Schmalkalden Ein bisschen verrückt

Annett Recknagel

Bei strahlend blauem Himmel tummelten sich die Gäste am Wochenende auf dem Mittelaltermarkt im Schmalkalder Westendpark.

Seine Elixiere sind berüchtigt. Allein die Farben ziehen an. Grasgrün, himmelblau, knallrot. Honiggelb ist neu. Und: „Von der Unterseite der Erdenscheibe, denn auch dort leben Menschen“, sagt Malus Domesticus alias Andreas Schommer aus dem Saarland und fügt hinzu: „Man muss schon ein bisschen verrückt sein.“

Als schönster Methändler auf der Erdenscheibe durfte er zum jüngsten Mittelaltermarkt im Westendpark in Schmalkalden nicht fehlen. Wobei Schommer immer gerne nach Thüringen kommt. Ob Breitungen oder Schmalkalden – er fühlt sich hier wohl. Und bleibt diesmal gar eine Woche. Denn die nächste Station am Samstag ist Sünna. „Hier ist es so schön. Ich hab hier einen meiner besten Freunde kennengelernt“, erzählt er. Natürlich auf dem Mittelaltermarkt.

Was es alles gibt? Im Westendpark konnte man am Samstag und am Sonntag so manches neue Gesicht treffen. Marbun, den Gaukler, beispielsweise. „Ich habe hier drei arabische Kisten aus Italien – remade in China“ – verrückt eben. Genauso wie der Bettler. In seinem Furcht erregenden Outfit hinkte er von Stand zu Stand. Ein Fuß in Lappen, der andere kohlenschwarz. Verrückt eben. Barde Arno trällerte und zupfte mit seinen Fingern an seinem Instrument. Neben sich den treuen Hund. Das Duo dürfte den meisten bekannt sein. Ebenso die mittelalterlichen Bands „Irregang“ und „Agentum ferrum“.

Beim genauen Hinschauen entdeckte man die tollsten Fußbekleidungen. Auch edle Gewänder und atemberaubende Kopfbedeckungen zogen die Blick an. Freilich musste man auch eine Portion Irrsinn verkraften – der Eierknacker war ebenso anwesend wie die Madame mit dem Mäuseroulette. Kinder durften Drachen jagen, Bogen schießen, sich als Ritter verkleiden, Riesenrad und Karussell fahren. „Für alle Kindlein zwischen sechs und 96 gibt es etwas“, proklamierte der Herold und fuhr fort: „Volk zu Schmalkalden lasst euch sagen, in diesen Tagen gibt’s ein Fest – der Wirt hat immer volle Krüge.“

In unmittelbarer Nähe der Taverne stand die vegetarische Hütte. Zuckerwatte, Eis, gebrannte Mandeln, Waffeln lockten die Süßen an. Ritterwurst, Saubraten, Bauernkäse waren eher was für die Freunde deftigen Geschmacks. Dazu gesellten sich jede Menge Handwerker und Spielleute. Es ließ sich nach Herzenslust flanieren. Der Herold war’s zufrieden, lobte die Gegebenheiten. Wobei er auch gern wieder in der Innenstadt gewesen wäre. Die Bauarbeiten in der Weidebrunner Gasse aber verhinderten das in diesem Jahr. 2023 ist es wieder möglich.

Die Gäste ließen aber auch im Westendpark nicht lange auf sich warten. Der Markt öffnete schon eine ganze Stunde früher und war sehr gut besucht. Neu war diesmal auch eine Harfenspielerin. Insgesamt zogen 36 Stände die Aufmerksamkeit der Gäste an. Dazu kamen zwei Lager. Für Spaß und viel Gelächter war gesorgt. Man konnte abschalten und die Sorgen vergessen. Manch einer ließ sich neu einkleiden. Gewänder gab es ausreichend. „Denkt an Weihnachten und kauft jetzt schon Felle“, posaunte der Herold. Schmuck, Steine, Lederbeutel, Hüte, Becher und vieles mehr wurden angeboten. „Es ist verboten, hohe Herrschaften anzusprechen, anzufassen oder gar zu beleidigen“, hörte sich das Volk die Regeln an und war’s zufrieden. Jubel an allen Ecken. Ein Fest mit viel Programm. Lorraine Medievale, die Agentur für Mittelaltermärkte, hatte ihre Hausaufgaben erledigt.

 

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