlose Corona-Schnelltests anbieten.

Meiningen – Dazu habe man sich wegen der anhaltend hohen Infektionszahlen entschieden, erklärte Krisenstabsleiterin und Vizelandrätin Susanne Reum am Donnerstagnachmittag in einer Mitteilung. Demnach sollen am 22. Februar drei stationäre Testzentren in Schmalkalden, Meiningen und Zella-Mehlis eröffnen, die man ohne Anmeldung aufsuchen können soll – Ausweis reicht. Mit Wartezeiten sei allerdings zu rechnen. Zusätzlich sollen mobile Testteams im Landkreis unterwegs sein. „Neben der flächendeckenden Einhaltung der Hygieneregeln sind Schnelltests in der Breite momentan die einzige Möglichkeit, die Fallzahlen mittelfristig deutlich zu senken, da auf diese Weise Infektionsketten frühzeitig unterbrochen werden können“, sagte Reum. Zunächst halte man 600 bis 800 Tests pro Woche bereit, sagte eine Sprecherin der Kreisverwaltung auf Nachfrage. Derzeit könne man noch nicht einschätzen, wie viele Bürger das Angebot wie oft annehmen werden. Je nach Beteiligung werde man diese Kalkulation gegebenenfalls überprüfen. Nach unbestätigten Angaben aus Kreisen der Kommunen rechnet das Landratsamt mit Kosten von 150.000 Euro für die Aktion.

Bundesweit ist Schmalkalden-Meiningen damit einer der ersten Landkreise, die ein solches flächendeckendes Gratis-Angebot machen. Vorbilder für diese Eindämmungsstrategie sind die Städte Tübingen und Rostock sowie der Landkreis Pfaffenhofen bei München. Zuvor hatte das Landratsamt eine Schnellteststrategie angekündigt; dass das Angebot nun aber flächendeckend und gratis gilt, war eine Überraschung.

Testen lassen können sich alle Einwohner Schmalkalden-Meiningens ab dem 7. Lebensjahr, sofern sie keine Symptome wie Trockenhusten, Fieber oder Geruchs- oder Geschmacksverlust aufweisen. Bürger aus Nachbarkreisen oder aus der Stadt Suhl werden nicht zum Test zugelassen. Die Schnelltest-Teams sollen auf Wunsch auch Antigen-Schnelltests in Unternehmen und Kindergärten  durchführen, gegen eine Kostenbeteiligung von 8,50 Euro pro Person. Fällt der Antigen-Schnelltest positiv aus, soll dem Landratsamt zufolge vor Ort direkt ein ordentlicher PCR-Test abgenommen werden. Vor Ort würden die üblichen Hygieneregeln wie bei den bisherigen Abstrichstellen eingehalten, hieß es. Eingesetzt werde medizinisches Personal von Bundeswehr und Rotem Kreuz.

Schmalkalden-Meiningen hat knapp 125.000 Einwohner und ist nach Erfurt und dem Kreis Gotha die größte Kommune Thüringens. Mit einem Inzidenzwert von derzeit 247 gehört der Landkreis zu den vier am stärksten von der Pandemie betroffenen Regionen Deutschlands, gefolgt vom Nachbarkreis Hildburghausen. Der Wert sind in den vergangenen Tagen zwar leicht gesunken, aber weitaus weniger stark als in anderen Regionen. Nur im Nordosten Bayerns sind die Infektionszahlen noch höher. Allein am Mittwoch wurden in Schmalkalden-Meiningen wieder 75 neue Infektionen sowie vier Todesfälle registriert. Knapp 400 Landkreisbürger gelten derzeit als erkrankt und sind in Quarantäne.

Massenhafte Schnelltests haben zur Folge, dass die Fallzahlen statistisch zunächst stark ansteigen, da - bestätigt durch die anschließenden PCR-Tests - zusätzliche Fälle aufgedeckt werden, die ohne eine solche Aktion unerkannt geblieben wären. Zudem erhoffen sich die Gesundheitsämter bei ausreichender Beteiligung ein besseres Bild darüber, wie und wo das Infektionsgeschehen vonstatten geht. „Ich hoffe, dass das Angebot  von vielen wahrgenommen wird, um so das Infektionsgeschehen im Landkreis eindämmen zu können“, wünscht sich Landrätin Peggy Greiser. Auch in Hinblick auf mögliche Lockerungen, die in der jüngsten Bund-Länder-Konferenz anhand des Inzidenzwertes 35 festgemacht wurden, seien Maßnahmen wie diese ein wichtiger Schritt zum Weg aus der Krise.  

So genannte Antigen-Schnelltests liefern bereits nach wenigen Minuten ein Ergebnis. Sie sind wesentlich unzuverlässiger als die üblichen PCR-Tests. Deswegen werden positive Schnelltest-Ergebnisse zusätzlich mit einem PCR-Test überprüft. Erst wenn dieser auch positiv ausfällt, gilt der Betroffene als infiziert und geht in die Corona-Fallstatistik ein. Positiv Schnellgetestete müssen dennoch zunächst in Quarantäne, die sie wie wieder verlassen können, sobald ein negativer PCR-Test vorliegt. Auch ein negativer Schnelltest ist nur eine Momentaufnahme, daher appelliert das Landratsamt auch in diesem Fall daran, die Abstands- und Maskenregeln einzuhalten.

>> Linke-Politikerin fordert kostenlose Schnelltests für alle

 

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