Er hob den Schlüssel auf, achtete aber der Blumen nicht. Unterdes war die Herrschaft unten im Tale angekommen, und er eilte zurück und zeigte seinen Fund. Stand weiter nichts dabei? fragte gleich einer aus dem Zuge. – Ja, zwei gelbe Blumen, antwortete der Finder. – Hättet Ihr diese gepflückt, wäret Ihr glücklich gewesen! – Flugs eilte der Hofjäger wieder den Berg hinauf, die Blumen zu pflücken, sie standen aber nicht mehr da.
Oft soll die Haßfurtjungfrau erschienen sein; der Schatz ist noch ungehoben, vergebens sucht man den Zugang zum Burgkeller. Einem fremden Schlossergesellen, der nie in diese Gegend gekommen war, träumte einst, dass unter den Ruinen der Haßburg ein großes Gewölbe sei voll Rüstzeug, Waffen und Gold; er solle hingehen und den Schatz heben. Zum Wahrzeichen werde er ein Messer mit hirschhornenem Griff finden. Er ging in den Wald, fand die Burg und das Messer, aber es lag auf einem Felsen, und er wusste weiter nichts damit anzufangen.
Ganz ähnlich wird dieselbe Sage vom Landsberg erzählt. Dort stand dem beglückten Hofjäger schon der Berg offen, er wollte eben hinein, da hörte er unten im Tale die Jagdhörner, die Herrschaft war da, und er glaubte vom Landesherrn seinen Namen laut rufen zu hören, steckte den Schlüssel ein, die Blume auf den Hut und eilte zurück.
Als die Jagd vorbei und der Kammerherr des Dienstes ledig war, ritt er eilig wieder auf den Landsberg und suchte die Türe, die hinter ihm zugefallen war. Aber er fand sie nicht wieder und fand, dass er auch die Blume verloren habe. Keine zweite Glücksblume wuchs für ihn, und er zog traurig heim. Der alte Schlüssel, sagen einige, soll noch vorhanden sein und in einem Archiv liegen.
Kleiner Steckbrief der Schlüsselblume
Die Echte Schlüsselblume (Primula veris) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Primeln. Sie ist in weiten Teilen Europas und Vorderasiens verbreitet. Sie steht unter Naturschutz und darf nicht gesammelt werden.
Die Blütezeit erstreckt sich von April bis Juni. Fünf bis zwanzig Blüten sind in einer Dolde angeordnet. Die Echte Schlüsselblume wächst meist in Gruppen als ausdauernde, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von acht bis 30 Zentimetern erreicht. Aus dem Fruchtknoten entwickelt sich eine fünf bis zehn Millimeter lange, vom Kelch umgebene, Kapselfrucht.
Die Schlüsselblume gedeiht am besten auf kalkhaltigen, stickstoffarmen, lockeren Lehmböden mit reichlicher Humusbeimischung. Als Standorte werden Raine, Halbtrockenrasen, trockene Wiesen, lichte Laubwälder, Waldränder und Waldschläge bevorzugt. Sie steigt von der Ebene bis zu Höhenlagen von 1700 Metern.
Die Schlüsselblume dient mehreren Schmetterlingsraupen als Futterpflanze, darunter der Raupe der Silbergrauen Bandeule und des Schlüsselblumen-Würfelfalters. Beide sind in ihrem Bestand gefährdete Arten.
Drüsenhaare an Blättern und Blütenstielen können bei empfindlichen Menschen Jucken auslösen.
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