Schmalkalden „Kommen Sie an den Verhandlungstisch“

Annett Recknagel

Mit einer „Aktiven Mittagspause“ forderten Mitarbeiter des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) Schmalkalden die Geschäftsführung des Elisabeth Klinikums am Mittwoch erneut zu Tarifverhandlungen auf. Beschäftigte des Klinikum zeigten sich mit ihren Kollegen solidarisch.

Die Forderungen der Belegschaft des MVZ in Schmalkalden sind auf den schildern offensichtlich – am Mittwoch nutzten sie die Mittagspause, um auf ihre Rechte in Sachen Tarifvertrag aufmerksam zu machen. Foto: Annett Recknagel

Simone Schultz, Angestellte im Elisabeth Klinikum Schmalkalden, arbeitet bei ambulanten Operationen Hand in Hand mit Kolleginnen des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) und wird laut Tarifvertrag bezahlt. Der trifft aber nicht auf ihre Kolleginnen vom MVZ zu, obwohl sie die gleiche Tätigkeit ausüben. Letztendlich gehen die MVZ-Angestellten mit 1000 Euro weniger im Monat nach Hause.

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„Es ist demokratisch legitimiert, einen Tarifvertrag umzusetzen“, erklärte Hannes Gottschalk, zuständiger Gewerkschaftssekretär von Verdi am gestrigen Mittwoch in Schmalkalden. Mit einer „Aktiven Mittagspause“ forderten die Mitarbeiter des MVZ die Geschäftsleitung des Elisabeth Klinikums erneut zu Tarifverhandlungen auf.

Warnwesten, Trillerpfeifen, Armbänder und Schilder waren schnell verteilt. Dazu 60 Unterschriften von Kollegen aus dem Klinikum, die ihre Solidarität mit den MVZlern bekundeten. Einige von ihnen waren bei der Aktion selbst mit dabei. „Keine MFA (Medizinische Fachangestellte) zum Schnäppchenpreis“, „Ein Klinikum – eine Belegschaft“, „Keine Willkür bei der Lohngestaltung“, „Faire Bezahlung ist unser Ziel!“ - das und mehr stand auf Schildern und brachte das Anliegen der Veranstaltung zum Ausdruck.

„Es ist ein Vorgeschmack darauf, was eventuell kommen könnte“, kündigte Gottschalk an. Bereits am 10. Januar habe man den Geschäftsführer des Klinikums, Thomas Fickel, zu Tarifverhandlungen aufgefordert. „Im MVZ gibt es keinen Tarifvertrag – die Arbeitsbedingungen werden bei jeder Person anders angewandt und angepasst“, erläuterte Gottschalk. Fickel habe in einem Schreiben an die Gewerkschaft deutlich gemacht, auf Tarifverhandlungen zu verzichten und das selbst machen zu wollen. „Das ist eine Ablehnung“, tönte Hannes Gottschalk und der Chor der Akteure antwortete mit einem lautstarken „Puhhhh“.

Mit der „Aktiven Mittagspause“ soll Fickel erneut zu Verhandlungen aufgefordert werden. „Es kann ja auch einen Kompromiss geben“, so Gottschalk. An die Beschäftigten gewandt, meinte er: „Eure Tätigkeit ist Daseinsfürsorge und muss entsprechend entlohnt werden.“ Der Landkreis habe sich entschlossen, das Klinikum zu halten. Das MZV sei ausgegliedert worden, „um eure Löhne zu drücken. Lasst euch das nicht gefallen“, sagte Gottschalk und sprach von einer möglichen Streikwelle, die man aber gar nicht anstrebe. „Herr Fickel – wir wollen verhandeln – ich fordere Sie auf, kommen Sie an den Verhandlungstisch“, verkündete er. Und weiter: „Wir können streiken, wenn wir wollen und wir werden es auch tun, wenn wir es tun müssen.“

Schwester Petra Hönicke vom MVZ bekräftigte, für ihre jungen Kolleginnen in den Arbeitskampf zu gehen. „Wir wollen einfach eine gerechte Entlohnung für eine hervorragende Arbeit, die jeder hier täglich leistet“, sagte sie. Schließlich sollte ein jeder nach 45 Arbeitsjahren eines Tages eine Rente bekommen, die ein würdiges Leben garantiere, ohne an die Tafel zu müssen. Lara Albert, Vorsitzende des Kreisverbandes des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) überbrachte solidarische Grüße vom Kreisverband und wünschte viel Kraft beim Arbeitskampf.

Hannes Gottschalk teilte am Rande der „Aktiven Mittagspause“ mit, dass die Tarifkommission beschlossen habe, den bisher bestehenden Tarifvertrag für alle Beschäftigten des Klinikums zum 30. Juni zu kündigen. Verhandlungen seien unvermeidbar.