Schmalkalden Hausbetreuer gesucht

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Günter Pfaff kann viel über die Geschichte eines der ältesten deutschen Häusererzählen. Foto: Wolf/acw

Interesse an Historie und Leuten? Im Fachwerkerlebnishaus in Schmalkalden suchen die 13 Hausbetreuer Verstärkung. Ein Ehrenamt, das als Lohn strahlende Gesichter der Besucher verspricht.

Wenn er die schwere Holztüre aufschließt, den Laden öffnet und das Licht in die Eingangshalle hereinlässt, ist Günter Pfaff zu Hause. Obwohl er nicht in der Weidebrunner Gasse 13 wohnt. Als Hausbetreuer fühlt er sich dennoch wohl im alten Gemäuer mit den modernen Akzenten und weiß: „Es sind die Begegnungen und Geschichten, die den Reiz ausmachen.“

Seit 2013 wurde das Fachwerkerlebnishaus, eines der fünf ältesten Häuser in Thüringen, nach aufwendiger Restaurierung wieder geöffnet, als das, was es ursprünglich war – ein Handels- und Wohnhaus. Seitdem beeindruckt es seine Gäste mit der Verbindung aus neuer und historischer Architektur. Dies liest man im Gästebuch, in dem sich Besucher aus Berlin, Hannover oder Zürich verewigt haben. „Danke für die Führung mit Leib, Seele und Humor“, steht da. Genau das ist es, was den Besuch ausmacht.

Von Dienstag bis Samstag wird das Objekt von 11 bis 17 Uhr von engagierten Leuten betreut, die Geschichten erzählen, bauliche Besonderheiten erläutern oder Tipps geben, was sonst noch in Schmalkalden zu sehen ist. „Jeder hat seinen eigenen Zugang, ich mehr über die Technik, andere über die Bewohner, die das Haus einst hatte“, berichtet der studierte Ingenieur von den Eigenarten der Betreuer. Es gebe einen großen Rahmen, den man je nach Vorliebe ausschmücken könne. „Einfach vorbeikommen, alles anschauen und unsere Rundgänge begleiten“, ruft Pfaff auf. Unterlagen zum Nachlesen gibt es reichlich, einen Lehrgang oder eine Prüfung müsse man nicht ablegen. „Wir sind froh über jeden, der Geschichte mag und gerne mit Leuten ins Gespräch kommt.“ Gerade während der Urlaubszeit oder bei hohem Krankenstand sei es schwierig, die Lücken an Freiwilligen zu füllen. Eine Schicht von drei Stunden in der Woche würde bereits helfen, vormittags oder nachmittags ist möglich.

Gerade in letzter Zeit sei wieder viel los im Haus, „manchmal sind es bis zu 25 Gäste gleichzeitig“, verrät Pfaff. Zum mittelalterlichen „Mainachtsmarkt“ hatte er so große Nachfrage verspürt, dass er spontan sonntags die Pforten öffnete. An diesem Tag seien 150 Gäste durch die Türe geschritten. Von vielen kann auch der routinierte Experte noch etwas lernen. Ein ehemaliger Dozent der Bauhaus-Universität Dessau hatte ihm einiges über die Statik zu berichten, eine der letzten Bewohnerinnen stattete ihrem ehemaligen Wohnsitz einen Besuch ab und gab einige Erinnerungen preis.

Und davon gibt es in dem alten Gemäuer viele. Denn im Kern stammt das dreieinhalbgeschossige Gebäude aus dem 14. Jahrhundert (1369/70), damit zählt es zu den ältesten deutschen Häusern überhaupt. Die Mixtur von Ständer- und Stockwerkbauweise zeichnen das Fachwerkhaus als seltenes Zeugnis der Baukunst aus. Die Kellergewölbe gehen auf eine Vorgängerbebauung zurück, die auf 1270 datiert wird. „Es gibt immer wieder etwas Neues zu erleben“, sagt Pfaff. Wer Interesse hat, als Hausbetreuer mitzuwirken, kann sich bei Günter Pfaff melden, Tel. 0170/1916801.

 

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