Schlüsselblumen und Kelten Die Wunderblume findet sagenhafte Schätze in Meiningen

Schlüsselblumen bedecken in diesen Tagen die Wiesen in Südthüringen. Besucher aus dem Norden beneiden diese Pracht. Da sind sie nicht die einzigen: Schon die keltischen Druiden wussten um die Magie der Pflanze. wir verraten, wie sie den Zauber zelebrierten. Vor mehr als 2000 Jahren haben die Kelten auch Südthüringen bewohnt und den Dolmar bei Meiningen als heiligen Berg verehrt. Dort blühen heute besonders viele Schlüsselblumen.

Kühndorf - Schlüsselblumen sollen schon von den keltischen Druiden gesammelt worden sein. Dies musste mit bloßen Füßen und nüchtern geschehen. Hatte man sie gepflückt, musste man sie sofort im Gewand verbergen, damit ihre Kraft als Heilmittel erhalten blieb. Vermutet wird tatsächlich, dass die Essenz der Schlüsselblumen die Aufnahme anderer Heilkräuter erleichtern sollten.

In früheren Zeiten galten Blumen, die im Frühjahr blühten, als besonders wirkmächtig. Bei den Kelten hatte die Schlüsselblume bei Frühlingsfesten eine kultische Funktion. Unter anderem bereitete man aus ihr zu diesem Anlass ein berauschendes Getränk.

Auch der „Trank der Begeisterung“ ist überliefert. Das alkoholische Gebräu reichte man bei der Weihe eines Druiden. Mit der entsprechenden „Fahne“ hauchte man dem Neuling dann die Begeisterung für seine Berufung ein. Wurzeln und Blätter wirkten ja vor allem entspannend und angstlösend.

Wahrscheinlich spielten sie auch eine wichtige Rolle im Zaubertrunk, den Miraculix in den Asterix-Comics braute. In so einen war der Kelte Obelix als Kind gefallen und hatte danach unmenschliche Muskelkräfte.

Die Meininger Sage und große Schätze

Die Schlüsselblume symbolisierte im Volksglauben Glück, Wohlstand und Schutz. Kaum eine andere Pflanze wird so sehr mit Reichtum in Verbindung gebracht, wie eine Meininger Sage belegt, die von Ludwig Bechstein aufgeschrieben wurde:

Bei Meiningen ist ein Bergwald gelegen, darinnen liegt eine alte wüste Burgstätte mit einem gar tiefen Felsenbrunnen. Das soll ein Raubschloss gewesen sein; dicht unter ihm zog die alte Frankenstraße hin, und das stand in Verbindung mit der alten Burg Landswehr, die nahe dabeiliegt.

Im Schoße beider Burgen sollen noch große Schätze liegen. Dort lässt sich nun alle hundert Jahr die sogenannte Haßfurtjungfer sehen, in weißer Kleidung mit einem Schlüsselbund; ein schwarzer Hund folgt ihr bisweilen.

Wenn die Zeit da ist, wo sie erscheinen darf, ist ihr vergönnt, ein ganzes Jahr lang zu wandeln, dann wird sie häufig erblickt auf der alten Burgstätte, wie in der Waldung und unten im Tale und bemüht sich, Menschen zu finden, welche den Schatz heben, denn an die Hebung des Schatzes ist ihre Erlösung geknüpft.

Vor mehr als hundert Jahren hatten einige Prinzen ein Jagen angestellt, und der Hofjäger war mit mehrern Burschen voraus, das Nötige anzuordnen. Als das geschehen, harrten die Jäger der Herrschaft an einer geeigneten Stelle, und zwar unter dem Berg, darauf damals noch die Trümmer der Haßburg standen, da wurden die Weidgesellen geworfen, erst mit Erde, dann mit Mörtel und kleinen Steinen.

