Tierauffangstation Schmalkalden Damit es Gandalf wieder gut geht

Laura Wilhelm hat Gandalf schon in ihr Herz geschlossen. Foto: Annett Recknagel

Seit voriger Woche lebt ein Kangal-Hirtenhund in der Schmalkalder Tierauffangstation. Die Eisenacherinnen Marisa Metze und Ines Röhle vermittelten das Tier und retteten ihm so das Leben.

Schmalkalden - „Ich bin ja richtig verliebt in den Hund“, erzählt Marisa Metze und freut sich, dass es Gandalf jetzt in der Tierauffangstation in Schmalkalden so gut geht. Gemeinsam mit Ines Röhle hat sie den Hund, der im Normalfall über 70 Kilogramm auf die Waage bringen kann, aus schwierigen Verhältnissen gerettet.

Sein jämmerliches Bellen hinter einem kleinen Eisenacher Laden war ihr bereits Anfang März aufgefallen. Sofort hatte sie sich dort umgesehen. Natürlich mit Erlaubnis des Besitzers, der aber offenbar mit der anspruchsvollen Rasse überfordert war. Denn was sie dort entdeckte, machte sie traurig. Gandalf war in einem winzig kleinen Hinterhof angeleint. Ringsum türmte sich Unrat über Unrat. „Das war echt kein Aufenthaltsort für einen Hund“, stand für Marisa Metze fest. Seine traurigen Augen fielen ihr sofort auf.

Schon auf dem Heimweg sei sie völlig aufgelöst gewesen. „Ich habe geheult“, erinnert sie sich. Der Plan, den Hund von dort wegzuholen, stand für sie relativ schnell fest. „Ich habe alle Hebel in Bewegung gesetzt“, sagt sie. Telefonate mit dem Veterinäramt folgten. Auch ganz engagierte Tierschützer lernte sie bei ihren Bemühungen um den Hund kennen. Freilich schaute sich Marisa Metze auch im Eisenacher Tierheim um. Das aber sagte ihr nicht zu.

Gandalfs Schulterhöhe misst immerhin 83 Zentimeter. „Er braucht Auslauf“, weiß sie. Bei solch einer Größe ist das nicht so einfach umsetzbar. Schließlich bekam die zweite im Bunde, Ines Röhle, einen Tipp, es doch einmal in der Tierauffangstation in Schmalkalden zu versuchen.

Ein Telefonat genügte. Christel Schumann war sofort offen dafür. Seit der vorigen Woche fühlt sich Gandalf in der Tierauffangstation im Eichelbach wohl. „Die ersten Tage hat er nicht gefressen, aber mittlerweile klappt das gut“, war von Christel Schumann zu erfahren. Gandalf ist ein Kangal-Hirtenhund. Heißt: Er gehört in eine Schafherde.

Die Rasse stammt aus der Türkei und wurde dort zum Hüten und zum Schutz von Viehherden eingesetzt. Fragt man Google, lernt man viel über das Wesen dieser Hunderasse, die als beschützend, selbstbeherrscht, empfindlich, ruhig und eigenständig beschrieben wird. Momentan aber sei das bei Gandalf allerdings überhaupt nicht der Fall.

„Starr geht sein Blick in die Ferne, seine Augen sind ganz müde“, so beschreibt Christel Schumann das Tier auf der Facebook-Seite des Tierschutzvereins, nachdem der Hund in Schmalkalden ankam. Zudem erschreckte er sich vor alltäglichen Dingen, war unsicher, wirkte abwesend und in sich gekehrt. Das aber sei zum Glück schon etwas in den Hintergrund getreten. Die gute Pflege dort macht sich bemerkbar. Die Mitarbeiter bemerkten die Freude in den tierischen Augen, wenn sie Gandalf früh morgens begrüßten. Ganz wichtig sei es, dem Tier Zuwendung zu schenken, wissen die Mitarbeiter der Tierauffangstation.

Umgesetzt werde das durch kleine Spaziergänge und Spiele. Zudem würden ihm gekochte Leckereien angeboten. „Damit sein Appetit wiederkommt“, erklärt Christel Schumann. Gandalf hat tagsüber Auslauf. In der Tierauffangstation soll er jetzt erst mal zu sich selbst finden. Zudem muss er unbedingt zunehmen. Derzeit habe er Untergewicht – seine Rippen sind unterm Fell gut zu erkennen. In der Tierauffangstation im Eichelbach hat er ein neues Zuhause bekommen. Was jetzt noch fehlt, ist ein Übersprunggitter. Über Spenden soll es angeschafft werden. Marisa Metze hat eine private Aktion schon am Laufen und konnte für das Tier schon 800 Euro sammeln.

Natürlich besucht sie ihren tierischen Freund nun auch in Schmalkalden so oft es geht. „Dort, wo er jetzt ist, das ist echt ein Traum“, lobt sie die Bedingungen im Eichelbach. Dass Gandalf bei Christel Schumann und ihrem Team in guten Händen ist, weiß sie.

Und Gandalf wird erst einmal im Eichelbach bleiben. Marisa Metze steht in Kontakt mit einer Schäferin aus Baden-Württemberg. Möglicherweise kann der Hund dorthin umziehen und wie es sein sollte, Schafe beschützen.

 

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