Schmalkalden Bestialisch stinkender, gärender Brei auf Fassade und Straße

In Schwallungen ist am Dienstagabend ein mit Gärsubstrat beladener Lkw-Tank explodiert. Verletzt wurde niemand, verschmutzt viel. Der Gestank der gärenden Brühe war bestialisch.

Schwallungen - Die Meldung "Lastwagen in Ortslage explodiert" führte am Dienstag gegen 17 Uhr zu einem Großeinsatz der Feuerwehren in Schwallungen. Neben der örtlichen Wehr und den Kräften aus Zillbach, Eckardts und Schwarzbach rückten die Feuerwehr der Nachbarstadt Wasungen sowie Kräfte der Stützpunktwehr Schmalkalden aus. Über der abgesperrten Werrabrücke in Schwallungen zuckte das Blaulicht von 14 Feuerwehrfahrzeugen. Ein Rettungswagen stand außerdem bereit, die Polizei war mit zwei Streifenwagen gekommen. Doch viel zu tun gab es für die insgesamt 61 Einsatzkräfte vor Ort zunächst nicht.

Kurz vor 17 Uhr hörten Schwallunger einen kräftigen Knall. Ein Lastwagen aus Cloppenburg in Niedersachsen war gerade über die Werra-brücke gefahren und bog links in Richtung Schwarzbach ab. In der Kurve explodierte der Tank. Der Brei aus fein zerkleinerten, gärenden Essensresten muss einen großen Druck in der Metallröhre aufgebaut haben. In der Linkskurve platzte der Tank auf der rechten Seite auf. Ein mehrere Quadratmeter großes Stück der Metallhülle legte sich nach links über die Röhre, als wäre es weich wie Stoff. Nach rechts ergoss sich der Brei. Er traf das orangefarbene Eckhaus, riss Zaunfelder im Vorgarten um, schwappte auf die Fassade, gegen Fenster und bis hinauf zum Dach. Er floss in die Bahnhofstraße und bespritzte das Eckhaus gegenüber, den Zaun, den Schaukasten. Ein Stück weiter kam der Lastwagen zum Stehen, die Räder zentimeter- tief im gärenden Substrat.

Bürgermeisterin Martina Pehlert hatte kurz vorher noch eine Besprechung mit Schwallunger Feuerwehrleuten, als der Alarm ausgelöst wurde. Sie begab sich ebenfalls sofort zur Unfallstelle. Der Fahrer des Lkw war offensichtlich mit dem Schrecken davongekommen, Pehlert plädierte dennoch dafür, dass er sich medizinisch untersuchen lässt. Dann habe sie versucht, "die Anwohner zu beruhigen", darunter ihre Schwester. In deren Haus sei der Brei bis in den Keller gelaufen, "der Gestank ist bestialisch", urteilte die Bürgermeisterin.

Die Einsatzleitung hatte der Schwallunger Ortsbrandmeister Mario Möller übernommen. Doch die Wehrleute konnten zunächst kaum etwas tun. Absperren und absichern, lauteten die Aufgaben.

Auch Börje Scholz, Niederlassungsleiter der Firma Refood, war vor Ort. Der Tanker aus Cloppenburg hatte seine Firma als Ziel, das Gärsubstrat sollte in die Biogasanlage von Refood in Schwallungen eingespeist werden. Der Lastwagen mit der Kennzeichnung "Cat. 3 - Nicht für den menschlichen Verzehr" gehöre jedoch nicht zu seiner Firma, sagte Scholz. "Es ist nicht mein Fahrzeug und nicht mein Fahrer", betonte er. Refood sei lediglich Adressat der Lieferung gewesen.

Dennoch versuchte der Niederlassungsleiter, Hilfe zu organisieren. Gut zwei Drittel der 25 Tonnen Gärsubstrat hat die Explosion aus dem Tank geschleudert, schätzte er. Um es fachgerecht zu beseitigen, wurden Saugwagen bestellt. Scholz organisierte außerdem Mitarbeiter, die mit Schaufeln, Gummistiefeln und Handschuhen gegen den Brei ankämpfen sollten.

Gegen 19 Uhr waren vier Saugwagen im Einsatz. Außerdem eine ganze Reihe von Anwohnern mit zusammen gut 20 Schneeschiebern, wie Bürgermeisterin Pehlert berichtete. Refood sei mit einem "großen Aufgebot" dabei, und auch der Fahrer selbst. Bis es dunkel wird, schätzte die Bürgermeisterin ein, könnte die Straße eventuell wieder freigegeben werden.

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