Sie glaubten, es seien Kameraden von ihnen da oben versteckt und neckten sie; aber das Werfen hörte nicht auf, und es kamen immer größere Steine geflogen. Da schalt der Hofjäger und eilte den Berg hinauf, mitten durch den Steinregen. Oben aber war niemand, und es warf nicht mehr und war alles totenstill. Und wie er sich umwandte, siehe, so stand schleierweiß die Haßfurtjungfrau vor ihm, nur einen Augenblick, und von ihrem Schlüsselbund fiel ein Schlüssel; schnell verschwand sie. Der Jäger sah zur Erde, da lag der Schlüssel wirklich, und zwei schöne goldgelbe Blumen standen da.

Er hob den Schlüssel auf, achtete aber der Blumen nicht. Unterdes war die Herrschaft unten im Tale angekommen, und er eilte zurück und zeigte seinen Fund. Stand weiter nichts dabei? fragte gleich einer aus dem Zuge. – Ja, zwei gelbe Blumen, antwortete der Finder. – Hättet Ihr diese gepflückt, wäret Ihr glücklich gewesen! – Flugs eilte der Hofjäger wieder den Berg hinauf, die Blumen zu pflücken, sie standen aber nicht mehr da.

Oft soll die Haßfurtjungfrau erschienen sein; der Schatz ist noch ungehoben, vergebens sucht man den Zugang zum Burgkeller. Einem fremden Schlossergesellen, der nie in diese Gegend gekommen war, träumte einst, dass unter den Ruinen der Haßburg ein großes Gewölbe sei voll Rüstzeug, Waffen und Gold; er solle hingehen und den Schatz heben. Zum Wahrzeichen werde er ein Messer mit hirschhornenem Griff finden. Er ging in den Wald, fand die Burg und das Messer, aber es lag auf einem Felsen, und er wusste weiter nichts damit anzufangen.

Ganz ähnlich wird dieselbe Sage vom Landsberg erzählt. Dort stand dem beglückten Hofjäger schon der Berg offen, er wollte eben hinein, da hörte er unten im Tale die Jagdhörner, die Herrschaft war da, und er glaubte vom Landesherrn seinen Namen laut rufen zu hören, steckte den Schlüssel ein, die Blume auf den Hut und eilte zurück.

Als die Jagd vorbei und der Kammerherr des Dienstes ledig war, ritt er eilig wieder auf den Landsberg und suchte die Türe, die hinter ihm zugefallen war. Aber er fand sie nicht wieder und fand, dass er auch die Blume verloren habe. Keine zweite Glücksblume wuchs für ihn, und er zog traurig heim. Der alte Schlüssel, sagen einige, soll noch vorhanden sein und in einem Archiv liegen.

Kleiner Steckbrief der Schlüsselblume

Die Echte Schlüsselblume (Primula veris) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Primeln. Sie ist in weiten Teilen Europas und Vorderasiens verbreitet. Sie steht unter Naturschutz und darf nicht gesammelt werden.

Die Blütezeit erstreckt sich von April bis Juni. Fünf bis zwanzig Blüten sind in einer Dolde angeordnet. Die Echte Schlüsselblume wächst meist in Gruppen als ausdauernde, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von acht bis 30 Zentimetern erreicht. Aus dem Fruchtknoten entwickelt sich eine fünf bis zehn Millimeter lange, vom Kelch umgebene, Kapselfrucht.

Die Schlüsselblume gedeiht am besten auf kalkhaltigen, stickstoffarmen, lockeren Lehmböden mit reichlicher Humusbeimischung. Als Standorte werden Raine, Halbtrockenrasen, trockene Wiesen, lichte Laubwälder, Waldränder und Waldschläge bevorzugt. Sie steigt von der Ebene bis zu Höhenlagen von 1700 Metern.

Die Schlüsselblume dient mehreren Schmetterlingsraupen als Futterpflanze, darunter der Raupe der Silbergrauen Bandeule und des Schlüsselblumen-Würfelfalters. Beide sind in ihrem Bestand gefährdete Arten.

Drüsenhaare an Blättern und Blütenstielen können bei empfindlichen Menschen Jucken auslösen.

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